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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-21 · Heft 8 (21.2.1889) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 8 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
Seite 124 (sequence 12)
Language
German
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124 hat dies im Laufe des Februar (Adar I) an Herrn Herrmann Schwarz oder Oberrabbiner Simon Schreiber in Erlau (Ungarn) vermittelst einfacher Postkarte mit Angabe der Fahrklasse anzuzeigen, ohne noch damit eine Verpflichtung einzugehen. Es handelt sich darum zunächst, wenigstens annähernd die Zahl der Theilnehmer festzustellen, eine große Betheiligung hat eventuell eine Reducirung des Fahrpreises zur Folge. — Sobald die Anmeldungsfrist abgelaufen ist, erscheint neuerdings ein Aufruf zur definitiven Theilnahme, nebst genauem, detaillirtem Reiseplan. In diesem Aufruf wird auch das Bureau in Pest bezeichnet, von welchem die Reisekarten ausgegeben und die einzusendenden Gelder in Empfang genommen werden. — Wir werden nicht verfehlen, auf die Sache wiederholt zurückzukommen und die Leser dieses Blattes über das Fortschreiten des Unternehmens eingehend zu unterrichten. — Bonn, 17. Februar. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Der den 6 d. M. im Alter von 90 Jahren hier kinderlos verstorbene Hermann Kann hinterließ dem hiesigen israelitischen Siechenhause 160,000 Gulden mit der Bestimmung, es möge auf das bestehende Gebäude entweder noch ein Stock aufgebaut und der Restbetrag zur Aufnahme und Verpflegung neuer Siechen verwendet, oder aber, es möge im Bedarfsfälle von diesem Gelde ein neues Siechenhaus erbaut werden. Außerdem wurden mit größeren Summen im Testamente bedacht: Das israelitische Knaben- und Mädchen-Waisenhaus, das israel. Taubstummen-Jnstitut, der Pensionsfond der israel. Gemeinde, der israel. Handwerkerverein und die Landes-Rabbiner-Schule. — Vorgestern ist in Paris der bekannte Philanthrop, Almosenier des Barons Hirsch, E. Veneziani, gestorben. Veneziani, der im Aufträge des Barons Hirsch überall hineilte, wo es galt, die Roth und das Elend seiner Glaubensgenossen zu lindern, war in Livorno geboren. Er wurde vom Bankier Allati in Salonichi als Erzieher seiner Kinder berufen. Dort lernte ihn Baron Hirsch kennen und engagirte ihn als seinen Almosenier. In dieser Vertrauensstellung zeichnete sich der verblichene Veneziani zuerst im deutsch-französischen Kriege im Jahre 1870 aus. Vor einigen Jahren (1881), als infolge der Judenkrawalle in Rußland viele Juden, den ärmsten Classen angehörend, zum Wanderstabe greifen mußten, und als erste Station Ostgalizien, namentlich die Stadt Brody, wählten, da eilte Veneziani im Aufträge des Barons Hirsch herbei. Das Wirken Veneziani's erregte damals die Bewunderung der galizischen Behörden. Es galt damals, mehrere Tausend arme Menschen vor dem Hungertode zu schützen und — was weit wichtiger war — ihnen die Mittel zur Auswanderung zu bieten, da ihr Verbleiben in Galizien nur das Elend der Einheimischen vergrößert hätte. In den späteren Jahren sehen wir Veneziani öfters in Galizien anläßlich der großen Brandkatastrvphen in Stryj und Lisko. Veneziani wurde bei diesen häufigen Reisen mehr und mehr mit dem geistigen und materiellen Elend seiner Glaubensgenossen bekannt, und nur, Dank seinen Berichten über diese Zustände, entschloß sich Baron Hirsch, seine Millionenstiftung I zu machen. Jeuil Eine Fahrt nach Catania. Gewiß, wir dürfen nicht immer dem kalten Menschen-! verstände und dessen, es mag sein, begründeten, doch aber oft recht lästigen Forderungen folgen, der Mensch darf sich auch dem bunten Spiele der Phantasie überlassen, selbst derjenigen, welche mit der Wirklichkeit nur geringe Berührungspunkte hat, die sich ihren Spielplatz allein aufbaut und die Mittel, sich zu unterhalten, nach Belieben und Laune auswählt. Und darum, trotz meines hohen Alters und obschon ich von einem starken Katarrh an das Krankenlager für einige Zeit gefessellt bin, will ich eine Schnellreise durch die apenninische Halbinsel und nach Catania unternehmen, nach dieser am Fuße des Aetna so reizend gelegenen Stadt, die wiederum ihre Füße in den blauen und lauen Wellen t e 1 o n. der Meerenge badet, gegenüber den wilden Bergzügen von Calabrien und den geheimnißvollen Scylla und Charybdis! unfern. Was mich dahin verleitet? Von Catania geht in jeder Woche am Dienstag ein Dampfer ab, der am Freitag nach Athen gelangt. Nun, die Reisenden von Catania nach Athen bilden nur eine kleine Gesellschaft, desto größer ist der Wagenverkehr, da der ganze europäische Transport nach Griechenland, sei es an Lebensmitteln, sei es an Produkten der Industrie, über Catania dahingeht. Ich mache mich also fertig, die Reise geht ununterbrochen die Nächte hindurch, einen Tag verbleibe ich in Mailand, einen in Genua, zwei in Rom und drei in Neapel. Auf solcher nächtlichen Eisenbahnfahrt hat man den großen Vortheil, daß man die Physiognomien der Reisenden in ihrem verzweifelten Kampfe nach Schlaf studiren kann. Von Land und Leuten da drau-

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