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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-04 · Heft 14 (4.4.1889) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 14 (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
Seite 216 (sequence 12)
Language
German
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216 wöhnliche Spende, die der Baron Hirsch der Alliance gemacht. Es werden nämlich in der Einnahme 400000 Francs als „Spende des Barons von Hirsch" aufgeführt. Dies sind doch die Zinsen von 10 Millionen Francs. In den Fonds der Alliance werden diese letzteren nicht aufgeführt, so daß sie also als ein besonderer Fond vom Baron v. Hirsch gestiftet zu sein scheinen. Jnsgesammt betrugen die Einnahmen Francs 747 478, die Ausgaben Francs 602 000, so daß sich hier ein Ueberschuß herausstellt. Für die Schulen wurden 454015 Francs verausgabt. Das Vermögen der Alliance betrug am 31. December 1888 1 195 578 Francs. Unsere Leser werden aus dieser Skizze den hohen Stand, zu welchem sich in Wirksamkeit und Mitteln die Alliance heraufgearbeitet hat, mit Genugthuung erkennen, und diejenigen, welche diesem wahrhaft humanen Institute noch fern stehen, werden sich demselben anschließen. Rußland. Kien», im März. Bon hier wird berichtet: Dem „Grashd." zufolge sind am 3. März in Kiew in einem Stadttheil 26 Juden und in einem anderen Stadttheil 32 Juden arretirt worden, welche nicht berechtigt sind, in Kiew zu leben. Es sind alles wohlhabende, sehr anständig gekleidete Leute. Einer derselben wollte der Polizei entschlüpfen und kletterte auf das Dach eines Hauses, doch wurde er bald aufgefunden und im Triumph heruntergeholt! Bonn, 31. März. (Notizen.) Die Bestattung des Herrn Amsdöe Valabrtzgue in Avignon fand unter allgemeiner Betheiligung, namentlich der civilen und religiösen Behörden und der Vertreter der Stadt, sowie der gesammten jüdischen Gemeinde statt. Was das allgemeine Mitgefühl besonders erweckte, war das Geschick des neunzigjährigen Vaters, der seinen zweiundsechzigjährigen Sohn überleben mußte. Dieser Vater hatte früher ganz dieselben Aemter bekleidet wie sein Sohn, als Präsident des Gerichtshofes zu Avignon und als Präsident des israelitischen Cousistoriums zu Marseille. — Aus Berlin wird geschrieben: Professor Moritz Stern, der seine Thätigkeit als Lehrer der Mathematik an der Universität Göttingen aus Gesundheitsrücksichten schon seit mehreren Jahren eingestellt hat und gegenwärtig in Zürich lebt, beging am 5. d. M. sein 60 jähriges Doctorjubiläum. Die Georgia-Augusta hat dem Jubilar zu diesem Tage ein Glückwunsch-Telegramm übersandt. — Aus S. A.- Ujhely (Ungarn) wird vom 20. d. M. berichtet: Vergangene Nacht drangen Diebe durch ein gewaltsam eingeschlagenes Fenster in die Synagoge der hiesigen Gemeinde, erbrachen die in der Wand eingemauerten Armenbüchsen und entleerten dieselben ihres spärlichen Inhaltes. — Man schreibt aus Heilbronn, 22. März. An Stelle des auf sein Ansuchen auf unbestimmte Zeit beurlaubten Herrn Rabbiners vr. Engelbert hier wurde von der Israelitischen Oberkirchenbehörde Hr. vr. Berthold Einstein aus Ulm, Zögling des Rabbinerseminars in Breslau und längere Zeit Rabbinatsverweser in Halle a. d. S., mit der Führung der Rabbinatsgeschäfte betraut. — In Stuttgart feierte Hr. Synagogen- Verwalter Mannheimer sein 25jähriges Amtsjubiläum unter großer Theilnahme vieler Mitglieder der dortigen Gemeinde. Auch beim Gottesdienste wurde der Dienste, die der Jubilar der Synagoge leistet, in der Predigt ehrend gedacht und ein Festmahl vereinigte am Abend einen großen Kreis von Freunden. Gewiß ist es an der Zeit, Männer zu ehren, welche sich der Erhaltung und Förderung des religiösen Sinnes aus reinstem Eifer widmen. — (Bemerkung.) In unsrer Nachricht aus London in vorigen Nummer war von der Beschwerde der jüdischen Arbeiter über das „Schwitzsystem" die Rede, welches jetzt in London im Schwange ist und die Arbeiter außerordentlich benachtheiligt. Man versteht darunter, daß gewisse Zwischenhändler von den größeren Unternehmern die Arbeiten übernehmen und sie nun an die Arbeiter vertheilen, indem sie deren Lohn aufs Aeußerste herunterdrücken. Es hat dies bereits die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und man erwartet gesetzgeberische Maßregeln dagegen. In England hält dies sehr schwer, da man die freiheitliche Bewegung in Handel und Gewerbe zu beschränken sehr zaghaft und zurückhaltend ist. Welche Mißbräuche hier noch vorhanden sind, ersieht man daraus, daß manche dieser jüdischen Arbeiter täglich 18 bis 19 Stunden arbeiten müssen, wenn sie überhaupt Arbeit haben wollen. Sie müssen sogar froh sein, wenn sie Arbeit haben, da bei dem Ueberfluß von Arbeitskräften und dem Rückgang der Industrie viele nur einen Tag die Woche Beschäftigung finden. Pest, 25. März. (Historische Notiz.) Tirah Weil. Zu seinem Artikel „Aus Alt-Prag und vom kölnischen Landesrabbinat" in Nr. 12 dieser Zeitung bemerkt Herr vr. G. Wolf zum Schluffe in einer Anmerkung: „Die letzten Unterjuristen in Prag, welche die Kaiserin Maria Theresia 21. October 1752 bestätigte, waren: „Tio (?), Wehl und Simon Brisker."" Tio ist nicht Familienname, sonder» Vorname: Tiah (hn'd ------ -■‘-pt), vielleicht Abkürzung für Theophil; Tiah Weil war der Sohn des R. Nathanel Weil, des bekannten Verfassers des p~ip. Seine Mutter war eine Nichte des später nach Metz berufenen böhmischen Landesrabbiners Abraham Broda, dessen Lieblingsschüler sein Vater war, und dem er auch nach Metz und später nach Frankfurt a. M. folgte. Tiah wurde in Metz geboren. Nach dem im April 1717 in Frankfurt a. M. erfolgten Tode R.

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