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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-04 · Heft 14 (4.4.1889) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 14 (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
Seite 218 (sequence 14)
Language
German
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218 vier Wallfahrtsorte, wohin die Israeliten sich zu Hunderten zu gewissen Zeiten des Jahres begeben. Einen giebt es zu Bagdad, dicht bei der Stadt. Es ist das Grab Josua's, des Hohenpriesters. An jedem Neumond machen sich Tausende von Israeliten eine Pflicht daraus, sich dorthin zu begeben und dort bestimmte Gebete zu sprechen, die ihnen Glück bringen sollen. Die Frauen besonders eilen in großer Anzahl dorthin, gehen in geschlossenen Reihen um das Grab und küssen die kalten Steinplatten in der Hoffnung, dadurch von der Unfruchtbarkeit geheilt zu werden. Sie wissen nicht, daß diese Unfruchtbarkeit von den zu frühzeitig und von mit nahen Verwandten geschlossenen Ehen herkommt, welche die Wunde der jüdischen Gemeinden von Irak sind und welche so viele Verbindungen unfruchtbar machen. Die anderen heiligen Orte sind: bei Hilleh das Grab des Propheten Ezechiel,' bei Baffora das von Esra; bei Mossul das des Propheten Nahum und schließlich zu Kerkuk das Grab von Daniel und seinen Gefährten. Um diese Zeit des Jahres verlassen mehrere israelitische Familien Bagdad, um einige Wochen in der Nähe eines dieser verehrten Gräber zu verleben. — Im Laufe des Monats April verließen die israelitischen Pilger Damaskus, welche den dreiunddreißigsten Tag vom Omer in Merom feiern und das Grab von Rabbi Schimon bcn Jocha! besuchen wollen. Die Caravaue von Alep, welche in Damaskus Halt macht und sich während drei oder vier Tagen von unserer Bevölkerung ernähren läßt, war schon fort. Es ist ein rührender Anblick, diese lange und schwierige Reise, von Kranken unternommen, welche den Glauben im Herzen und die Hoffnung in der Seele tragen. Sie glauben alle, daß diese Pilgerfahrt ihnen eine wunderbare Genesung bringen werde." 4. Die Pilgerfahrt nach Alt-Kairo, von Herrn Danon, Director der israel. Schule zu Kairo. Gegen Ende des Monats Nissan, großer Wirthschaftsumzug in der israelitischen Gemeinde von Kairo, die sich dazu vorbereitet, fast ganz und gar nach Alt-Kairo umzuziehen. Alt-Kairo, im Arabischen Fostät genannt, liegt im Süd-Osten von Kairo, in einer Entfernung von 5 Kilometern. Es wird heute nur noch von den Copten bewohnt; es befinden sich dort keine anderen Israeliten als die drei Wächter der Synagoge. Zu welcher Zeit fand die Niederlassung der Israeliten in Fostät statt? Man kann dort noch das ehemalige israelitische Viertel sehen, ganz um die Synagoge herum, eine große Anzahl Häuserruinen, inmitten von Häusern, die in verhältnißmäßig späterer Zeit von den Copten erbaut worden sind. Wird ein Besuch in diesen Trümmern großes Interesse bieten? Ich weiß es nicht, es ist sehr zweifelhaft, ob er irgend einen glücklichen Fund herbeiführen würde, ein werthvolles Manuscript oder irgend ein interessantes Document. Es ist wahrscheinlich, daß die Niederlassung der Israeliten in Fostät aus dem achten oder neunten Jahrhundert datirt. Die kluge und duldsame Verwaltung der arabischen Eroberer, deren wohlthätige Wirkungen unsere Glaubensgenossen sogar in Alexandria empfinden konnten, ermuthigte gewiß mehrere unter ihnen, sich in der neuen Hauptstadt der Kalifen niederzulaffen. In einem Briefe von Amr an den Kalifen Omar wird gesagt, daß die Stadt Alexandrien 40,000 Israeliten beherbergte (und nicht 4000 wie die Grande Eneyclopödie sagt). Man kann also annehmen, daß Alexandrien die ersten israelitischen Familien nach Fostät sandte. Dieselben Wege, welche den Arabern Egypten eröffneten, mußten den Israeliten Arabiens den Weg dieses Nilthales eröffnen, dessen j alte Pracht und glänzender Wohlstand nicht verfehlen konnten, lebhaft ihre Einbildungskraft anzuregen und sie zu ermuthigen, alle Wagnisse und Gefahren einer großen Auswanderung zu wagen. Als um diesen Kern sich eine ziemlich große Zahl Familien gesammelt hatte, mußte man an die Errichtung einer Synagoge denken. Dies war der Zeitpunkt, wo der Bau der Synagoge von Fostät stattfand. In welches Jahr fällt dieser Bau? Die Ost-Mauer des Gebäudes trägt eine große Anzahl Inschriften; aber alles sind Verse aus der Bibel, und es war mir nicht möglich, etwas darunter zu finden, was irgend welche nützliche Aufschlüsse gegeben hätte, aber anstatt einer Inschrift, welche ein Datum angiebt, giebt es ein Document von großer Wichtigkeit, wenn, wie man versichert, es authentisch ist. Es handelt sich um hodjet oder eine Eigenthumsurkunde. Nach diesem Hodjet datirt der Bau dieser Synagoge vom 19. Chaba» 429 der Hedschra (April 1051). Der damalige Richter war Abu Mohamed el Kassim, Sohn von Abd-ul-Aziz, Sohn von El Noamane; es geschah unter der Regierung des Kalifen El Mustenser, Sohn von Tamine Maad, fatimitischer Kalif, König von Egypten, Syrien und von Hedjaz. Der Großrabbiner war Moses, Sohn des Jacob, Sohn des Jsaac, Arzt und Vorsteher des jüdischen Volkes. Das lehrt uns das Hodjet in seinen ersten Linien. Dann kommt die Erzählung eines Ereignisses, das ich in Folgendem zusammenfasse: „El Mustenser wurde im Jahre 420 der Hedschra geboren und 427 im Alter von 7 Jahren zum Kalifen ernannt. Er regierte sechzig Jahre. Seine Mutter war eine Sklavin, welche der Kalif El Zäher von einem jüdischen Händler, Namens Abu Saad Sahl, Sohn von Harum und Tastiri kaufte. Als El Mustenser Kalif wurde, beschützte seine Mutter Abu Saad und gab ihm ein hohes Amt. Indessen konnte trotz dieses mächtigen Schutzes Abu Saad während des Ministeriums El Guirgaui den hohen Rang nicht erreichen, nach dem er strebte. Einige Zeit nach

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