Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- Seite 219 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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m dem Tode dieses Ministers folgte ihm El Jmabarh. Infolge eines Zwistes mit dem neuen Minister beklagte sich Abu Saad bei der Mutter des Kalifen. Diese wirkte zu Gunsten des Israeliten und gegen El Jmabarh, der in Ungnade fiel, später getödtet und durch einen Mann ersetzt wurde, der Abu Saad völlig ergeben war." Dies ist, wie Sie sehen, mit einigen kleinen Aenderungen, eine Wiederholung der Geschichte Esthers. Die Synagoge wurde in der Zeit des Einflusses von Abu Saad erbaut. Sie liegt im coptischen Viertel, ein ziemlich wichtiges Viertel, das hohe Mauern von dem übrigen Alt-Kairo trennen. Ein recht geräumiger Hof umgiebt diese Synagoge, deren Thür sich ein Meter unter dem Niveau dieses Hofes öffnet. Ihre Dimensionen betragen beinahe zwanzig Meter auf fünfzehn. Zwei Reihen von je sechs Säulen schließen die Kanzel und ein Grab ein, welches die Egypter für das Grab von Jeremias halten. Die Kanzel bietet durchaus nichts Bemerkenswerthes. Sie scheint von sehr neuer Construction; wahrscheinlich hatte die erste mehr Charakter und war, wie zwei schöne Thüren, die man dort sieht, von elegant geschnitztem Holz. Das Grab ist aus Steinen und mit gewöhnlichen Stoffen bedeckt. Im Hintergründe der Synagoge findet man zwei Zimmerchen, von denen jedes seine Legende hat. Das eine wird besonders verehrt, dort betete der Prophet Elias. Die beiden engen Thüren, welche zu dieser Art Loge führen, sind von sehr seltsamer Arbeit. Zugleich indem man die Arbeit zeigt, verfehlt man nicht, die Aufmerksamkeit auf die verhältnißmäßige Höhe dieser Thüren zu lenken, die man damit erklärt, daß Elias von sehr hoher Gestalt war. Das andere kleine Zimmer bezeichnet den Platz, wo Esra seine Gebete verrichtete. In der Höhe von 2 Metern ist ein Schrank eingelassen in der Mauer, wo sich eine Gesetzesrolle befinden sollte, die von Esra selbst geschrieben sein soll. Es ist eine große Sünde, daran zu rühren, derjenige, der es wagt, kann gewiß sein, im Laufe des Jahres zu sterben. Ich bin ein zweites Mal nach Alt- Kairo gegangen, zu einer Zeit, wo ich sicher war, Niemanden zu treffen. Ich wollte mich mit meinen Augen versichern, was sich in dem Schrank befände. Ich hatte falsch gerechnet; eine Familie hatte sich dort installirt. Man hat mir versichert, daß dieser Schrank jetzt zugenagelt ist. Ich frage mich, ob er wirklich Etwas enthält und was. Der Theil der Gegend, der über dem Hechal liegt, zeigt ein ganz hübsches Decorationsmotiv. Es ist eine hebräische Inschrift, welche eine elegante Einfassung bildet; ich glaubte dort irgend ein Datum zu finden. Es sind aber einfach einige Verse eines Psalmes. Im Ganzen bietet diese Synagoge in architectonischer Beziehung nichts besonders Interessantes. Man kann sagen, daß sie bei der Gemeinde, welche sie erbaut hat, einen gewissen Wohlstand und sogar ein relatives Vertrauen in die Zukunft anzeigt. Es ist dies nicht etwa ein einfacher Saal, welcher von einem Tage zum am deren in eine Synagoge umgewandelt worden ist. Die Copten zeigen in Alt-Kairo eine alte, sehr seltsame Kirche; in Alt-Kairo befindet sich die Moschee des Amru, welche, wie Sie wissen, die erste Moschee ist, welche die Araber in Egypten errichtet haben. Es ist ein Wald von schönen Säulen, deren Ensemble von wahrer Größe ist. Alle Touristen, die hierher komnien, verfehlen nicht, die Moschee des Amru und die coptische Kirche zu besuchen- Sehr wenige nur besuchen unsere Synagoge. Außerdem, daß sie keinerlei architectonisches Interesse bietet, ist sie auch, man muß es gestehen, sehr schlecht unterhalten. Denjenigen, welche sich wundern sollten, in dieser Synagoge nicht den leisesten Anflug der arabischen Kunst zu finden, kann man antworten, daß es nicht leicht ist, sich mit Arabesken zu beschäftigen, wenn man unter der fortgesetzten Drohung der Verfolgung steht. Es bleiben mir noch Ihnen einige Worte zu sagen über die Art religiöser Ceremonie, der ich an dem Abende beiwohnte, an dem ich nach Alt-Kairo ging. An jedem Neumond kommen fromme Leute nach dieser Synagoge zu Fostlck, um zu beten. Am ersten Tage des Monats Jjar sind es nicht mehr zehn bis zwanzig Personen, sondern die fast vollständige Gemeinde von Kairo, die diese Pilgerfahrt macht. Ganze Familien begeben sich vom frühen Morgen an dorthin, mit reichlichen Vorräthen versehen, und alle installiren sich in dem Tempelhof, einem ziemlich großen Hofe, der an diesem Tage den Anblick eines sehr belebten Marktes bietet. Die Menge Frauen, welche schwatzen, Kinder, welche weinen, Händler mit Früchten, welche schreien, Träger von kleinen improvisirten Cafos, welche durch einander laufen, der Gesang von der einen Seite, die Musik von der anderen, alles das bildet einen Lärm, welcher die Echos der Umgegend überraschen muß, die an ein Todesschweigen gewöhnt sind, daß nur von seltenen Ausnahmen unterbrochen wird. Ich hatte mir bis zu diesem Tage auch nicht so Rechenschaft gegeben von den der Abstammung nach so verschiedenen Elementen, aus denen die israelitische Gemeinde von Kairo besteht. Sie sehen dort, wie ein Israelit von Jemen einen rumänischen Israeliten mit dem Ellbogen stößt, wie ein Glaubensgenosse von Bagdad eine Kokusnuß von einem Inden von Balata kaust, neben einem Inden aus Syrien. Was soll ich Ihnen sagen? Es giebt welche aus allen Ländern. Alle diese Leute sind vergnügt, in froher Feststimmung. Ist die Gebetstunde am Abend gekommen, geht Jedermann in den Tempel. Ich überlasse es Ihnen, sich auszumalen, wie eng es da drinnen ist. Der Tempel wird von zwei kleinen Kronleuchtern und einer Menge kleiner Kerzen erhellt. Ist das Abendgebet beendet, nach einigen schönen