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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-03-21 · Heft 12 (21.3.1889) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 12 (21.3.1889)
Date
1889-03-21
Page
Seite 185 (sequence 13)
Language
German
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185 unsren Tagen sei, da wir einen Ersatz nur spärlich eintreten sehen. — Aus Pest wird uns geschrieben: Herr vr. Ignatz Goldziher wird, als Vertreter der ungarischen Regierung und zugleich von der ungarischen Akademie entsendet, am orientalischen Congreß in Stockholm theilnehmen. — Dem aus Kasch au gebürtigen Arzt des k. k. österreichischen Consulats in Jerusalem, Herrn vr. Ignatz Schwarz, wurde das Ritterkreuz des Franz-Josephs Orden verliehen. Pest, 7. März. (Literarische Notizen.) Bon dem bekannten Mathematiker Herrn Ch. S. Slonimski erschien im Jahre 1852 unter dem nzt/n io' eine für das jüdische Kalenderwesen grundlegende Schrift, welche dreizehn Jahre später (Schitomir 1865) neu aufgelegt wurde. Die von dem greisen Vers, gewonnenen Resultate wurden von Pineles Schwarz u. A., welche den jüdischen Kalender historisch untersuchten, mehrfach angefochten. Das veranlaßte Herrn Slonimski seine Schrift neu erscheinen zu lassen (Warschau, Lewinski 1889), und begrüßen wir freudig diese neue Auflage, welche durch viele, die Ansichten des Vers, rechtfertigende und begründende Zusätze, einen besonderen Werth hat. Herr I. Gurland, gegenwärtig Rabbiner in Odessa, hat sich die dankenswerthe Aufgabe gestellt, alle auf die Judenverfolgungen unter Chimelnicki bezughabenden Relationen, Elegien rc., welche theils noch ungedruckt, theils selten sind, zu sammeln. In den uns vorliegenden „Beiträgen zur Geschichte der Judenverfolgungen" (Krakau, Fischer 1888) veröffentlicht er nach einer Handschrift des British Museum ^rTi'rc ~ij/u die Schilderung jener Verfolgungen, welche ein Zeitgenosse, R. Abraham ben Samuel Aschkenasi, zum Verfasser hat, mehrere bisher ungedruckte oder unbekannte Kinoth, Selichoth u. a. m. mit erläuternden Anmerkungen und Zusätzen, aus welchen wir Herrn Magister Gurland als einen auf dem historischen Gebiete kundigen Forscher kennen und schätzen lernen. — Von den anläßlich des Hinscheidens des Kronprinzen Rudolf gehaltenen Trauerreden sind noch im Druck erschienen: Die ungarische Rede des Oberrabbiners vr. Jmanuel Löw in Szegedin in prachtvoller Ausstattung (Szegedin 1889) und „Reden, gehalten in den ersten Trauertagen" von Rabbiner Wilhelm Sor (Wien, Lippe 1889). Herr Sor druckt gar eine am 3. Februar gehaltene Trauungsrede mit ab, welche mit den Worten beginnt: „Eine Wohlthat haben Sie, geehrtes Brautpaar, an uns allen geübt mit Ihrem heutigen Erscheinen an Gottes Traualtar rc." — Auch von vr. I. H. Hirschfeld, dem ehemaligen Rabbiner in Augsburg, ist ein recht schwungvoller „Nachruf" auf Kronprinz Rudolf erschienen (Budapest, Deutsch). vr. Kayserling. Breslau, im März. (Ein literarischer Brief an B. Z.) G ü de mann, Geschichte des Erziehungswesens und Cultur der Juden in Italien. Ich habe mit ganz besonderem Interesse den zweiten Band der Güdemann'schen Geschichte gelesen, und wenn ich Ihnen sage, daß ich sehr begierig bin, die beiden anderen Bände zu lesen, werden Sie leicht daraus schließen können, wie er mir gefallen hat. Auch möchte ich schon aus dem Grunde das ganze Werk gelesen haben, um zu sehen, warum der Verfasser gerade das Wort Erziehungs wesen gebraucht. Was ist Erziehungswesen? Doch das Wesen, die innere Beschaffenheit, die Art und Weise der Erziehung, und davon ist nur im siebenten Capitel dieses Bandes, fast vorübergehend, die Rede; alles Andere ist nach meiner Ansicht eigentlich mehr Erziehungsresultat. Aber wir wollen doch nicht draußen stehen bleiben, und ich bitte Sie, mich weiter zu begleiten. Güdemann ist ein würdiger Schüler seines großen Meisters, und wenn er auch nicht dessen feurige und hinreißende Sprache gebraucht, und vielmehr ruhig und gemessen spricht, so findet seine Sprache doch rasch den Weg zum Herzen. Er entrollt uns ein schönes Bild von den Juden in Italien, und man fühlt ordentlich das Verlangen, sich in diesem Eldorado zu bewegen. — Ich sehe mit Vergnügen die Schützlinge Karls des Großen und anderer Großen, und bewundere die langen Schleppen der jüdischen Frauen, während sie in Citronenhainen lustwandelnd ihren christlichen Zeitgenossinnen Conkurrenz machen. Ich sehe unter dem schönen blauen Himmel Italiens Juden ihre Weinberge bearbeiten; ich sehe jüdische Handwerker in ihrer Werkstatt vergnügt bei ihrer Arbeit, da sie keinen Verfolger zu fürchten haben, und über das Alles ist ein so feiner rosiger Schleier gezogen, daß man sich mit Verwunderung fragen möchte: ist es den Juden in der Fremde wirklich einmal so gut gegangen? Und ich muß mir selber antworten: daß sie es ja in ihrem Nachbarlandc, in dem einst schönen Spanien, auch so gut hatten. Und in Deutschland? Ich meine nicht das Deutschland von damals, sondern das, in welchem Jeder nach seiner Fayon selig werden kann. Aber zogen nicht oft dunkle Wolken an der Sonne in beiden Ländern vorüber, und ziehen nicht heute noch Wolken über das Vaterland der reinen Vernunft hin? Man kann es mir vielleicht streitig machen, aber ich halte es jedenfalls für einen besonderen Vorzug Güdemanns, daß er es versteht, mit der ihm eigenen Sanftmuth eine schlimme Nachricht so mitzuthcilen, daß man Mühe hat, das Schlimme zu entdecken, und mau den stechenden Schmerz, den ein leidenschaftlicher Erzähler derselben Thatsache verursachen würde, kaum empfindet. Aber trotzdem kann es dem geübten Auge nicht entgehen, daß die Juden in Italien auch ihre bösen Zeiten, und nicht blos vorübergehend, gehabt haben, und ich will es versuchen, einige Momente aus des Verfassers Bericht selbst hervorzuheben. Italien soll den Juden niemals ein so schlechtes Loos

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