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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-04 · Heft 14 (4.4.1889) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 14 (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
Seite 217 (sequence 13)
Language
German
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217 Abraham Broda's kehrte R. Nathanel Weil mit seiner Familie nach Prag zurück und bekleidete dort das Amt eines „Appellanten" bis er das Rabbinat im Schwarzwald (Baden) übernahm. Tiah Weil war „Unterjurist" in Prag, Rabbiner in Utitz und des Berauner Kreises, bis er als Rabbiner nach Karlsruhe (Baden) berufen wurde. Än der Ausarbeitung des erwähnten großen Werkes seines Vaters nahm er thätigen Antheil und in der unter dem Titel mm erschienenen Gutachtensammlung seines Vaters befinden sich auch einige Gutachten von ihm, auch versah er die Peßach- Hagadah mit einem Commentar. Er starb den 11. October 1805 in Karlsruhe. vr. Kayserling. Jeuit /rste und Pilgerfahrten orientalischer Juden. Die Jahresberichte der Alliance israelite universelle pflegen Berichte über unsere Glaubensgenossen in entlegenen Ländern, erstattet von Agenten und Schuldirectoren der Alliance zu bringen, wodurch mit der Zeit ein sehr reiches Material zur Kenntniß der Lage und der Cnlturzustände der Juden beschafft wird. Der eben ausgegebene Bericht über das Jahr 1888 bringt viele und interessante solcher Referate, und wir entnehmen daraus unter der obigen Ueberschrift eine Mittheilung über Gebräuche und Ceremonien, die der Gesammtjudenheit fremd sind. 1. Das Fest von Rabbi Schimon. Von einem Lehrer der Schule in Tunis. Ein Fest, welches im Westen Europas ganz unbekannt ist, wird in den Gemeinden des Ostens und in denen des Westens von Afrika regelmäßig gefeiert; die Ceremonien, aus denen es besteht oder welche es begleiten, sind verschieden, je nach dem Orte. Im Folgenden wird eine Beschreibung dieses Festes gegeben, wie ein Lehrer der Schule der Alliance zu Tunis es beobachtet hat. An einem Samstag Abend zeigten die Straßen des israelitischen Viertels, welche gewöhnlich beim Anbruch der Nacht nicht sehr besucht sind, eine außergewöhnliche Belebtheit. Das Fest des Rabbi Schimon begann. Mit Eisendraht, Baumzweigen und Blumen hatte man Kronleuchter hergestellt, die bei der Dunkelheit einen sehr schönen Effect hatten. Die Israeliten gehen in Gruppen von zehn bis fünfzehn Personen in den Straßen auf und ab, arabische Musik voran, und tragen auf ihren Schultern zwei oder drei dieser Kronleuchter, die mit Lichtern und Kerzen versehen sind. Sie statten so Familien Besuch ab, in welchen der heilige Rabbiner besonders verehrt wird und vereinigen sich in Tempeln, welche für diese Gelegenheit mit bunten Stoffen decorut und mit Lampions illuminirt sind. Man wirft einen Blick auf die Sefer Thora, man legt seine Münze auf einen Teller, der zu diesem Zwecke aufgestellt ist, und setzt t e t o n. die Promenade mit den Fackeln durch die engen Straßen des jüdischen Viertels fort. Der Lärm und die Fröhlichkeit enden erst zu sehr vorgerückter Stunde der Nacht. In Marokko feiert man religiös diesen, dem Rabbi Schimon geweihten Tag, aber anstatt zur Synagoge zu gehen, verbringt man die Nacht auf den Friedhöfen, wobei Psalmen gelesen werden und man auf den Gräbern der Rabbinen betet. Diese Gräber sind von ungeheuren Zelten umgeben, welche Hunderte von Personen aufnehmen können. Man verbringt dort einen ganzen Tag, sogar zwei; man versorgt sich vorher mit Vorräthen und den nöthigen Wirthschastsgeräthen, wie für eine lange Reise. Während der Nacht ist der Grabstein mit brennenden Kerzen bedeckt. Ein tiefes Schweigen herrscht auf dem Friedhofe und man hört nur die Stimme des Frommen, der Psalmen aufsagt. Die Ceremonie ist nicht sehr belebt, wie Sie sehen, aber sie hat einen sehr imposanten religiösen Charakter. 2. Purim de los Cristianos. Die Juden von Marokko haben ein seltsames Fest, das sie Purim, de los Cristianos nennen und das sie am zweiten des Monats Elul feiern. Dieses Fest findet zur Erinnerung an die Schlacht der drei Könige oder an Aleazar Kebir, im Jahre 1578 statt. Don Sebastian, König von Portugal, batte beschlossen, alle Ungläubigen zu vernichten und sich Afrikas zu bemächtigen, aber er starb in der Schlacht und die Israeliten, welche einer so großen Gefahr entgangen waren, wollten einen so denkwürdigen Tag feiern. In Tetuan wird Purim de los Cristianos streng beobachtet, man schließt die Läden, die Schulen, man vertheilt viele Almosen und man betet auf dem Friedhof. In Tanger, wo man gleicher Weise dieses Ereigniß feiert, nennt man es Purim de los Bombas. 3 Pilgerfahrten nach Bagdad und nach Damaskus nach Briefen aus diesen beiden Städten. „Wir befinden uns in der Saison der jüdischen Pilgerfahrten (in Bagdad, April 1888). In Jrak-Arabi giebt es

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