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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-03-28 · Heft 13 (28.3.1889) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 13 (28.3.1889)
Date
1889-03-28
Page
Seite 195 (sequence 7)
Language
German
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195 bedrohen. Irgend ein Gegenstand wechselt seine Form, Farbe u. s. w. und dies wird als Zeichen der drohenden Gefahr betrachtet. In den meisten Fällen ist es das Blut, das überhaupt im Animismus einen hervorragenden Platz einnimmt, das diese Rolle spielt. In Egypten und Serbien, in Indien und in der Bretagne, in Griechenland und in Schweden dieselben Vorstellungen. Es sind gewöhnlich zwei Gefährten, zumeist zwei Zwillingsbrüder, von denen der eine auf irgend ein Abenteuer ausgeht, der andere wird durch ein Zeichen auf die Gefahr aufmerksam, die seinen Gefährten bedroht, und eilt ihm zu Hilfe. Dieselbe Anschauuung liegt nun auch einer talmudischen Erzählung (Sanhedrin 95 a) zu Grunde, die man bis heute nicht zu erklären vermochte. Nur ist im Talmud eine Volks' thümliche Sage in eine religiöse Legende umgewandelt. Sämmtliche Episoden der im Talmud erzählten Geschichte finden sich jedoch in den verschiedenen Sagen ähnlichen Inhaltes. König David ist auf der Jagd und Satan kommt und erscheint ihm in der Gestalt eines Hirsches. David schießt einen Pfeil auf das Wild los, trifft es aber nicht, der König setzt ihm nach, und es gelingt dem Satan, ihn in das Philisterland zu locken. Als ihn Tischbi benob erblickt, ruft er j aus: „Siehe da, der Mörder meines Bruders Goliath!"! fesselt ihn und wirft ihn in die Kelter, um ihm den Garaus zu machen, David entrinnt jedoch der Gefahr. Au demselben Tage, es war der Rüsttag des Sabbaths, wusch sich Abischai, der Waffenbruder und Neffe des Königs, in vier Krügen Wasser das Haupt und bemerkt Blutstecken in demselben (m der Münchener Handschrift heißt es, das Wasser verwandelte sich in Blut. Nach Andern erschien ihm eine Taube, nach dem Jalkut Manuscript Münchens fing das Maulthier David's zu weinen an), „ein Zeichen, daß der König Israels in Gefahr schwebt." Abischai eilt nach Hause, um nach David zu sehen, trifft ihn nicht, besteigt, nachdem er die Erlaubniß hierzu eiugeholt, das Maulthier des Königs und eilt ihm zu Hilfe. Dies die eigentliche Legende, deren Fortsetzung sich ebenfalls in den einzelnen Episoden verschiedener von Levi angeführter Sagen wiederfindet. Es ist noch nicht lange her, schließt die interessante Studie, daß man sich für gehalten betrachtete, die Dichtungen des Talmuds als „närrische Erfindungen", lächerliche Fabeln", „Extravaganzen der Rabbinen" zu behandeln, als ob dieselben eine vereinzelt dastehende Erscheinung bildeten und in andern Literaturen nicht ihresgleichen hätten. Nun stellt sich heraus, daß diese Extravaganzen durch andere, die den verschiedensten Zonen angehören, ihre Erklärung finden. Sie bilden ein Gebiet in einem weiten Reiche, wo Arier und Semiten nicht durch künstliche Schranken getrennt sind, wenn man will ein Gebiet von bemerkenswerther Fruchtbarkeit, dessen Boden aber aus denseben Elementen besteht. Di-. E. Neumann. Deutschland. Berlin, 13. März. (Privatmitth.) In diesen Tagen wurden, wie jährlich, von der hiesigen „Gesellschaft der Freunde" ihre Jahresberichte und Namensverzeichnisse ausgegeben. Was mich besonders bestimmt, hiervon Notiz zu nehmen, ist die Befriedigung, die ich empfand, als ich bemerkte, daß die Gesellschaft den sel. Dr. Leopold Zunz in ihrem Verzeichniß als „immerwährendes Ehrenmitglied", also füralle Zeiten aufführt. Man kann nämlich durch Zahlung von 300 Mk. „immerwährendes Mitglied" werden. Hier ist aber Zunz ohne solche Zahlung nach seinem Tode zum Ehrenmitgliede ernannt worden, und dies gereicht der Gesellschaft zur Ehre. War doch Zunz über sechzig Jahre Mitglied der Gesellschaft gewesen. Ich bemerkte gelegentlich, daß Sie, Herr Redacteur, in Kurzem, nämlich am 27. Mai, der Gesellschaft 50 Jahre angehören werden. Jndeß ist es nicht die Gepflogenheit derselben, von solchen kleinen Ereignissen Notiz zu nehmen. Die Gesellschaft wird bald ihr erstes Jahrhundert zurückgelegt haben und gehört gewiß zu den bestfundirten, da sie im Besitz eines Grundvermögens von Mk. 584,682 ist, das sich jährlich bedeutend vermehrt. Außerdem ist ihr eine Unterstützungsanstalt für Wittwen und Waisen von Mitgliedern der Gesellschaft affilirt, welche auch bereits ein Vermögen von Mk. 242,907 besitzt. Die Gesellschaft ist 1792 von Joseph Mendelssohn und seinen Freunden gestiftet, und zählt auch noch, da sie nicht auf das Religionsbekenntniß hält, 3 Mendelssohn zu ihren Mitgliedern, von welchen einer noch dem bürgerlichen Stande angehört, nämlich Ernst Mendelssohn-Bartholdy, während Franz und Robert „von Mendelssohn" heißen; doch sind noch vier verstorbene Mendelssohn immerwährende Mitglieder. Bei Gründung des Vereins wurde viel von der die damalige Zeit beherrschenden Humanität und Brüderlichkeit gesprochen und dies ist in der Gesellschaft traditionell geworden. Nun wirkt die Gesellschaft allerdings wohlthätig, denn sie hat z. B. im verflossenen

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