Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Hause ganz von selbst, Studenten und Lehrlinge setzte auf ihn ihre Hoffnung, und diese Hoffnnng wurde selten getäuscht. Aber dies war nur die eine Seite seiner fruchtbaren und wirkungsreichen Thätigkeit. Er hörte nicht auf, seine eigene Person einzusetzen, er gab sich ohne Schonung» ganz und gar der großen Sache hin, die er übernommen hatte. Missionär der Wohlthätigkeit, ging er überall hin, wo seine Gegenwart für nothwendig erachtet wurde; überall brachte er seine Wohlthaten hin, deren Quelle nie versiegte. Nichts konnte ihn daran behindern, weder die Anstrengungen längerer Reisen, noch die Strenge einer Jahreszeit. Wir sahen ihn mitten im Winter nach der Türkei eilen, um Tausenden von Unglücklichen Unterstützung und Ermuthigung in ihrem Elend zu bringen; wir sahen ihn viele Wochen in Brody verweilen und dort ein Werk vollbringen, das an Wunder grenzt, das nur seiner merkwürdigen Arbeitskraft, aber auch der Autorität seines Charakters und der Macht seiner Worte zu danken ist; wir sahen ihn mit derselben Aufopferung und demselben Selbstvergessen die Reise nach Palästina unternehmen, um dort an Ort und Stelle mit der Gewissenhaftigkeit, die er in allen Sachen bewies, die traurige Lage unserer Glaubensgenossen dieses Landes und die Hilfsmittel, die sie in sich trägt, zu studiren. Ebenso könnten wir ihm nach Berlin oder nach Madrid folgen, wo es sich nicht mehr darum handelt, vorübergehendes Unglück zu erleichtern, sondern für die Sache der Gerechtigkeit, des Rechtes und der Toleranz vor den Congressen der europäischen Mächte zu plaidiren und die Stimme zu Gunsten der gedrückten und leidenden Juden zu erheben. Zu wiederholten Malen begab er sich nach Wien, um dorthin den Gedanken des berühmten Menschenfreundes zu bringen, dessen Mandatär er war, und den ersten Grundstein zu einem Gebäude der Wohlthätigkeit zu legen, dessen Größe die Zukunft zeigen wird. Im Verlaufe aller dieser delikaten Missionen, rechtfertigte Veneziani in bewunderungswerther Weise das Vertrauen, das er einflößte, lieferte er den Beweis eines wahren Organisationstalentes. Mit dem Scharfblick und dem guten Glauben, welche die Schwierigkeiten erkennen, vereinigte er die Leidenschaft, den Enthusiasmus für das Gute und die Ausdauer, die nie verfehlen, sie zu besiegen. Jüngst nach der Rückkehr von einer dieser Reisen nach Wien, fing Veneziani an, sich ermüdet und leidend zu fühlen- Doch hielt er sich aufrecht, immer thätig und nach seiner Gewohnheit voll Lebhaftigkeit und guter Laune; sein Gesicht behielt sein liebenswürdiges Lächeln und seine Unterhaltung blieb lebhaft und angeregt. Die Krankheit warf ihn mit einem Schlage nieder, ohne Hoffnung auf Genesung zu lassen: in wenigen Tagen wurde er dahingerafft, ohne selbst sein nahes Ende zu ahnen; er hinterläßt in tiefer Trauer jtuu ^cliebte und treue Gattin, die Söhne, die seine Freude und sein Stolz waren, das junge Mädchen, das Adoptivkind seines Herzens, an dem er mit Vaterliebe hing. Ein interessanter Äntograph. Der Temps von Freitag den 8. Februar erwähnt unter den Autographen, die jüngst im Hotel Drouot verkauft wurden, eines Dankbriefes Seitens des Central-Consistoriums der Israeliten an Napoleon I. im Jahre 1809, der zu 20 Francs verkauft wurde. Die Mitglieder des Consistoriums, Abraham Cologna, David Sintsheim, I. Lapard und B. Cerfbeer, danken dem Kaiser dafür, daß er die alte mosaische Religion in die Reihe der anderen Culte erhoben hat. „Obgleich nicht so glänzend wie die militärischen Siege, sind die Siege über die dem socialen Geiste widersprechenden Vorurtheile vielleicht nicht weniger ruhmreich, nicht weniger dauerhaft. Was noch kein christlicher Monarch zu Gunsten der zerstreuten Ueberreste Israels zu unternehmen gewagt, Ew. Majestät hat es begriffen und ausgeführt. Sie haben dem bürgerlichen und religiösen Fluche von achtzehn Jahrhunderten, dessen ebenso nothwendige wie beklagenswerthe Folge unsere fortgesetzte Erniedrigung war, ein Ende gemacht. Dieser Dankbrief ist nichts anderes als die Rede, welche gesprochen werden sollte und dann nur einfach Napoleon überreicht wurde bei jener bekannten Audienz im Jahre 1809, über welche H. Leon Kahn in den Archives (Nr. 29, 46. Jahrg. von Donnerstag 16. Juli) berichtet hat. Die ganze Rede des Generalcommissars ist darin erschienen. Es wäre interessant, zu erfahren, ob der verkaufte Autograph das Original der Rede ist, oder eine der zahlreichen Copien, die damals angefertigt wurden, um nrbi et orbi diese dankenswerthe Audienz bekannt zu machen. Talmudsage. Von Herma«« Ullmers. (Aus „Vom Fels zum Meer" Nr. S.) Als vor Jehova's mächt'gen Donnerworten Geschlossen sich des Paradieses Pforten, Nachdem aus ihnen ausgetrieben war Das arme, das gefall'ne Menschenpaar Und nun stand da in ungeheurem Leid, Gedenkend stumm der je verschwundnen Zeit, Der Zeit voll Unschuld und voll Glück und Frieden, Auch dessen denkend, das ihm nun beschieden,