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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-28 · Heft 9 (28.2.1889) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 9 (28.2.1889)
Date
1889-02-28
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
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141 der Juden, eine Abhandlung zum Gedächtniß an Jost abzufassen, die daselbst auch abgedruckt wurde und sich der wärmsten Aufnahme erfreute. Unser Freund hat sich in dem Herzen seiner Gemeinde und seiner überaus zahlreichen Freunde ein dauerndes und ehrendes Andenken bereitet. Einem treu verbrachten Leben folgte ein allseitig betrauertes Scheiden von dem man fühlt, daß sich das alte Wort des Judenthums bewähren wird: „das Andenken des Gerechten gereicht zum Segen!" Zur Schul-öibliotheks-Frage. Kaum haben sich verschiedene Stimmen über diese Angelegenheit vernehmbar gemacht, so zeigt sich auch eine Differenz, welche, wenn sie nicht klar gestellt und ausgeglichen wird, der guten Sache leicht schaden könnte. Die einen nämlich denken bei einer Schulbibliothek nur an die zarteste Jugend, und fassen daher vorzugsweise die sogen. Jugend¬ oder Kinderschriften ins Auge, Märchen, Fabeln, kleine Erzählungen, kindliche Darstellungen, geschichtliche Scenen rc. Die Anderen hingegen legen diesem Zweige keine besondere Bedeutung bei, ziehen nur die zweite und dritte Stufe des jugendlichen Alters, selbst die Erwachsenen in Betracht und wollen für eine unterhaltende und belehrende Lectüre zum Vortheile der älteren Jugend, der höheren Classen und selbst der verschiedenen Mitglieder der Gemeinde Sorge getragen wissen. Wer nun die Dinge zusammenzufassen und die Verhältnisse zu überschauen vermag, der sieht eigentlich gar nicht ein» weshalb hier eine Differenz aufrecht erhalten werde. Zweck und Mittel sind ganz dieselben, nur daß man bei der Anschaffung der Bücher diejenige Classe am meisten in Betracht zieht, für welche sich das Bedürfniß am dringendsten herausstellt. Man bleibt nicht stehen und geht also, wie sich die Mittel erweitern, auch in der Herstellung der Bibliothek immer vorwärts. Wie wir schon früher bemerkt, wird cs Orte geben, wo man über die Kinder- und Jugendschriften gar nicht hinauskommt, weil die höheren Kreise nicht vorhanden sind. Ist es eine höhere Lehranstalt, die endlich auch eine jüdische Schulbibliothek anlegen will, so wird sie aus die Kinderschristen gar nicht zu reflectiren haben. Dies bitten wir überall im Auge zu behalten. Beiläufig merken wir noch an: Gotthold Salomon, Selima's Stunden der Weihe (Leipzig, 1816). Leopold Dukes, Rabbinische Blumenlese (Leipzig 1844). Selavenhandel und Inquisition in Portugal. In der jüngsten Zeit haben sich viele katholische Geistliche ein Verdienst dadnrch erworben, daß sie in den europäischen Völkern eine neue Energie zur Beseitigung des Sclavenhandels hervorzurufen suchen. Das ist gewiß schön und würdig. Wenn dann aber von ultramontaner Seite wiederholt behauptet wird, daß die katholische Kirche stets gegen das Sclaventhum und den Selavenhandel gesinnt gewesen, gelehrt und gestrebt habe, so wird hiermit der Geschichte der» art die Wahrheit aus der Hand gerungen, daß man, wo so viele Thatsachen sprechen, nicht schweigen kann. Wir finden soeben im II. Bande der „Akademischen Borträge" von Döllinger (Nördlingen, Beck 1889) eine Gedächtnißrede auf den portugiesischen Geschichtsschreiber Hereulano de Carvalho. Dieser Schriftsteller (gest. 1877) war ein strenggläubiger Katholik, aber die Kritik der Geschichte ging ihn über alle andern Gründe. Bei ihm liest man folgendes: „Die Portugiesen sind es, welche durch ihre Könige und durch den päpstlichen Stuhl sich haben ermächtigen lassen, Muhammedaner und Heiden, Mauren und Neger zu Sclaven zu machen. Papst Nikolaus V. ertheilte 1455 zuerst diese Vollmacht, Calixtns III. bestätigte sie und Alexander VI. hat dann den Spaniern für ganz Amerika dasselbe Recht, die Indianer zu Sclaven zu machen, verliehen. Daraus ist die Vertilgung ganzer Völker, daraus der auch heute, nach den beharrlichsten Anstrengungen Englands, noch nicht ganz unterdrückte Selavenhandel, mit seinen unsagbaren Greueln und der Hinopferung ungezählter Millionen von Menschenleben entstanden. Das Volk fand bald das Sclavenhalten so bequem, daß im Jahre 1535, wie der Niederländer Cleynaerts aus Lissabon meldete, es dort mehr Sclaven als Freie gab. Die Folge war, daß jedes Handwerk und jede Arbeit theils Fremden, theils Sclaven überlassen wurde, der j Portugiese aber, unter dem hinzutretenden Einfluß der Menge!von Feiertagen und des Vorbildes von Schaaren muffiger Ordensgeistlicher, die Arbeit als etwas unehrenhaftes, das! Betteln dagegen als ehrenvoll zu betrachten sich gewöhnte, jttrie denn heute noch die unglaubliche Trägheit des Volkes , jebem Fremden beim Eintritt in das Land sofort auffällt. Ünd noch andere Ringe hängen an dieser verhängnißvolleu Kette, hier wie in Spanien: die Masse des unbebauten Landes und der nun schon so lange am Mark des Königsreiches zehrende Schaden, das Deficit. Der Selavenhandel, von den Portugiesen betrieben, hat nun schon an vier Jahrhunderte fortgewährt, seit 1814 allerdings nicht mehr im Namen und unter dem offenen Schutze der Regierung — wiewohl noch im Jahre 1837 der Minister Basconcellos öffentlich erklärte, er sei dem Reiche unentbehrlich.' Jüngst hat freilich einer der Minister in der Kammer behauptet, die Re-

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