Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 als Notar diente, und am 8. Februar 1849 anläßlich der Straßenkämpfe in Arad den Tod fand, im Amte. Bonn, 26. Februar. (Literarische Notizen.) Man schreibt aus Paris: In der Sitzung der Akademie der Inschriften vom 24. d. trug Oppert eine Abhandlung vor, worin er nachwies, daß die neueren Forschungen über den Unterschied der phönizischen, assyrischen und egyptischen Zeitrechnungen die chronologischen Angaben der Bibel vollkommen bestätigen. Schon vor einem Jahrzehend war Oppert in einer Schrift bei durchaus unparteiischer Forschung zu demselben Resultate gelangt. Damals gab ein Geschichtsforscher in dieser Zeitung eine gründliche Prüfung der Op- Pert'schen Schrift und konnte sich den meisten Ansichten des berühmten Assyriologen anschließen. Um so mehr befriedigt es uns, daß nach fortgesetzten Studien und den Entdeckungen, die im letzten Jahrzehend auf diesem Gebiete gemacht worden, Oppert nur zu der Bestätigung seiner früheren Untersuchungen gelangt ist. — Der berühmte Violinvirtuose Joachim hat einen Theil der viel bewunderten „hebräischen Gesänge" Lord Byron's in Musik gesetzt und sprechen sich Fachmänner sehr lobend über diese Composilionen aus. Pest, 19. Februar. (Literarische Notizen.) Von den vielen Reden, welche bei den Trauerfeierlichkeiten anläßlich des Hinscheidens des Kronprinzen Rudolf gehalten wurden, sind bereits mehrere in Druck erschienen: Die am 5. d. M. in Wien im Bethause der inneren Stadt gehaltene Rede des vr. Ad. Jellinek (Wien), und die am 11. d. M. gehaltene, aus dem Ungarischen übertragene Gedenkrede des Oberrabbiners Dr. H. Schnitzer in Komorn. Sie sind beredte Zeugnisse der tiefsten Empfindung, der Trauer und außerordentlichen Theilnahme. — Den Schmerz um den Heimgang des Thronfolgers drückt auch eine schöngeschriebene hebräische Elegie aus, welche unter dem Titel: tit Trauer um den Einzigen von Noa Fürst (Wien, Schloßberg) erschienen ist. Kg. Ieuit E. S. VeneMni. Wir haben bereits diesem vielbetrauerten Mann einen Nekrolog gewidmet. Aber mehr als einem Mann des Wortes, der durch seine Schriften den Bestand seines Namens sichert, haben wir dem Mann der That, des edlen, unmittelbaren Wirkens ein nachhaltiges Gedächtniß zu weihen, schon um der Reinheit und Festigkeit seines Charakters die Ehre zu geben. Deshalb geben wir hier die Hauptstellen aus der Leichenrede des Großrabbiners Herrn Zadoc Kahn wieder. Lange bevor er in unserer Gemeinde in Paris erschien, hatten wir ihn schon kennen und schätzen gelernt. In der großen Stadt Constantinopel, welche der Mittelpunkt des orientalischen Judenthums ist, war er die Seele der Alliance isräelite, ihr treuer Fahnenträger, ihr unermüdlicher Pionier. Er, der die Eröffnung der Schulen und der Handwerker-Bildungsanstalten betrieb, dieser Schöpfungen, welche eine große Zukunft haben, und welche berufen sind, noch große Ausdehnungen anzunehmen, er war der Freund, der Berather, der Führer der Lehrer und der Beschützer der Kinder. Der Eifer, der ihn belebte, war allmächtig, besiegte die Hindernisse und zog die Lauesten mit sich fort. Vor ungefähr dreizehn Jahren ließ er sich in unserer Mitte nieder. Er nahm hier eine angesehene Stellung ein und sein Name wurde bald populär. Die Vorsehung, meine l c f o n. | Herren, vermag viel. Denjenigen, welche zugleich mit dem Können auch den Willen besitzen, Gutes zu thun, sendet sie Menschen von Herz, Einsicht und Thatkraft, welche wie dazu bestimmt sind, ihre hohen Pläne in Ausführung zu bringen. Ein noch nie dagewesener Wohlthäter fand in Veneziani einen Verwalter, der ebenso geschickt war, edle Pläne auszuführen, wie sie auszuarbeiten, zu leiten und im nöthigen Falle großmüthige Ideen anzuregen. Es ist keine kleine Ehre für unseren Freund, daß sein Name unzertrennlich von den künftig historischen Namen des Barons und der Baronin von Hirsch bleibt. Auch setzte er sein ganzes Herz und seine ganze Intelligenz bei der Erfüllung der Aufgabe ein, die ihm anvertraut worden. Vortrefflich wußte er mit den Armen umzugehen, gegen sie war er von einer ernsten und tiefen, man kann sagen überlegenden Güte, die sich durch keine unangenehme Erfahrung entmuthigen ließ; und wenn er die vorgeschützte Armuth, die aus der Bettelei ein einträgliches Gewerbe macht, zu entlarven verstand, so nahm er mit einem aufmunternden Wohlwollen alle Diejenigen auf, welche wirklich Mitleid und Sympathie verdienen, flößte ihnen Vertrauen und Hoffnung durch Worte ein, welche für die Unglücklichen ebenso viel Werth haben, wie die Hilfe selbst. Die Blicke wandten sich zu ihm, wie zu einer wohlthähigen Vorsehung, die Fremden fanden den Weg zu seinem