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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-03-28 · Heft 13 (28.3.1889) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 13 (28.3.1889)
Date
1889-03-28
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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191 bauet. Sie sprachen es in einfachen Worten aus, indem sie in dem Peßachabend-Rituell sagten: „Nicht Pharao allein stand ans, Israel zu vernichten, sondern in jedem Zeitalter standen unsere Feinde auf, um uns zu vernichten, aber zu aller Zeit kam die Hilfe Gottes zu unserer Rettung." Wohl, so wissen wir, was wir zu Lhun haben. Wir verfolgen keine selbstsüchtigen Zwecke und jagen keinen eigennützigen Triebfedern nach, was uns auch hierin von unfern Hassern insinuirt wird. Wir wollen nur nützliche Glieder der Völker sein, in deren Mitte wir leben, deren Geschicke die unserigen sind, dann aber unserer Neberzeugung treu bleiben und die uns von unseren Vätern überlieferte Gotteserkenntniß rein und unverfälscht erhalten. So stählen lvir in uns diese Ueberzeugung, erhalten uns den freudigen Muth und verharren in der Ausdauer, welche unser Stamm seit Jahrtausenden bethatigt hat. Tragen lvir offen und unumwunden die Fahne unserer Religion hoch, und je mehr wir dies thun, desto inniger wird unsere Befriedigung und desto höher die Achtung der Welt vor uns sein! Brüx, Ende März. Politische Griefe aus Oesterreich. Von Rabbi',ter Dr. Deutsch. Seit es bei uns eine antisemitische Partei iw Parlamente giebt, geht keine größere Debatte vorüber, ohne daß man der Juden dabei gedächte. Beinahe wäre es nicht erwühnenswerth, daß Herr Türk, der auf allen Gebieten der Gesetzgebung eine fabelhafte Rührigkeit entfaltet, wahrscheinlich aus Mangel an einem anderen Stoff auf den Gedanken verfallen ist, im Wege der Gesetzgebung den Juden speciell die Aendernng ihrer Namen zu verbieten, was zur Folge hätte, daß einer wohl den Namen Sauschweifel und Krautwurst ablegen dürfte, wie das vor Kurzem vorgekommen ist, aber beileibe nicht den Namen Kohn, Abeles oder Karpeles, weil man die arische Race davor schützen muß, daß ein Ahron Karpeles sich als Alfred Karp incognito bei ihr einschliche. Etwas wesentlicher ist schon das Drängen der Anti- Denkende zugeben, daß in Galizien, besonders in solchen Bezirken, wo die Polen gegen die Ruthenen kämpfen, viel schlimmere Dinge vorzufallen pflegen, und daß da, wo die Geistlichkeit ihre Candidaten durchbringen will, ein Druck auf die Wähler ausgeübt wird, gegen den die Vorfälle von Kolomea Kindersviel sind; neuerdings wurde in Tachau, wo der Fürst Schwarzenberg einen Ersatzmann für seinen Sohn, der noch nicht das wahlberechtigte Alter erreicht hat, als 1 Candidaten auffteilte, von den fürstlichen Beamten in einer! Weise agitirt, welche an die ungarischen Comitatswahlen erinnert, die Eötwös so lebendig zu schildern weiß. Wenn | bort den Bauern, welche auf die Herrschaft angewiesen sind,! mit Elltziehung der Lohnfuhren und Wäldernutzungen gedroht wird, so ist dieses Vorgehen ebenfalls eine viel schlim-! mere Corruption, als diejenige, welche von materiell unab-! hängigen Verehrern Bloch's zu dessen Gunsten geübt wurde.!Die Zukunft wird es lehren, ob das Gewissen der Herren! Antisemiten in diesem Falle ebenso zart sein wird, als da, wo es sich um einen jüdischen Abgeordneten handelt, der ihnen nicht so sehr als Jude unbequem ist, als deswegen, weil er in feinem Blatte die in antisemitischen Kreisen herrschende Corruption ans Tageslicht zu ziehen versteht. Diesen Antisemiten von links hat ein anderer von rechts, d. h. ein Klerikaler, tapfer secundirt. Dr. Ebenhoch hat sich die parlamentarischen Sporen dadurch verdient, daß er in seiner Budgetrede, in welcher er hauptsächlich für die confessionelle Schule kämpfte, die Behauptung wagte, „daß wir in politischer und kirchlicher Beziehung unter der Herrschaft des Judenthums stehen." Wenn solche Reden jemals Geschichtsquellen werden sollten, würde man einfach daraus schließen müssen, daß jeder Cultusminister ein Jude sein müsse, daß ferner alle Lehrbücher der katholischen Religion einem Rabbiner zur Begutachtung vorgelegt werden, daß die Juden im Besitze aller höheren Aemter seien und es einem Christen unmöglich machen, auch nur Bezirksrichter oder Bezirkshauptmann zu werden, daß jüdische Professoren an Universitäten ungescheut die christliche Religion, Literatur und Moral verhöhnen dürfen, während so ein armer Rohling, wenn er in einer Privatgesellschaft eine unvorsichtige Aeußesemiten, zu denen in diesem Falle der sonst nicht zum anti-!rung über das Judenthum sich zu Schulden kommen läßt, semitischen Verbände gehörige Professor Steinwender zählt,! nicht einmal Dorfschulmeister bleiben kann, weil der Unterdie Wahl des Abgeordneten Bloch, gegen welche ein Protests richtsminister vor dem mächtigen Einflüsse des Rabbiners eingelaufen ist, wegen der dabei vorgefallenen Unregelmäßig-! zittert, der den ckristenfeiudlicheu Professor schützt und durch leiten zur Sprache zu bringen. Es müssen also wohl Tinge! sein mächtiges Wort den armen Dvrfschulmeister sofort seines vorgekommen sein, welche die Herren Antisemiten für ihre! Amtes entsetzen kann. Zwecke ausbeuten zu können glauben, obwohl, da j Das bedrückte katholische Gewissen kann jetzt nicht mehr Gegencandidat auch ein Jude war, es diesen Herren eigent-! seinen vollen Jammer äußern, weil man in den Kreisen des lich gleich bleiben könnte, welcher Jude den Wahlbezirk von Kirchenregiments die Folgen dieser Uebertreibnngen fürchtet Kölomea im Reichsrathe vertritt. So bedauerlich diese That-! und darum immer zur Mäßigung mahnt, was doch nicht fachen in unserem Interesse sind, so muß doch jeder billig! hindert, daß einzelne Parteiführer päpstlicher als der Papst 13*

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