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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-21 · Heft 8 (21.2.1889) · p. Seite 123

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 8 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
Seite 123 (sequence 11)
Language
German
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123 London, 9. Februar. (Privatmitth.) In keiner Nation sind tiefgehehende stürmische Bewegungen und zwar gegen die nationalen Gewohnheiten so häufig, wie bei den Engländern. Sie treten hervor, werden stürmisch und verschwinden wieder. Am wenigsten aber ist man in England gewohnt, Richtungen, die dem gewöhnlichen Engländer gegen den Strich gehen, als reichsfeindlich und antinational zu benennen. Bekanntlich ist der Grundzug der Engländer hochkirchlich und jedenfalls christlich-orthodox. Veranlaßt durch den Bericht der königl. Commission über das Unterrichtswesen hat sich eine „nationale Unterrichts-Gesellschaft" gebildet, deren Zweck ist: 1) ein nationales Unterrichts-System, welches wirksam, fortschrittlich und confessionslos sein und unter Volkscontrole stehen soll, zu fördern, und ferner alle eine gegentheilige Tendenz habenden legislativen und administrativen Vorschläge zu bekämpfen; 2) die allgemeine Errichtung von Schulräthen in geeigneten Distrikten, welche die confessionslosen Schulen unter ihrer Controle haben, zu sichern; 3) Leichtigkeiten für die bessere Ausbildung von Elementarlehrern in den unter Staatsaufsicht stehenden confessionslosen Schulen zu erlangen. Diese Ziele sollen erreicht werden durch Publikationen, Versammlungen, Vorlesungen, Ueberwachung des Parlaments, des Unterrichtsministeriums, der Vorsteher von aus Staatsmitteln unterstützten Schulen, sowie dadurch, daß man die Unterstellung des Unterrichtes unter confessionelle und andere Interessen verhindert. Im Parlament und anderwärts soll allen Maßregeln zur Förderung der Zwecke der Gesellschaft Vorschub und zur Sicherung der Wahl von Abgeordneten und Schulräthen, die der Politik der Gesellschaft günstig find, Beistand geleistet werden. Palästina. Luzern, im Februar. (Privatmitth.) Reise nach Jerusalem. ','2 '22p 2512^ IIJN HU pTflNl D'DJD 'i? iHPJ/’ ’D :-p-®y nN pinw t.nd nsr.N*. "juin* ^y "dn$> s>iO^:g'2N2 R. Jehuda Halevi. Noch einige Wochen und es wird sich ein Unternehmen mit Gottes Hilfe vollziehen, das in seiner Art einzig in der zweitausendjährigen Geschichte unserer Zerstreuung dasteht: Den heiligen Boden unsrer Vergangenheit, den geistigen Sammelpunkt unserer Gegenwart, die Verwirklichung aller Hoffnungen unserer Zukunft auf leichte, billige, mit allen Annehmlichkeiten verbundenen Weise in Gesellschaft zahlreicher Gleichgesinnten besuchen zu können. Die Sehnsucht nach dem heiligen Lande hat Herr Herrmann Schwarz in Erlau (Ungarn) veranlaßt, die Ausführung dieses Projekts in die Hand zu nehmen. Ein soeben uns zugekommenes Circular theilt uns zu unsrer großen Freude mit, daß die einleitenden Schritte bereits soweit gediehen sind, daß das Unternehmen nunmehr als gesichert gelten kann. Herr Schwarz hat, wie wir aus seinem Rundschreiben entnehmen, mit soliden, Vertrauen genießenden Unternehmern, welche derartige Reisen schon wiederholt ausgeführt haben, die nöthigen Vereinbarungen getroffen. — Die Reise wird sammt Aufenthalt beiläufig 30 Tage in Anspruch nehmen, wird gegen Mitte Mai (t\n) von Budapest ausgehend bis Salonichi per Bahn, von dort weiter mit Berührung Griechenlands bis nach Jaffa per Schiff gemacht werden. Von Jaffa nach Jerusalem werden den Theilnehmern bei der Hin- und Rückreise Fahrgelegenheiten zur Verfügung gestellt sein. — In Jerusalem selbst ist ein 14 tägiger Aufenthalt vorgesehen, um auch die außerhalb Jerusalems befindlichen Sehenswürdigkeiten besichtigen zu können. Ein detaillirtes Reiseprogramm ist bereits in Ausarbeitung. Das Schabuothfest soll in Jerusalem gefeiert werden, von wo die Rückreise via Konstantinopel bis Budapest erfolgt. — Eine der Haupt-- schwierigkeiten war die Beschaffung von streng rituell zubereiteter Schiffskost. Dieser Punkt ist in einer Weise erledigt, daß auch der gewissenhafteste Beobachter unserer Speisegesetze ohne Bedenken theilnehmen kann, indem die Controle über diese Seite des Unternehmens von dem ehrwürdigen Oberrabbiner Herrn Simon Schreiber 's von Erlau übernommen wurde, der sich auch dem Zuge anschließen wird. — Desgleichen haben die ehrwürdigen Herren Rabbinen I. Ettinger, Lemberg; Sal. Spitzer, Wien, und B. Schreiber, Preßburg ihre Betheiligung bereits zugesagt. Letzterer schreibt in seiner Zusage wörtlich: „Ich zähle die Sekunden, bis zur Stunde, in der wir unseren Weg ins Heiligthum antreten." — Einem in hebräischer und deutscher Sprache dem Circular beigefügten Begleitschreiben des Herrn Oberrabbiners in Erlau entnehmen wir unter Anderem auch, daß die Gesellschaft eine Thorarolle mitsühren wird. Bedenkt man nun den großen Apparat, den nur die Beschaffung streng ritueller Kost erfordert, so kann man die Billigkeit der Preise nicht anerkennend genug hervorheben. Die gesammte Hin- und Rückreise kostet ab Budapest: I. Klasse 360 Gulden; II. Klasse: 280 Gulden und III. Klasse: 180 Gulden. — Für diese Summe reisen die Theilnehmer während der ganzen Reise in den entsprechenden Klassen. Auf dem Schiffe wird eine aus mehreren Speisen bestehende Kost verabreicht, ebenso wird für Wohnung während der ganzen Dauer der Reise, also für 30 Tage incl. des Aufenthaltes in Jerusalem, den Fahrklassen entsprechend gesorgt sein. — Es ist heute schon zu erwarten, daß die Betheiligung einen imposanten Charakter annehmen wird. — Wer die Absicht hat, sich dem Zuge anzuschließen, ' 8*

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