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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-03-07 · Heft 10 (7.3.1889) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 10 (7.3.1889)
Date
1889-03-07
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Schimpfen, wie es Wohl bis jetzt noch an keinem Professor der Berliner Universität zu Tage getreten. In unserer Zeit hat eben jede Vorstellung von der mit einem Stande verbundenen Würde Schiffbruch gelitten. Nach Wagner ist diese gesammte deutsche Presse nicht des Strafrichters, sondern des Scharfrichters würdig; Galgen und Pranger und leibliche Züchtigung sind es, die sie verdient. Warum? weil sie das Treiben Stöcker's nicht mehr dulden will und für den Fürsten Bismarck Achtung und Anhänglichkeit besitzt. Man kann wirklich neugierig sein, was aus diesem Treiben werden wird. Berlin, 1. März. Wie man hier erzählt, haben die österreichischen Antisemiten Stöcker aufgefordert, einige Vorträge über den Antisemitismus bei ihnen zu halten. Stöcker erhielt jedoch von seinen Vorgesetzten keinen Urlaub zu diesem Zwecke. Breslau, 25. Febr. (Privatmitth.) Ueber die Wirksamkeit der Commerzienrath Fraenckel'schen Stiftung zur Beförderung der Künste und Handwerke in den letzten 3 Jahren gehen uns folgende Notizen zu. Bei Beginn des Jahres 1886 wurden 17 Lehrlinge aus dem Vorjahre übernommen, von welchen 6 als Schneider, 4 als Schlosser, 2 als Tischler und je 1 als Schriftsetzer, Schriftgießer, Mechaniker, Buchbinder und Drechsler ausgebildet wurden. Zu diesen traten im Laufe des Jahres 8 neu aufgenommene Lehrlinge, von denen 2 als Schriftsetzer, je 1 als Lithograph, Tapezierer, Schlosser, Schuhmacher, Kunsttischler und Mechaniker in die Lehre gebracht wurden, während gleichfalls 8 ausschieden. Von letzteren wurden 6 als Gesellen entlassen; 1 Lehrling verzog mit dem Meister, bei welchem er lernte, von Breslau, 1 wurde wegen seiner Führung von der Stiftung ausgeschlossen. Von den 17 verbleibenden wurden je 3 als Tischler und Schneider, je 2 als Schriftsetzer und Schlosser, je 1 als Buchbinder, Schriftgießer, Lithograph, Mechaniker, Schuhmacher, Drechsler, Tapezierer ausgebildet. Zu diesen wurden im Laufe des Jahres 1887 12 Lehrlinge neu ausgenommen, von denen 3 bei Schneidern, je 2 bei Goldarbeitcrn und Kunstschlossern, je 1 bei einem Steinmetz, Drechsler, Kunsttischler, Schriftsetzer und Färber in die Lehre traten. Von den 29 während dieses Jahres in Ausbildung befindlichen Lehrlinge schieden 6 aus, und zwar 3, weil sie als Gesellen entlassen wurden, 2 weil sie sich zur Ausbildung als Handwerker nicht eigneten, 1 weil er von Breslau verzog. Unter den zum Jahresschlüsse verbleibenden 23 Lehrlingen befanden sich 4 Schneider, 3 Schriftsetzer und Schlosser, 2 Tischler, Goldarbeiter und Drechsler, 1 Schuhmacher, Färber, Buchbinder, Lithograph, Schriftgießer, Mechaniker und Steinmetz. Im Jahre 1888 traten 11 Lehrlinge hinzu, von denen sich 3 dem Schneider-, 2 dem Klempnerhandwerk widmeten, während je 1 bei einem Conditor, Friseur, Schuhmacher, Schlosser, Lithograph und Buchbinder in die Lehre kam. Entlassen wurden im Laufe des Jahres 6 als Gesellen, 2 wurden wegen schlechter Führung ausgeschlossen, so daß zum Schluffe des Jahres 1888 im Ganzen 26 Lehrlinge verblieben, welche sich noch gegenwärtig, und zwar 5 bei Schneidern, 4 bei Schlossern, 3 bei Schriftsetzern, je 2 bei Tischlern, Lithographen und Klempnern, je 1 bei einem Schuhmacher, Buchdrucker, Conditor, Steinmetz, Mechaniker und Friseur in der Ausbildung befinden. Außerdem wurden in diesen 3 Jahren Stipendien an 14 Studirende der technischen Hochschule, 20 Schüler technischer Fachschulen und 8 Besucher der Academie der Künste, sowie eine Anzahl zinsfreier Darlehen an Personen gewährt, die ihre Ausbildung durch die Stiftung empfangen hatten. Aus Württemberg, 14. Februar. (Privatmitth.) Ihre Majestät die Königin Olga haben dem Verein zur Unterstützung der Wittwen und Waisen israel. Lehrer aus Anlaß der Einsendung des Jahresberichtes abermals einen Beitrag von 45 Mark gnädigst bestimmt. Ein „Charakterzug vom Tage", wie Sie solche in sehr anziehender Weise in Ihrer geschätzten Zeitung darstellen, dürfte auch die Definition des jüdischen Geistes sein, die mir in einem pädagogischen Fachblatt begegnete. Der Redacteur desselben, ein evangelischer Geistlicher, fragt in seinen Neujahrsbetrachtungen: „Man hört gegenwärtig viel von jüdischem Geiste reden, der auch das deutsche Volk mehr und mehr durchfresse. Ob man recht hat, gerade diesen Namen diesem damit gemeinten Geiste beizulegen, ob derselbe seine Vertreter gerade in den Semiten habe, und ob sein Ursprung gerade in der Naturanlage jenes Volkes sich finde, oder vielmehr überhaupt in der Natur, d. h. im Fleische", diese Frage berührt uns hier gar nicht. Es ist jedenfalls ein großes Unrecht, wenn man damit die Angehörigen eines Volkes kurzweg in Einen Topf wirft. Wir unsererseits führen diese weit verbreitete Benennung hier lediglich darum an, weil sie mit einem Worte jedem Leser den Geistescharakter, von welchem wir reden, nach einmal verbreitetem Wortgebrauche deutlich macht. Aber das, was man damit — abgesehen von der antisemitischen Verhetzung — bezeichnen will, ist leider wahr. Der Geist der Diesseitigkeit, des Materialismus in gänzlich idealloser Weise, dabei der Geist der Jmpietät, der Selbstsucht und der zerstörenden, tödtenden, weil nur verneinenden Kritik, der Geist, der gar nichts schaffen und bauen will, als nur des eigenen kleinen Jchs irdische Bequemlichkeit und eitle Ehre, der Geist, der aber hauptsächlich Geld und wieder Geld sucht, dieser Geist hat gewiß weit um sich gegriffen, und es wäre hoch an der Zeit, wenn man ihm insbesondere den Mantel der

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