Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1889)
- Date
- 1889-03-14
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 machte er ein weites Gebiet unbebauten Landes urbar und verwandelte es unter seiner klugen Leitung in einen prächtigen Fichtenwald. Die wirklich prachtvollen Resultate, die er in der Touraine und in der Gascogne erlangte, brachten ihm zahlreiche Belohnungen bei den Ackerbau-Vereinen ein. Die Landbevölkerung, in deren Mitte er den größten Theil des Jahres verlebte, schätzte seine intelligente Initiative und wünschte sich Glück zu dem Eifer, den er unter den Landarbeitern zu erwecken wußte. Auch blieben die bürgerlichen Ehren für ihn nicht aus. Er wurde Cantonal- Delegirter, Maire von Ballan und zeigte einen seltenen Scharfsinn und einen Tact in der Ausübung der Municipalämter. Liberal und tolerant von Natur und durch Tradition, widersetzte er, Israelit, sich der Laicirung der Schule seiner Gemeinde, stieß die engen Sectirer-Gedanken zurück, zu denen so viele Republikaner das traurige Beispiel gaben. Durch seine militärischen und bürgerlichen Tugenden verdient Gabriel Salvador nach jeder Seite hin in die Reihe der ausgezeichneten Männer ausgenommen zu werden, welche das französische Judenthum Zu besitzen die Ehre hat. Archäologisches. Eine wichtige Entdeckung in Tunis. Die Academie der Inschriften und schönen Wissenschaften erhielt in ihrer Sitzung vom 15. Februar die Mittheilung des Resultates der Nachforschungen, welche vom Pater Delattre in Karthago unternommen wurden und die, wie es scheint, eine hebräische Todtenstadt zu Tage gebracht haben. Folgendes ist der officielle Bericht der Academie: „Der Marquis von Vogüo beschreibt, seinem Versprechen gemäß, ganz ausführlich die jüngsten Forschungen des P. Delattre in Karthago und die für die Archäologie wichtigen Resultate, die er daraus erlangt hat. Er fand auf dem Hügel von Byrha eine Todtenstadt. Ein Grab unter allen verdient die Aufmerksamkeit. Es ist aus großen Steinblöcken errichtet und enthält zwei Stockwerke von Kammern, mit Vasen, bronzenen Waffen u. s. w. geschmückt. Es liefert die ersten authentischen Erzeugnisse der karthagischen Kunst des siebenten bis achten Jahrhunderts vor der gewöhnt. Zeitrechnung. Särge, welche aus dem vierten und fünften Jahrhundert zu datiren scheinen, zeigten kleine Figuren aus Thon in egyptischem Styl, die viel Aehnlichkeit haben mit den Alterthümern der Todtenstadt von Cypern und Sardinien. Die Zeichnungen und Photographien, welche P. Delattre an Herrn von Vogüö gesandt hat und die der Academie vorgelegt worden, erweisen, daß die an besagtem Orte Gamart entdeckte Todtenstadt diejenige der jüdischen Colonie, aus der römischen Zeit war. Die Herren Perrot und Ravaisson erklären die Entdeckungen, von denen Herr von Bogüo soeben gesprochen hat, von hohem Interesse und rechnen darauf, daß sie ein neues Licht auf die Beziehungen der semitischen Völker des Alterthums mit der griechischen Welt werfen werden. Die Herren Renan und Derenbourg bemerken in Bezug auf einige Details der Mittheilung des Herrn von Vogüe, daß der P. Delattre sich in Acht nehmen sollte vor der Versuchung, voreilig einen Zusammenhang finden zu wollen zwischen gewissen Thatsachen, welche aus den Nachforschungen sich ergeben haben, und biblischen Stellen und noch wenig bekannten jüdischen Sitten. Man muß daher, wie man sieht, weitere Mittheilungen abwarten, ehe man sich bestimmt über den hebräischen Charakter des vom Archäologen Pater Delattre entdeckten Monumentes ausspricht. Vermischtes. Ein Geschäftsbrief Moses Mendelssohns. Einen bisher ungedruckten Brief Moses Mendelssohns theilt uns dessen Biograph, Herr Dr. M. Kayserling, in folgender Zuschrift aus Budapest, 26. December, mit. „Mehrere Monate nach dem Erscheinen der zweiten Auflage meiner Biographie Moses Mendelssohns erhielt ich von einem ehemaligen Studienfreunde in Hamburg eine Anzahl handschriftlicher Briefe, zumeist geschäftlichen Inhalts, welche Moses Mendelssohn an Joseph Mayer in Hamburg, einen Verwandten seiner Frau, gerichtet hat. Der früheste Brief aus dieser Correspondenz zeigt uns den Urgroßvater der jetzigen Chefs des Berliner Bankhauses Mendelssohn & Cie. als Bankier. Der Brief ist vom 7. December 1767 batirt und lautet: „. . . . Tabakactien stehen hier sehr hoch; indessen weiß ich zehn Stück zu verkaufen. Man fordert 105 Procent und die verfallenen Interessen bis den Zahlungstag, welches ein billiger Curs ist. Wenn N. N. Lust hat, muß er sich kurz entschließen, denn sie steigen beständig. Ich halte es für einen Hamburger für eine treffliche Speculation. Die Louisd'ors stehen jetzt sehr schlecht. Tabakactien sind so gut als Louisd'ors und werden gewiß nicht fallen, und so lange man sie liegen hat, zieht man 10 pCt. Interessen. Wenn die Louisdors besser werden, kann man sie wieder mit Nutzen verkaufen. Der Hamburger also, der seine Fonds in Banko Geld hat, kann anjetzo nicht besser thun, als solche Actien zu kaufen. Daß Herr Jsaac Dessau freundschaftlich geschrieben, wundert mich gar nicht. Es kommt auf meine alte Meinung heraus. Die Berliner sind eine Vermischung von guten und bösen Eigenschaften, wie alle Menschen. Wer sie von der guten Seite allein betrachtet, ist betrogen, aber wer sie von der bösen allein ansieht, nichtweniger. Es gehört auch mit zu ihrem Charakter, daß sie den Menschen estimiren, der von ihnen nicht abhängt. Daß Sie sich unii*