Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 men 240,000 Gulden beträgt. Hier und in Wien werden monatlich je 10,000 Gulden vertheilt. Die Verwaltung der hiesigen Stiftung leitet Frau Johanna Bischitz, die ausgezeichnete Präsidentin des hiesigen israelitischen Frauenvereins. Die Stiftung in Wien wird von einem aus drei Frauen zusammengesetzten Comits, Frau Benvenisti, Frau Karl Engländer und Frau Bermann verwaltet; ihnen wurde vr. Arthur Kuranda als juristischer Beirath beigegeben. Rußland. Warschau, Ende Februar. In einem der Tages- Rapporte des Ober-Polizeimeisters von Warschau ist ein Verzeichniß von 396 israelitischen Ausländern erschienen, welche sich ohne entsprechende Erlaubniß in Warschau aufhalten; den Revierkommissarien ist der Auftrag ertheilt, diese Ausländer zum baldigen Verlassen Rußlands zu zwingen, auch von dem Tage der Abreise sowie von einer etwaigen Rückkehr den Ober-Polizeimeister alsbald zu benachrichtigen. Serbien. Belgrad, 20. Februar. (Privatmitth.) Zur Berathung über den Entwurf der Consistorialverfassung für die israelitischen Gemeinden des Königreichs Serbien wird der Cultusminister, wie verlautet, demnächst eine Delegirten-Versammlung einberufen. Die hiesige israelitische Gemeinde hat, um ihrem Dank für die durch die neue Verfassung gewährte Gleichberechtigung Ausdruck zu verleihen, dem König durch eine Deputation eine schwungvolle, auf Pergament geschriebene Adresse überreicht. Letztere ruht in einer silbernen Cassette in Form eines Scepters, welches mit dem Wappen des königlichen Hauses in Email verziert ist. Bonn, 3. März. (Notizen.) Aus Riga schreibt man uns: Ein herbes Geschick waltet über der hiesigen Gemeindeschule, seitdem sie ihre neuen Räume bezogen. Eine kurze Spanne Zeit ist erst verflossen, seitdem sie den Verlust ihres verdienstvollen Lehrers, weiland W. Kaplan, beklagt, und schon hat ihr der Tod eine neue Wunde geschlagen. Vor anderthalb Jahren verlor sie einen würdigen, aber betagten Mann, während ihr jetzt einer ihrer besten Lehrer, in der Blüthe der Jahre stehend, voll Jugendkraft und Lebensfülle entrissen wurde. Am 2/14. Februar (13. Adar rischon) verstarb nach kurzem, aber sehr schwerem Leiden im kaum vollendeten 32. Lebensjahre der Lehrer Moses Aronsberg und hinterließ eine Frau mit zwei kleinen Kindern vollständig mittellos. Seine Ausbildung hatte der Verblichene im Shitomirschen Lehrerinstitut genossen. Neben der russischen und deutschen, beherrschte er auch die heilige Sprache, die er innig liebte und eifrig studirte, mit einer Gründlichkeit, wie man es bei einem so jungen Manne selten findet. Von Arbeitslust durchdrungen, strebte er immer vorwärts, bereicherte sein Wissen und erwarb sich vielseitige Kenntnisse. Auch auf literarischem Gebiete hatte er sich mit Erfolg versucht. Mit einem guten, fühlenden Herzen begabt, war er gern dabei, wo es galt zu rathen und zu helfen, und manche gute Sache wurde durch ihn gefördert. Am 5/17. Februar wurde er zu Grabe getragen. Um 1 Uhr Nachmittag versammelte sich in den Räumen der Schule, wo der Verstorbene seine Wohnung hatte, eine große Anzahl von Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Als Vertreter der Schulobrigkeit waren Se. Excellenz der Gehilfe des Curators, Wirkt. Staatsrath Speschkof und der Volksschuldirector Pokrowsky erschienen. Die Schüler der Anstalt waren in Reihen aufgestellt. Der Leiter der Schule, Herr Rabbiner vr. Ehrlich, hielt hier an die Kinder eine ergreifende Ansprache. Kein Auge blieb trocken, die Kinder weinten laut, als Redner beleuchtete, was sie an dem Verblichenen verloren. Als er geendet hatte, trugen die Collegen den Sarg bis zum Leichenwagen, und langsam setzte sich der Trauerzug in Bewegung, gefolgt von den Lehrern, Schülern und einer nach Tausenden zählenden Menge. Auf dem Friedhofe hielt der Oberrabbiner Herr Pumpionsky eine geistreiche Rede und verabschiedete sich von dem Toden in einem sehr gelungenen hebräischen Gedichte, das er zu diesem Zwecke verfaßt hatte. Hieran schloß sich die Rede des Lehrers Herrn H. Mendelssohn's. Er richtete an die Versammelten warme, tief empfundene Worte und verlieh dem schmerzlichen Gefühle, welches der plötzliche Heimgang einer so jungen, tüchtigen Kraft im Herzen seiner Collegen und Freunde wachgerufen hatte, würdigen Ausdruck. Er schilderte lebhaft die traurige Lage der so hart geprüften, hülflosen Wittwe und ihrer unmündigen Kinder und schloß mit innigen, rührenden Abschiedsworten im Namen seiner Collegen. Lange wird der tiefe Eindruck unverwischt bleiben, welchen dieses Leichenbegängniß auf alle Anwesenden gemacht; die Schule aber wird ihrem Heimgegangenen Lehrer ein treues, dankbares Andenken bewahren. B. Hirschberg. — Aus Pest wird uns geschrieben: Herr vr. H. Kohn, ein Zögling der hiesigen Landes-Rabbinerschule, gegenwärtig Rabbiner in Bellovar (Kroatien), wurde zum Rabbiner in Szigetvar gewählt. — Aus Arad wird geschrieben: Der Obernotar der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Leopold Rosenberg, beging am 3. März d. I. sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Als 18jähriger Jüngling folgte er seinem Vater, der 30 Jahre hindurch der Araber Gemeinde