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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-03-14 · Heft 11 (14.3.1889) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 11 (14.3.1889)
Date
1889-03-14
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
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170 im Wachsen begriffen, so daß die Bilanz heute eine Vermögenszunahme von 20,000 fl. constatirt. Es ist daher zu hoffen, daß die Masse in Bälde in den Stand gesetzt sein wird, die zufolge der in den vergangenen Jahren erlittenen Verluste reducirten Stiftungen des Testators wieder nach Maßgabe'des Testamentes 311 ■ liquibirett. Der gegenwärtige Bermögensstand der Masse ist 137,542 fl. 602/3 kr. Auf Antrag des Massekurators Kün wurde der Beschluß gefaßt, das verwitterte Grabmal des im Dorfe Pelejte ruhenden Wohlthäters renoviren und mit einem eisernen Gitter umzäunen zu lassen. Brodh, 4. März. Das hiesige russische Consulat hat die Weisung erhalten, Arbeitern, Handwerkern Dienstboten und Maklern mosaischer Confession das Paßvisum zu verweigern. Wer einen Paß besitzt, in welchem er als „Privatier" bezeichnet wird, hat persönlich im Consulat zu erscheinen und auszusagen, welche Angelegenheit ihn zur Reise nach Rußland bestimmt. Gegen den Einlaß von Kaufleuten und Handelsagenten ist keine Verschärfung erfolgt. Rußland. Warschau, 2. März. Von den 396 ausländischen Israeliten, welche jüngst den Befehl zum sofortigen Verlassen Rußlands erhielten, sind 250 um Naturalisation eingekommen, 15 Personen, größtentheils Finanzmänner, haben die Erlaubniß zum Verbleiben in Warschau erhalten. Zenit Nekrolog. Oberst Gabriel Salvador in Paris. (Nach den Arch. isr.). Der Artillerie-Oberst Gabriel Salvador, der am 22. Febr. nach langem Leiden im Alter von 77 Jahren gestorben ist, trug mit Würde und Glanz einen der schönsten Namen des französischen Judenthums. Neffe von Joseph Salvador, dem tiefen jüdischen Denker, der im ersten Viertel dieses Jahrhunderts die Geister bewegte durch seine berühmten Werke, in denen er die strenge Größe des Mosaismus, die Erhabenheit seiner Ideen und seiner Moral darlegte, theilte der Verstorbene die Gefühle seines Onkels und wie er widmete er der Religion seiner Väter eine denkende und deshalb desto lebhaftere Zuneigung. In der rauhen Laufbahn der Waffen, die er betrat — zu einer Zeit, wo der Name Jude noch verdächtigt wurde — bemühte er sich, durch ein musterhaftes Leben an Muih, Arbeit und Kenntniß, sich die Sympathien seiner Kameraden zu erwerben und konnte sich Glück wünschen, in vielen Geistern beleidigende Borurtheile gegen seine Rasse zerstört zu haben. Die Armee besitzt seit dem Tage, an dem Gabriel Salvador bei ihr eintrat, viele israelitische Officiere, aber man kann, ohne deren Werth zu beeinträchtigen, behaupten, daß er einer derer ist, welche dem Judenthum die größte Ehre gemacht haben. Bei dem Verlassen der polytechnischen Schule trat Gabriel Salvador in das Artillerie-Corps, wo er sich durch seine lebhafte und kluge Intelligenz auszeichnete. Er machte alle Feldzüge mit, welche Frankreich während des halben Jahrhunderts unternahm und zeichnete sich besonders in der Krim aus. Er verbrachte viele Jahre in Algier und erwarb sich dort die Liebe und Achtung seiner Vorgesetzten und seiner Untergebenen. In der Schlacht bei Rezonville im Jahre 1870 bewährte er sich glänzend als Commandant der Ar- . i c t o n. I tiderie einer der Armeecorps. In gleicher Weise zeichnete j er sich in dem Kampfe gegen die Commune aus, wo er zu! seinem großen Schmerze seinen Schwiegersohn, den Capitän Brandon, einen israelitischen Officier von größtem Verdienste, an seiner Seite fallen sah. Von Altersschwäche ergriffen, verließ er bald darauf den activen Dienst. Aber Salvador war nicht der Mann, der in dem far niente der Ruhe, die ihm nach einem halben Jahrhundert der Hingebung und Entsagung zukam, müßig verbleiben konnte. Nachdem er die militärischen Tugenden in ihrer ganzen Strenge ausgeübt, zeigte sich Salvador denjenigen in einem neuen Lichte, welche diese stets wache Intelligenz kannten. Er legte den Degen nieder, aber um die Feder zu ergreifen und eine große Studie aus dem Leben seines berühmten Onkels zu schreiben, welche er an die Spitze einer neuen Ausgabe von „Paris, Rom und Jerusalem" stellte, und um in einer präcisen und festen Sprache sein philosophisches System auseinander zu setzen. Bei dieser Gelegenheit zeigte er, daß er zu der so hoch geschätzen Schule der Schriftsteller aus der Reihe der Officiere gehört. Aber noch andere Gedanken bewegten seinen Geist. Er hatte von Algier einen ausgesprochenen Geschmack für die Landarbeit mitgebracht und machte die Devise des Marschall Bugeaud 6U86 et aratro, die er gern wiederholt, zu der seinen. Er wandte also seine Fähigkeiten dem Landbau zu und errang auf diesem für ihn neuen Gebiete Siege, die seiner Eigenliebe ebenso, wenn nicht noch mehr als seine militärischen Siege, schmeichelten. Errang er sie doch, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen! In seiner schönen Domaine Cemmanderie bei Ballan in der Tourraine, die er von seinem Bruder Casimir Salvador geerbt, einem der Gründer des CrMit Mobilier, erzielte er sehr bemerkenswerthe Resultate im Landbau. In einer anderen Besitzung, in den Landes gelegen,

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