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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-04 · Heft 14 (4.4.1889) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 14 (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
Seite 215 (sequence 11)
Language
German
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215 dem Gebiete des Schulwesens angegriffen. Wenn Lueger und seine speciellen Freunde im Reichsrathe für den Liechtenstein'schen Antrag stimmen werden, wie vorauszusehen, so dürfte der Krach in der „antiliberalen" Partei bald erfolgen, da ein Theil derselben wenigstens vom Clericalismus entschieden nichts wissen will. Wien, 26. März. Bei den heutigen Gemeinderaths- Wahlen aus dem ersten Wahlkörper wurden in sämmtlichen Bezirken die liberalen Candidaten bei großer Betheiligung mit ansehnlichen Majoritäten gewählt. Pest, 24. März. (Privatmitth.) Die Bemerkung zu der Correspondenz aus Pest in Nr. 12 dieser Zeitung bedarf einer Berichtigung. Der große Procentsatz der unehelichen Geburten in Pest ist nicht buchstäblich zu nehmen und daher auch kein Beweis für den Niedergang des Familienlebens. Nach einer ministeriellen Verordnung wird nämlich jedes Kind, dessen Vater bei der Anmeldung zur Matriknlirung nicht ein Zeugniß über die gesetzlich geschlossene Ehe beibringt, als unehelich matrikulirt. Nun giebt es in Pest wie in ganz Ungarn noch immer viele Ehen, welche wohl nach mosaischem Gesetze durch VKn-pi nein, nicht aber nach den Anforderungen des Staatsgesetzes geschlossen sind; die aus solchen Ehen entsprossenen Kinder werden als unehelich matrikulirt. Auch die Zahl der Scheidungen, 21, ist im Verhältnisse zu den Trauungen, 532, keine so überaus große, dabei kommt noch in Betracht, daß auch Scheidungen von Ehen, die in der Provinz geschlossen woden, mit einbegriffen sind. Frankreich. Paris, 25. März. (Privatmitth.) Die Alliance israelite universelle bewegt sich stets im Lichte der Oeffcntlichkeit. In ihren Monats-, halbjährlichen und Jahres-Berichten giebt sie über ihre Wirksamkeit, wie über ihre financielle Lage genaue Mittheilung, und diese Berichte werden in französischer und deutscher Sprache verbreitet und sind Jedermann zugänglich. Um so mehr geht hieraus die Verlogenheit der Antisemiten hervor, wenn sie die Alliance mit boshaften Verleumdungen überschütten. Besäßen diese unmoralischen Menschen nur einen Funken von Wahrheitsliebe, so könnten sie sich auf's Leichteste von der Lügenhaftigkeit ihrer Behauptungen überzeugen. Der Bericht über das Jahr 1888 enthält zuerst wie gewöhnlich über die Propaganda und die Mitarbeiter Aufschluß, woran sich Mittheilungen über die Lage der Israeliten in Rumänien, Rußland und Marokko schließen. Kann in denselben nicht viel Neues herangebracht werden, so ist doch die übersichtliche Zusammenstellung willkommen. Der Artikel über die russischen, wie die über die marokkanischen Juden beginnt mit den Worten: „Keine bemerkenswerthe Veränderung ist im Jahre 1888 in der gesetzlichen oder moralischen Stellung der Juden vor sich gegangen." Und doch wäre es den betr. Regierungen so leicht, eine erhebliche Besserung herbeizuführen. „Falsche Anklagen" lautet der Schluß dieser Abtheilung, das ist eine Schmach unserer Zeit, daß eine solche Rubrik noch bestehen kann. Hiermit betritt der Bericht ein erfreulicheres, ja ein höchst erfreuliches Gebiet: die Elementar- und Handwerksschulen im Oriente, welche die Alliance gegründet hat und dauernd unterstützt und leitet. Wir erhalten hier genauen Aufschluß über die Zeit des Bestehens der Anstalten, ihre Schülerzahl, den Lehrkörper, die Kosten und woher diese genommen werden. Da auch die Zahl der jüdischen Bevölkerung — natürlich, weil im Orient nicht in zuverlässiger Weise — angegeben wird, kann man das Verhalten derselben zur Schule beurtheilen, da auch die Zahl der Zöglinge, welche Schulgeld zahlen, und der unentgeltlichen mitgetheilt wird. Die Zahl der Elementarschulen der Alliance ist gegenwärtig 53, nämlich 34 Knaben- und 19 Mädchenschulen. Das Lehrpersonal besteht aus 275 Personen, von welchen 107 in den Normalschulen der Alliance gebildet worden. Die Gesammtzahl der Knaben beläuft sich auf 7153 und der Mädchen auf 3178, zusammen 10331. Dies ist gewiß eine schöne Propaganda der Cultur; denn die Erfahrung des letzten Jahrhunderts hat hinreichend erwiesen, daß in unserem Stamme von der Volksschulbildung der civilisatorische Fortschritt unabweislich ausgeht und weiter dringt. 11m die Ausdehnung dieses Werkes der Alliance erkennbar zu machen, führen wir hier nach dem alphabetarischen Verzeichniß die Orte auf, an welchen — außer den Vorbereitungsschulen in Paris — die Alliance Schulen unterhält. Es sind dies: Aleppo, Adrianopel, Bagdad, Behruth, Bottuschan, Brussa, Ca'iffa, Schumla, Constantinopel, Damaskus, Dardanellen, Jerusalem, Mogador, Philipopel, Salonichi, Semakoff, Smyrna, Sofia, Suha, Tanger, Tatar- Bazardjik, Tetuan, Tunis, Varna, Widdin, Iamboli. An vielen dieser Orte unterhält die Alliance auch Handwerksschulen, die für das gewerbliche Leben außerordentlich wirksam sind. Einen ausführlichen Abschnitt widmet der Bericht der Ackerbauschule bei Jaffa, die einen beträchtlichen Theil ihrer Kosten bereits durch ihre Erzeugnisse deckt und schon über 50 Jünglinge in der Landwirthschaft und dem Gartenbau ausgebildet hat. — In einem Anhang werden Berichte über Sitten und Gebräuche unsrer Glaubensgenossen in verschiedenen Gegenden, namentlich ausführlich über die Juden in Tetuan gegeben. — Am Schlüsse giebt der Bericht Rechenschaft über die Bilanz des vorigen Jahres, die sich in dem blühendsten Zustande befindet. Die jährlichen Beiträge beliefen sich über 194 000 Francs, wozu noch Geschenke und beständige Beiträge von resp. 23 000 und 54000 Francs kommen. Hier erfahren wir auch etwas über die außerge- 1.1*

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