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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-11 · Heft 15 (11.4.1889) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 15 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
Seite 227 (sequence 7)
Language
German
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227 Syrer (167) beobachteten die Gläubigen dieselbe Strenge in der Ruhe des Sabbaths und erlagen zu Tausenden 2»). Seitdem wurde die Anschauung von der Kriegführung eine freiere, und es scheint sich der Grundsatz entwickelt zu haben, am Sabbath zwar nicht angriffsweise zu kämpfen, wohl aber den Angriff zurückzuschlagen»»). Diesen Umstand jedoch benutzten in der Folge die Römer, als Pompejus (63) ungestört die Belagerungswerke am Sabbath aufführte und dadurch die Eroberung der Stadt bewerkstelligte»»). Im Hinblick darauf warnt alsdann Agrippa II (65 n. g. Z.), einen vergeblichen Kampf gegen die Römer zu führen, da man durch die Beobachtung der Sabbathruhe an der nöthigen Energie behindert sei, und räth an, sich lieber zu unterwerfen»»). Jndeß übten Zeit und Verhältnisse ihre bestimmende Macht aus, so daß man bald jede Kampfweise, die offensive wie defensive, für erlaubt hielt und auch am Sabbath zu den Waffen griff, als man vom Anzuge des Cestius (66) hörte»»). Ja auf keinen Geringeren als auf Schammai selbst, den Schöpfer der strengen Schule, wird schließlich der Ausspruch zurückgeführt, daß man den Kampf am Sabbath schonungslos fortzusetzen habe»»). Was aber zur Zeit des Schammai und seiner Schule „politischer Zelotismus" und „Eifer für die Religion" war (Grätz). das ist sicherlich der „Patriotismus" in unserer Zeit. Dieser wird sich in religiöser wie sittlicher Hinsicht als jene zur höchsten Begeisterung und vollendeten Thatkraft hinreißende Macht in unseren Tagen erweisen, um an jeder Stelle an der Spitze des Heeres oder in den gewöhnlichen Reihen desselben dem Vortheil und der Größe, der Ehre des Vaterlandes zu dienen»»). 2g) I. Makkab. 2, 32 ff. 30) I. Makkab. 2. 41, Herzseld, Gesch. II, S. 141; Grätz, Geschichte III, Note 23; Geiger, Ursch. S. 217. 31) Jos.^Antiqq. XIV, 4, 2: de, (xrj TtdzQiov i)v rjßXv, apysiv zag kßöojudöag i'jßEQag, ovx dv tjvvgB-t] rd y^ia' xcolvovzwv hxzlviöv. aQyovzag, /uhv yaQ fidy-rjg xcä zvnzovxag dftvvaaS-cu 6L6(x)Glv d vöfxog, äXXo d'ezi öpojvzag zovg noXe.fjdovg ovx sa. 32) Jos. bell. jud. II, 16, 4: Ttipovvxeg fisv ye td zcvv eßöoudöcDV xal TtQoq firjösßlav nyccqiv xivov{X£vov, peidlajq alcooeod'e, xa&dneQ ol nQoyovoi Ilopiwfup. 33) Jos. ibid. 19, 2: b ös ixGsloag, ccvzovq zrtg evGsßsiag $vßog iitdvrjGE 7iX£OV£xzr(Oai xal xazd zr/v iiayr\v. 34) Sabbath 19 a; Thossephtha Ernbin K. 3: usm prn .-n.-r pi nn*n 35) Ueber den Antheil der jüdischen Soldaten in dem großen Kriege gegen Frankreich 1870-71 und die ehrenvolle Auszeichnung, welche ihnen zu Theil wurde, s. Philippson, Gedenkbuch an den deutsch-französischen Krieg für die deutschen Israeliten, herausgegeben von der Redaction der Allgemeinen Zeitung des Judenthums. Bonn 1871. — In der Schrift: „Soll der Jude Soldat werden"? Wien 1788, wird erzählt, daß im Jahre 1742 oder 49 der Oberrabbiner Jonathan Eibenschütz und andere Rabbinen den Prager Juden die Erlaubniß ertheilt Haben, am Versöhnungstage auf den Stadtschanzen Prags gegen die französische Armee zu arbeiten. Zur Ehre des gedachten Rabbi wird hinzugesügt, daß er selbst an der Spitze der arbeitenden Männer gestanden, ihnen Muth und Trost zugesprochen habe mit der Versicherung, daß Derjenige, der in dieser Beschäfti- Wir stehen voll Bewunderung vor der heiligen Denkweise jener Männer und Parteien, die aus dem Leben am Sabbath jede Alltäglichkeit zu entfernen bemüht waren, die reines Sinnes und mit unbegrenztem Eifer Alles weit von diesem zurückwiesen, was die erhabenen Schwingungen auch nur einen Augenblick stören konnte, die seit Urbeginn seine Hoheit und Größe bezeichnen. Welche überwältigende Macht herrschte in der Stimmung jener Zeit, der es Befriedigung war, gleichsam am Urquell ihrer religiösen Ideen zu verweilen, und diesen durch immer neue Vorsicht vor jeder Trübung zu behüten! Allein alles Das war doch nur bestimmt, dem Leben eine strengere Fassung zu geben, und war an und für sich nicht geeignet, demselben gleichzeitig einen heiligen Inhalt zuznführen. Wie im sittlichen Leben das Unterlassen des Unrechtes nicht gleichbedeutend ist mit der Uebung von Tugend, so darf auch das Unterlassen von werkthätiger Arbeit am Sabbath nicht mit der endgiltigen Feier dieses Tages verwechselt werden. Nur wird, je größer der Umfang der eingestellten Werkthäligkeit, und je durchgreifender der Stillstand ist, desto breiter der Umkreis sein, in welchem die Seele ungestört sich selbst belauschen, in heiligem Frieden zum Bewußtsein ihrer selbst gelangen und sich zu den Höhen der Andacht und Anbetung aufschwingen kann. Die Sabbathruhe ist daher nur der äußere, unentbehrliche Rahmen für die Feier des Tages, das nothwendige Requisit, ohne welches das Wesen der Feier unerreichbar, undenkbar ist, und je vollständiger und ausgedehnter die Ruhe ist, desto vollkommener sind die Grundlagen und Bedingungen, auf welchen die Feier beruhen muß, und diese selbst kommt dadurch der Wahrheit am nächsten. Diese Unterscheidung zwischen Sabbathruhe und -Feier, so wie ihre Ergänzung durch einander ist bereits an den frühesten^6) Stellen, die vom Sabbathgesetz handeln, ausgesprochen, in welchen Ruhe und Vollendung mit Segen und Heiligung correspondiren. Und als ob die letzteren Momente, insoweit sie in der Sphäre des Menschenlebens sich zu verwirklichen bestimmt sind, eine sichtbare und greifbare Form annehmeu sollten: werden sie mit festlichen, zur Andacht und Erhebung geweihten Versammlungen^) begrifflich in Uebereinstimmung gebracht und offenbaren in der ganzen Folgezeit durch dieselben immer deutlicher den positiven Inhalt der Feier, den höchsten Act der Gottverehrung. Unvergleichlich schön ist die Weihe, welche der erste unter den großen Propheten, Jesaias, gung für das allgemeine Beste durch einen Schuß umkommen möchte, um so glorreicher in das ewige Leben einteeten werde. Mitgetheilt durch G. Wolf im Jahrbuch für die Gesch. der Juden II, S. 151. 36) Genesis 2. zu Anfang; Exod. 20, 11. 37) \s-ps. Levitic. 23, 2; in demselben Kapitel, ferner Numeri Kap. 28 und 29 kehrt diese Bezeichnung für die Feste wieder; Nachmani z. St.: msa »2 ünp? c'sssp c'xnp cSir nn zvz iw d\-pn n\33 yzpnh hsiv' Sv avp Rabbah Breschith 11: N'N' bxw ncss -pn p; Philippson, Bibelwerk z. St. und desselben Religiouslehre t, S. 153.

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