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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-03-28 · Heft 13 (28.3.1889) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 13 (28.3.1889)
Date
1889-03-28
Page
Seite 198 (sequence 10)
Language
German
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198 Josefsstadt. Die Interpellanten beschuldigten hierbei die Regierung, daß diese die Antisemiten begünstige. — In der Leopoldstadt kam es vor den Wahllocalen zu Schlägereien und Jnsultirungen von Juden, wobei über 20 Personen verhaftet wurden. (Die Zahl der durch die Ergänzungswahlen neu zu besetzenden Gemeinderathssitze betrug nach dem „W. T. B." siebzehn; der Gewinn der Antisemiten erstreckt sich auf zwei bisher liberale und sieben bisher demokratische Mandate.) Wien, 19. März. (Privatmitth.) Die Rohheiten und Vergewaltigungen von Seite der Antisemiten gegen jene, die nicht ihre Ansichten theiten, haben denn doch denjenigen Theil der Bürgerschaft, welcher bisher diesem tollen Treiben, das sie selbst verdammen, zugesehen haben, aus ihrer Lethargie gerissen. Am letzten Sonntag am 10. Dee. fand eine große Bürgerversammlung unter dem Vorsitze des ehemaligen Ministers und jetzigen Vicepräsidenten des Abgeordnetenhauses Ritter v. Chlumetzky statt, die sich auf das Entschiedenste gegen das Treiben der Antisemiten aussprach und das Thema klingt fort in den verschiedenen Wahlversammlungen der „anständigen Leute". Allerdings halten auch die Antisemiten oder wie sie sich nennen „vereinigte Christen" täglich Versammlungen (Herr Vetter, einer ihrer Vertreter, gibt Gastrollen und ließ in verschiedenen Versammlungen eine Rede über die Alliance israelite los, die von Unrichtigkeiten und Lügen strotzt); es ist jedoch anzunehmen, daß die Geister der Finsterniß besiegt werden. Man hat auch allgemein den Glauben, daß die Lieferanten alle reich werden. Das ist ein großer Jrrthum. Ich kenne persönlich ganz tüchtige Kaufleute, die Armeelieferungen übernommen haben; sie sind in die Höhe gestiegen, wenn sie ein paar glückliche Jahre hatten, und sie sind aber wieder zu Grunde gegangen; im Großen und Ganzen kann man sagen, daß der Mehrzahl nach solche Leute zu Grunde gehen. Redner kommt nunmehr auf die Haltung der Opposition in der Wehrgesetzfrage zurück und bemerkt, daß er persönlich mit schwerem Herzen für das neue Wehrgesetz gestimmt habe. Die österreichische Zeitung für Verwaltung Nr. 11 veröffentlicht einen Art.: Entscheidung des Cultusministeriums, nach welcher „Der Bestand eines wegen Irrsinns verhängten gerichtlichen Curatels schließt die zum Uebertritte zu einer andern Religionsgesellschaft erforderliche eigene freie Ueberzeugung noch nicht aus/' Ein Jude, der wegen Irrsinns unter Curatel steht, wollte nämlich zur katholischen Religion übertreten. Die Verwandten erhoben Einsprache gegen diesen Schritt: der katholische Geistliche wieder, der dein Neophyten den. Unterricht ertheilt, erklärte sich dafür. Die Sache gelangte an das Cultusministerium, welches erklärte, daß nach den von der competenten Behörde im ordentlichen Jnstanzenzuge, nötigenfalls nach Einholung einer sachverständigen ärztlichen Gutachtung zu entscheiden sei. Wie ich hinzufügen will, kann nach österreichischem Gesetze ein Irrsinniger in lichten Momenten auch ein Testament rechtsgiltig ausfertigen und kann ihm daher in solchen Momenten auch ein Religionswechsel nicht verweigert werden. Bei den gestrigen Gemeinderathswahlen haben in 6 Bezirken die Antisemiten gesiegt. Es muß wohl noch ärger werden, bevor es besser wird. Pest, 15. März. (Privatmitth.) Der Ausschuß des ungarischen israelitischen Landesstipendiums-Vereins hat in seiner unter Vorsitz des Vereinsprästdenten Hrn. Dr. Heinrich Pollak gestern abgehaltenen Sitzung die für das Schuljahr 1888/89 ausgeschriebenen Stipendien verliehen. Es erhielten je 100 fl.: 14 Medieiner, 9 Rechtshörer, 3 Hörer der Landes Rabbinerschule, 2 Hörer der Philosophie und 2 Techniker; je 50 fl.: 4 Hörer der Landes-Rabbinerschule und 2 Techniker. Im Ganzen wurden dieses Mal 3300 fl. vertheilt und 36 Studirende bedacht. Es concurrirten 147 Petenten, von denen der größte Theil die vorgeschriebene Qualification wohl besaß, jedoch wegen der Unzulänglichkeit der Vereinsmittel diesmal nicht berücksichtigt werden konnte. — Bekanntlich hat bereits Minister Trefort im Jahre 1885 ein Statut hinsichtlich der jüdischen Matriken erlassen und seither langen an das Cultusministerium zahlreiche Gesuche um Anordnung der nachträglichen Matrikenführung ein. In Folge dessen hat jetzt der Cultusminister im Interesse eines gleichmäßigen Verfahrens verordnet, daß die Matrikenführer Jene, die über Geburten, Eheschließungen oder Todesfälle, die in der Matrikel nicht enthalten sind, ein Zeugniß verlangen, anweisen sich wegen nachträglicher Eintragung des Falles an die erste Verwaltungs-Instanz (in Comitaten an den Stuhlrichter, in Städten an den Bürgermeister) zu wenden. Im Aufträge des Betreffenden kann dies auch der Matrikenführer thun, der dem Gesuche die bezüglichen Documente beilegt und die Zeugen namhaft macht, die der Stuhlrichter oder Bürgermeister unter Eid vernimmt. Dann sind die Documente in den Comitaten dem Vicegespan, in Städten dem Magistrat vorzulegen, welche Instanzen merilorisch entscheiden, beziehungsweise die Ergänzung der Schriften anordnen. Im Falle der Abweisung ist binnen fünfzehn Tagen ein Recurs an den Minister zulässig. Ueber die nachträglichen Eintragungen haben die Matrikenführer ein Evidenthaltungsbuch zu führen, um bei der Conscription der Militärpflichtigen pünktlicher Vorgehen zu können. Die Bestimmung, daß man ohne Matriken Extract Brautleute nur mit Erlaubniß des Ministers trauen könne, bleibt auch ferner in Geltung. Frankreich.. Paris, Ende März. (Privatmitth.) Man hat mir vorgeworfen, daß ich in meinen Correspondenzen mich den isra-

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