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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-11 · Heft 15 (11.4.1889) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 15 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
Seite 225 (sequence 5)
Language
German
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225 der Liebe und der beglückenden Sehnsucht. Die Ruhe des Sabbaths ist kein Ausfluß des Mitleids und des Erbarmens, das Gott dem Menschen zuwendet, um demselben auf seinem mühevollen Lebenswege eine schnell vorübergehende Erleichterung zu gewähren, — ist keine Erscheinung, durch welche j das Menschenleben vollends seiner ganzen Trübseligkeit inne existirt frühzeitig bei den Griechen und Römerin ,0). Der Sabbath hingegen beruht weder auf Grundlagen der Geschichte, noch der Natur, sondern in dem Glauben an die Erschaffung") des Alls durch Gott. Er ist daher dogmatischen Charakters, insofern er dem Glauben an die Einheit Gottes Form und Stimmung giebt und ein lautes Bekenntwird, und vor Allem keine Institution, welche die göttliche niß des Monotheismus gegenüber allen entgegenstehenden Theilnahme an einer menschlichen Feier bedeutet. Sie ver-^ Religionssystemen des Alterthums ist. Die Erinnerungen sinnbildlicht vielmehr die Erhebung des Menschen zum An-! der Geschichte können sich im Verlauf der Zeiten abschwächen theil an einer göttlichen Feier und ist die ergreifende Beredt- und der aus ihnen heraus wirkende religiöse Gedanke kann samkeit von der erhabenen Gemeinschaft mit Gott, zu welcher! dann an gestaltender Kraft verlieren; die periodischen Wechder Mensch ausersehen ist, die jedoch getrübt und verletzt! sel der Natur können an dem gleichgiltigen und wenig einwird, wenn er dieser Mitfeier sich entzieht. Die Sabbathj pfänglichen Gemüth eindruckslos vorüberziehen, ohne zu einer ruhe ist nicht Selbstzweck, keine mechanische Nothloendigkeit, religiösen Feier zu stimmen; die Feste können mit unfromkeine technische Einrichtung, sondern eine ideale Wahrheit,! ein „Symbol" 0) der heiligen Gemeinschaft, in welcher wir uns mit Gott befinden, eine Macht, welche uns zu den Ahnungen und Gefühlen einer unvergänglichen Glückseligkeit fähig macht. Hoch aufragend wie ein machtvoller Gipfel in dem religiösen Leben Israels läßt der Sabbath an Bedeu-! tung Alles weit hinter sich zurück, was Anspruch auf Heilig-! keit erhebt, und festigt den Glauben. Bevor noch geschicht-! liche Begebenheiten oder Vorgänge im Leben der Natur den religiösen Sinn der Menschen auf die Einsetzung von Festtagen führten, bezeichuete der Sabbath die ursprüngliche Blüthe religiösen Empfindens in der Menschheit, den reinen unverwischten Naturlaut des Heiligen, der aus der unmittel-, baren Berührung des Weltschöpfers in der Geburtsstunde 1 der Schöpfung vernommen wurde und wie über die Schöpfung, zugleich auch über den Schöpfer belehrte, aus dessen Hand. das ganze Dasein hervorgegangen ist. j Wie den Festen der alten Völker überhaupt, so liegen j auch den Festen des jüdischen Volkes sowohl geschichtliche Erinnerungen, wie elementare Erscheinungen im Leben der Natur zu Grunde; und nicht allein die größeren Feste der Juden finden sich, wenn auch abgeblaßt, bei allen Völkern wieder, sondern auch die Feier des Neumondes, die in den ältesten ^) jüdischen Urkunden beglaubigt ist, ferner die Beobachtung des Ceremonialen bei Verkündigung'') desselben mem Sinnen unterschätzt und discutirt werden. In dem Sabbath jedoch wird der Gottglaube in seinen tiefsten^-) Wurzeln berührt, das Menschenleben in seinen heiligsten Beziehungen geoffenbart und die Gottverehrung als der höchste Preis und die Summe unserer Fähigkeiten und Kräfte gezeigt. Was Wunder daher, wenn schon das biblische Ruhegebot des Sabbaths viel umfassender und energischer ist, als bei den Festen und in allen späteren Perioden der Umfang der Ruhe, sofern sie einen Ausschluß der Alltäglichkeit bewirkt, immer mehr erweitert wurde! Während am Festtage jede Thätigkeit, welche auf Zubereitung^) der Speisen an 10) Odyssee XX, 156; 276 — 78; XXI, 258. Näheres über das Neumonds- oder Apollonsfest (s. Welcker, Gr. Göiterlehrel, 466). — Bei den Römern wurde am Neumondstage von den Pontifices vor dem versammelten Volke „abgerusen", daher calendae Rufetage, ob von diesem Tage bis zum Tage des ersten Viertels einschließlich 5 oder 7 Tage zu zählen seien, und welche Geltung den übrigen Tagen des Monats beiwohnen solle. Die Kenntniß des Kalenders war ein Geheimniß der Patrizier, das diese eifersüchtig bewahrten, weil sie dadurch unbeschränkten Einfluß auf alle kalendarischen Bestimmungen hatten, und erst 340 v. Ehr. wurde das Kalenderwesen durch den Aedilen Flavins veröffentlicht. Mommsen, Rom. Chronologie S. 16; Becker-Marquardt, Handbuch der röm. Alterthümer 11a, S. 367; das. III c, S. 60 und 62. 11) Philo cle opificio mundi: r>)r tov xoafiov yevefrhav fadgccv zal xi\y iogxtjv rav xon^ov ytreotv; vgl. de vita Mosis p. 166. — Maimonid. More III, 43: -aan nym c^pai Tanar ne ay cSiyn rnna n:iaxn x\-n nnt nxa. — Nachmani zu Genes. III, 3: aSiy tc' xim. — Hachinuch zu Jithro: rrax i:\rvra:a yiapS m.n 'tc' Sa raa'ia.n San sw cSiyn anm. — Sofort II, 50: nvar nn\ni Sapar 'v '2 n'rya nx-rn x\n iSvxa;ax mnSxa nxnnn nesya x’.n nar.n 6) Exod. 31, 17: cSiyS x\n rnx. 7) Jerusch. Aboda Sarah I, 2: Sr pi'tn;n iS«, vgl. Babli das. S. 8 u. Rabbah zu Deuteronom. Z 7; Aruch: x-t;Sp. 8) Numeri X, 10; XXVIII, 11; Könige II, 4, 23; Jesaias I, 13—15; 66, 23 und sonst. 9) Rosch Hasch an ah I u. II; Maimonid. H. Kiddusch Hachodesch. Die Berechnung des Neumondes und die davon abhängige Kalenderbestimmung überhaupt war ein Geheimniß, das nur im Patriarckenhause durch Tradition bekannt war (Rosch Haschanah 25 a und Bikkure Haittim XII, 44 ff.), und wurde erst durch den Patriarchen Hillel II. (359 n. gew. Zeitrechnung! veröffentlicht (Grätz, Geschichte IV, 396). . .. pSG raa tsmna mm -,a: rrrxaa nrya nv?a nm nar naya rar msa nrvani nir^-Bna rnr “pan' xnia.n Sx ranpa rcrn r.Tar;a cs. Die Bedeutung des Sabbalhs als Andenken an die Befreiung aus Egypten, die fast überall wiederkehrt und bereits Deuter. V, 15 ausgesprochen worden ist. ist nur aus dem Gesichtspunkte der Schöpsung zu beurtheilen. Denn der große Gedanke der Freiheit und Gleichberechtigung für alle Menschen, der in der Schöpfung theoretisch begründet ist, ist in der Befreiung aus Egypten zu einer praktischen Wahrheit geworden. 12) Chulin 5 a: mmn SaS naic r.irar SSnS neia; Erubin 69 b: e'S'xS miaya rar np s-.'an; Jad Chasakah Hilch. Sabb. 30, 15: 13) Mechiltha zu Exod. 12, 16: a"? nrm ra: Saix Sa; Hachinuch zu Levitic. 23, 7: 'aS naxSa ^a xSi rn-ay raxSa Sa;xa airan -.ax a"ra mryS nrm re: Saix 'msr; Misch nah Bezah V, 2: a"i' pa p«

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