Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
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151 4. des Nächsten Ehre zu achten, 5. des Nächsten Glauben zu ehren, 6. und des Nächsten Leid zu mildern. Das Iudenthum fordert: 7. durch Arbeit, 8. durch Wahrheitsliebe, 9. durch Bescheidenheit, 10. durch Verträglichkeit, Menschen zu schädigen, ihn um sein Hab und Gut zu bringen oder ihn gegen rechtswidrige Angriffe hilflos zu lassen. 4. Das Judenthum gebietet: des Nächsten Ehre heilig zu halten, wie die eigene Ehre. Es verbietet daher: jede Herabsetzung des Nächsten durch üble Nachrede, jede Kränkung desselben durch Spott und Beschämung. 5. Das Judenthum gebietet die religiösen Ueberzeugungen Anderer zu achten. Es verbietet daher: jede Verunglimpfung oder Nichtachtung religiöser Gebräuche und Abzeichen Andersgläubiger. 6. Das Judenthum gebietet: Barmherzigkeit gegen Jedermann zu üben, die Nackten zu kleiden, die Hungrigen zu speisen, die Kranken zu pflegen, die Trauernden zu trösten. Es verbietet daher: die Fürsorge auf das eigene Wohl und das Wohl der Angehörigen zu beschränken und bei fremdem Leid theilnahmlos zu bleiben. j 7. Das Judenthum gebietet: die Arbeit zu ehren; jeder an seiner Stelle soll an der Thätigkeit der Gesammtheit durch eigene körperliche oder geistige Arbeit Theil nehmen: im Fleiß des Schaffens und Wirkens die Segnungen des Lebens suchen. Es fordert daher: die Pflege, Ausbildung und thätige Anwendung unserer Kräfte und Fähigkeiten. Es verbietet dagegen: jeden trägen, arbeitslosen Genuß und den Müßiggang im Vertrauen auf die Unterstützung durch Andere. 8. Das Judenthum gebietet: unverbrüchlich die Wahrheit zu bekennen; Wahrhaftigkeit zu üben, daß unser Ja — Ja, unser Nein — Nein fei. Es verbietet daher: jede Entstellung der Wahrheit, jede Vorspiegelung, Heuchelei und Gleißnerei und jede Art von falschem Schein. 9. Das Judenthum gebietet: in Demuth zu wandeln vor Gott und in Bescheidenheit vor den Menschen. Es verbietet daher: Ueberhebung, Hochmuth und Hoffahrt, vordringlichen Dünkel, Prahlerei und Geringschätzung fremder Verdienste. 10. Das Judenthum fordert: Verträglichkeit, Versöhnlichkeit, Milde und Wohlwollen; es gebietet also: Böses mit Gutem zu vergelten, eher Unrecht zu leiden als Unrecht zu thun. Es verbietet daher: Rache zu üben, Haß zu hegen, Groll nachzutragen und selbst den Widersacher ohne Hilfe zu lassen. 11. durch Sit- 11. Das Judenthum gebietet: Keuschheit, tenreinheit Aj^nstrenge und Heiligung der Ehe. Es verbietet daher: Zuchtlosigkeit, Maßlosigkeit und jede Lockerung der Familienbande. 12. und durch 12. Das Judenthum gebietet: die Gesetze des ^/ndieObr?g° Staates gewissenhaft zu befolgen, die Obrigkeit keit ' zu ehren und ihr zu gehorchen. Es verbietet daher: Auflehnung gegen die Anordnungen der Obrigkeit und jegliche Umgehung der Gesetze. is.derNeben- 13. Das Judenthum gebietet: das Wohl der Wohl^zu^sör- Mitmenschen zu befördern, den Einzelnen oder dem, der Gesammtheit nach dem Maße seiner Kräfte zu dienen. Es verbietet daher: jede träge Gleichgiltigkeit gegen das Gemeinwohl und jede eigensüchtige Abschließung von den zur Wohlthätigkeit und zur Veredlung der Menschen geschaffenen Einrichtungen der Gesellschaft. 14. desVater- 14. Das Judenthum gebietet: das Vaterland ^zu^suchm^ ä« lieben und für dessen Ehre, Gedeihen und Freiheit Gut und Blut willig zu opfern. 15. und den 15. Das Judenthum gebietet: den Namen der^Menich- Gottes durch unser Thun zu heiligen und dazu heit herbeizu-mitzuwirken, daß jene Zeit herannahe, in welsuhren. alle Menschen geeint sein sollen in der Liebe zu Gott und in der Liebe zu allen Nebenmenschen. Berlin, 26. Febr. (Privatmitth.) Der Pflicht obliegend, die Stöckerei in allen ihren Phasen zu beobachten, müssen wir bemerken, daß jetzt die Zeit gekommen ist, in welcher Stöcker durch die Vorstöße der „Nordd. A. Z." gegen ihn in solche Erbitterung gerathen, daß er seinen Genossen Prof. A. Wagner zu Hilfe gerufen und beide im Schimpfen und Schmähen bis zu einem Grade vorgerückt sind, den sie bis jetzt noch nicht erreicht hatten, was doch gewiß viel sagen will. Freilich, Volksversammlungen berufen sie nicht mehr ein. Aber ihre getreuen Christlich - Socialen schaaren sie um sich und legen dann los. Für dieses edle Paar besteht „die schlechte Presse" in der gesammten deutschen Publicistik und Literatur, die sie in „officiöse und Judenpresse" theilen. Es ist nämlich richtig, daß, außer den oben (S. 47) genannten, kein Blatt mehr auf Seiten Stöckers steht, so daß die gute Presse ihre Vertretung allein in dem von Stöcker jetzt gegründeten „Volk" findet. In der letzten Versammlung sprach Stöcker immerhin noch etwas gemäßigt, dagegen entfaltete Wagner ein Talent im