Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
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211 danken und Gefühle einen zutreffenden, leicht verständlichen Erfordernisse bilden eine Schwierigkeit, die nicht leicht über' und dennoch tief eingehenden Ausdruck zu finden. Diese wunden wird. Deutschland. Berlin, Ende März. (Privatmitth.) Oft schon ist die Befürchtung ausgesprochen worden, daß Berlin mit der Zeit aus dem deutschen Reiche alles Bedeutende centralisiren, dieselbe Stelle für Deutschland wie Paris für Frankreich einnehmen und alle geistigen Kräfte aufsaugen werde, wodurch in den Provinzen eine Geistesverarmung eintreten werde, wie dies eben bei unserm gallischen Nachbar der Fall ist. Gewiß, wer aus einer stillen Provinzialstadt hierherkommt, dieses großartige Treiben vielbeschäftigter Menschen, worin Berlin stellenweise schon jetzt London gleichkommt, betrachtet, diese fast unübersehbaren Anstalten für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Handel, Anstalten für alle Bedürfnisse und Stufen, die immerfort wachsenden monumentalen Bauwerke zu 'öffentlichen Zwecken und das sich immer weiter ausdehnende Terrain der Stadt, dem können leicht Besorgnisse obiger Art aufsteigen. Jndeß Deutschland ist vor dem Schicksale Frankreichs durch die Erzeugnisse seiner Geschichte geschützt. Die Bielstaaterei, welche der deutschen Nation so vielen Schaden gebracht, hat ihr auch viele Vortheile bereitet. Wenn auch nicht so große, so besitzen wir doch viele kleinere Centren in den anderen deutschen Staaten und in den preußischen Provinzen, in welchen alle Zweige des Lebens eine tüchtige Pflege finden. Unsre vielen Universitäten halten die Fahne der Wissenschaft in allen deutschen Gegenden hoch; nicht wenige Kunstschulen wetteifern mit großem Erfolge mit den Berlinern; die Industrie hat große Städte und umfangreiche Landschaften in ihren Dienst gestellt und für den Handel haben wir deutsche Metropolen, die Berlin noch weit hinter sich lassen. — Erwägen wir die Verhältnisse unsrer Glaubensgenossenschaft, so meinen wir nicht, daß wir eine ähnliche Besorgniß zu hegen hätten, obschon Berlin jetzt eine jüdische Gemeinde von 64000 Seelen zählt, die sehr gut organisirt ist und mustergiltige Anstalten besitzt, zwei Rabbiner-Lehranstalten, eine Lehrerbildungsanstalt und dem Deutsch Israelitischen Gemeindebunde zum Domicil dient. So hoch achtbar die Berliner Gemeinde ist, übt sie doch einen nachhaltigen Einfluß auf die halbe Million deutscher Israeliten nicht aus. Da es an einer staatlichen Organisation fehlt, so bestehen die Tausende von Gemeinden in völliger Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, und das Bewußtsein der letzteren ist in den jüdischen Gemeinden so groß, daß an eine Unterordnung nicht zu denken ist. Wie oft schon ist der Bildung von Provincialvereinen der Gemeinden das Wort geredet worden, es hat aber noch kein Gehör gefunden. Da jede Gemeinde ihre Cultuskosten selbst zu tragen, die Wahl ihrer Beamten zu treffen, Synagoge, Schule und Wohlthätigkeits-Anstalten herzustellen hat, so sieht sie sich weder nach Rath, noch nach That um, sondern geht ihren eigenen Weg. Lehrerseminare haben wir bereits mehrere in den Provinzen; das Breslauer Rabbinerseminar bietet den beiden Berlinern noch immer die Spitze; der ganz Deutschland bespannende Verein Achava domicilirt in Frankfurt und fast jede Provinz hat ihren eigenen Lehrer-Unterstützungs-Berein. Dazu kommt, daß außer den kleinen Gemeinden jede ihren eigenen wohlstudirten Rabbiner hat, so daß die jüdische Theologie ihre Jünger durch ganz Deutschland ausgebreitet hat und so von Berlin aus irgend welche Autorität nicht zur Geltung kommt. Hat doch auch die Berliner Reformgemeinde keine Nachahmung in Deutschland gefunden. Man kann sich deshalb des regen Eifers erfreuen, der auch auf jüdischem Gebiete in Berlin obwaltet; aber eine Bevormundung von Berlin oder gar ein Aufsaugen der geistigen Kräfte steht nicht zu besorgen. München, im März. (Privatmitth.) Ich glaube, den Bestrebungen der A. Z. d. I. so recht zu entsprechen, wenn ich einen kurzen Bericht über den, seit so langer Zeit wohlthätig wirksamen „Studien- und Arbeitsbeförderungs-Berein für Israeliten in Bayern" aus dem Jahre 1888 gebe. Daß dieser Verein neuerdings in eine Periode frischen Aufblühens eingetreten, erweist sich besonders aus den ansehnlichen Spenden, die ihm zukommen, sowie aus der Mehrung seiner Mitglieder. So haben die Eheleute Bergmann zum Andenken an ihren verstorbenen Vater 5200 M. gestiftet, um alljährlich am Todestage ihres Vaters ein Stipendium an einen Studirenden der israelitischen Theologie und ein anderes an einen Studirenden gleichviel welcher Categvrie zu gewähren. Außerdem ergaben die Spenden im verflossenen Jahre 1351 Mark. Der Verein vertheilte an Stipendien 2985 M. und zwar an 12 Candidaten der Medicin, 2 der Philologie und Theologie, 4 der Jurisprudenz, 1 Schüler der Aeademie der Künste, 10 Polytechniker, 1 Thierarzneischüler, 2 Gymnasiasten, 1 Musikschülerin, 2 Musikschüler, 3 Lehrerseminaristen, 1 Realschüler,. 1 Schüler der Baugewerksschule und