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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-28 · Heft 9 (28.2.1889) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 9 (28.2.1889)
Date
1889-02-28
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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140 äußeren Fortschritte auf den Colonien sind fortwährend erfreulich; der geschäftliche Verkehr nimmt immer mehr zu. Die Aussicht auf den Bau einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem ist nun näher gerückt. Der Ferman ist einer deutschen Firma in Jerusalem ausgestellt worden und von derselben sind Schritte geschehen zur Erlangung des nöthigen Capitals. Daß schon vor Monaten in der „Triester Ztg." ein Bericht erschienen ist über die vollendete Bahn, während noch kein Spatenstich daran geschehen war, erregte hier nicht wenig Heiterkeit. Jener Artikel hat unbegreiflicher Weise wie es scheint die Runde in der Welt gemacht." Bonn, 24. Februar. (Notizen.) Dem in Dresden lebenden Schriftsteller Di-, Adolph Kohut ist in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Literatur von dem Herzog von Sachsen-Altenburg die Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft mit der Krone verliehen worden. — Aus Stockholm schreibt man uns: Wiederum bin ich in der angenehmen Lage, über einige Auszeichnungen, die unseren Glaubensgenossen hier zu Theil geworden, Bericht erstatten zu können. Bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier unseres Königs verlieh derselbe dem Schloßintendanten Professor E. Jakobson den St. Olafsorden, Herr Josef Rübenson wurde Ritter des Nordsternordens, Herr A. Nach man son erhielt den Vasaorden und Hr. Consul I. Philipson in Norrköping wurde Commandeur des Vasaordens 1. Claffe. — Einer sehr ehrenvollen Berufung erfreute sich auch der Cantor der hiesigen Gemeinde, Herr G. Rosenberger. Er wurde als Lehrer der deutschen Sprache an der Kgl. Kriegsschule angestellt, während nicht weniger als zwölf andere Bewerber sich um j biegen Posten bemühten. Ienit Rabbiner Dr. X M. Goldschmibt. (Nekrolog.) Als die Trauerkunde von dem Hinscheiden des verehrten Freundes zu uns gelangte, theilten wir dieselbe unseren Leser sofort (in Nr. 7) mit. Heute wollen wir ihm einen weiteren Nachruf widmen. Goldschmidt war ausgezeichnet durch seine glühende Liebe für unsere heilige Sache, durch die Energie des Geistes, die er ihr zugewandt, durch den unerschütterlichen Eifer, für dieselbe zu wirken. Von seinem äußeren Lebensgang können wir, selbst nicht unterrichtet, nur wenig berichten. Eine längere Zeit fungirte er in Warschau im dortigen israelitischen Chortempel und wußte sich durch seine populäre Beredtsamkeit und seinen festen und freundlichen Charakter die Achtung aller dortigen Kreise zu gewinne». Aber der Boden jenes unglücklichen Landes wurde immer heißer, die Verhältnisse immer drückender, die Wirksamkeit immer aussichtsloser — und so kehrte Goldschmidt mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Hier erhielt er bald den Ruf nach Leipzig, nachdem Dr. Jellinek nach Wien gegangen war. Seitdem widmete Goldschmidt der Gemeinde zu Leipzig alle seine Kräfte, sie wuchs zu einer bedeutenden heran, sie arbeitete an ihrer Organisation bis zur Mustergiltigkeit; der Gottesdienst in der Synagoge gestaltete sich immer edler und weihevoller, wozu das von Goldschmidt ausgearbeitete Gebetbuch wesentlich beitrug; der Religionsunterricht wurde eifrigst gefördert und die humanitären Vereine und Anstalten gediehen zu schöner Blüthe. l e t o n. Daß hierzu der in Leipzig gegründete und bis zum Tode des verdienstvollen Nachod schön entwickelte Deutsch-Israelitische Gemeindebund Vieles beitrug, versteht sich von selbst. Kurz, Goldschmidt konnte sich einer selten intelligenten und energischen Gemeinde freuen und wirkte in und mit ihr zu großer Befriedigung. In den letzten Jahren seines Lebens war er häufig von körperlichen Leiden heimgesucht, die er mit großer Geduld und Ergebenheit ertrug. Schriftstellerisch war Goldschmidt trotz seiner Begabung nicht sehr thätig. Außer einigen Predigten heben wir die Rede hervor, die er bei der Einweihung des Standbildes Lessing's in seiner Vaterstadt gehalten und welche einen außergewöhnlichen Beifall gefunden hat und auch wiederholt im Druck erschienen ist. Einer der Mitbegründer und Leiter des „Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur" war Dr. A. Jellinek. Als dieser bei seiner Uebersiedelung nach Wien aus dem Vorstande des Instituts scheiden mußte — denn das Institut war als literarische Gesellschaft in Oesterreich verboten, obschon seine Bücher nach bestandener Censur ungehindert Eingang in das Kaiserreich fanden — wählten der sel. Dr. Jost und Schreiber dieses den Dr. Goldschmidt zum Mitgliede, um in Leipzig selbst einen Vertreter zu haben. Er nahm das Amt bereitwilligst an und blieb demselben bis zur Auflösung des Instituts treu. Kurze Zeit nach seinem Eintrit verstarb auch Dr. Jost, und wir gewannen einen neuen Mitarbeiter in dem sel. Dr. Herzfeld, Landesrabbiner zu Braunschweig. Damals übernahm es Goldschmidt, in dem von uns herausgegebenen Jahrbuch für die Geschichte des Judenthums und

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