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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-21 · Heft 8 (21.2.1889) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 8 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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121 ein solches kurzes Gebet in das für den Kaiser und seine Familie ein. Die eigentliche Todtenfeier, welche die hiesige Cultusgemeinde in der schwarz drapirten und hell erleuchteten Synagoge veranstaltete, fand Dienstag, den 5. d., um die Zeit statt, als in der Residenzstadt die Ueberreste des Fürstensohnes der Erde wiedergegeben wurden, von der sie genommen. Es war ein wirklich „schwarzer Feiertag," dieser Dienstag. Alle Geschäftslocalitäten gesperrt, düsteres, dumpfes Trauergeläute erdröhnt von den Thürmen, Schaaren von Menschen wallen in die Gotteshäuser durch die erleuchteten Straßen. In der Synagoge hatte sich ein nach vielen Hunderten zählendes Publicum, sowohl Israeliten als auch christliche Mitbürger, der Herr Bürgermeister Winterholler an der Spitze, eingefunden. Wer um 3/45 Uhr kam, fand kein Plätzchen mehr. Um 5 Uhr begann der Trauergottesdienst. Mächtig dnrchbrausten die Orgelklänge das prächtige Gotteshaus. Nun erscholl der Trauergesang: „Empor zu Ihm, o Menschenseele, Den« Licht in deiner Macht! Was dich auch immer, immer quäle, Er scheucht's mit seiner Macht. Heut' faßt dich an ein ernst' Gedenken, Doch er wird Ruh' ins Herz dir senken. Drum hoffe, hoffe, bange Seele, Und fühl' dich ewig still beglückt Und losgelöst von Schuld und Fehle, Wie der Vergänglichkeit entrückt. Es senden, die von dir geschieden. In dein Gemüth den sel'gen Frieden. Hierauf bestieg der Herr Landes-Rabbiner die Kanzel. In tiefbewegten Worten schildert er den furchtbaren Gegensatz von Sarg und Thron. Wer hätte gedacht, daß die Worte der letzten Pareschah „Sie sollen machen eine Lade" für uns eine solche tief-schmerzliche Bedeutung haben werden? Ach, diese Lade schließt unser Kostbarstes ein. — Der Kaiser mag nun wieder rufen, wie einst, als er vor 40 Jahren die Regierung antrat, „Jugend, leb wohl," ihm mag er das zurufen, der kein hohes Alter erreichte. Jedoch möge ihm eine gütige Vorsehung noch Glück zu Theil werden lassen, nach den Worten des Psalmes O'D'yja (Ps. 16, 6) und aus der Thränensaat möge uns erstehen ein versöhntes, von allem Zwist und Hader, von Nationalitäten- und Classenstreitigkeiten befreites Vaterland! — Die Rede, von dem Herrn Prediger in sichtlicher Bewegung vorgetragen, wurde sehr oft durch lautes Schluchzen und Weinen unterbrochen. Die Rührung war allgemein. Nun recitirte der Ober-Cantor den Psalm 16, dessen letzte Verse vom Chor gesungen wurden. — Damit endete die überaus würdige Todtenfeier, nach welcher die Menge still und schweigend das Gotteshaus verließ. — Wir schließen diesen Bericht mit dem innigen Wunsche: „Gott schütze Oesterreich!" vr. Max Grünseld. Aus Galizien, im Februar. (Privatmitth.) Im zweiten Heft der neuen Monatsschrift von Wißmann befindet sich unter diesem Titel ein Artikel, von Osias M. verfaßt, über die Baron Hirsch-Stiftung in Galizien, der unserer Beachtung nickt entgehen darf. Nachdem nämlich die äußeren Verhältnisse der Stiftung geordnet sind, stellt der Berf. sehr nachdrücklich ans, daß es nur auf die glückliche Wahl des Curatoriums ankommen werde, daß die Stiftung auch in wirkliche Thätigkeit trete. Unter glücklicher Wahl versteht er nicht etwa die solcher Männer, welche durch ihre Tüchtigkeit und Befähigung den neuen Bildungsanstalten die richtigste und sicherste Richtung zu geben verstehen, sondern — welche das Vertrauen der Orthodoxen und Chassidim besitzen. Werden andere Personen gewählt, die etwa den genannten Parteien Mißtrauen einflößen, so werden jene einfach ihre Kinder diesen Lehranstalten nicht übergeben, und da sie die ungeheure Mehrzahl im Lande bilden, so werden die neuen Anstalten leer, unbesucht bleiben. Es ist schwer, vom Auslande aus die Lage der Dinge richtig zu beurtheilen. Daß es sich so verhalten könne, geben wir zu. Ob aber auch im äußersten Falle hier nachgegeben werden solle, ist eine andere Frage, und es kommt auf die Forderungen an, welche die Orthodoxen und Chassidim stellen. Denn so oberflächlich hingenommen, kann es doch unmöglich die Absicht sein, die neuen Lehranstalten nach den abschreckenden Mustern herzustellen, welche jene beiden Parteien als Schulen bezeichnen, die aber nichts weiter als die ungesundesten und leistungslosesten Cheders sind. Die Herren Orthodoxen und Chassidim werden sich also doch bequem müssen, und sollten sie anfänglich wirklich mit ihren Kindern striken, so würde dies wohl nicht lange dauern, und eine Familie nach der andern wird von dem Gesammtklumpen abbröckeln. Uebrigens ist der gedachte Artikel auch noch mit Gehässigkeiten durchquickt, die ihn uns nicht sympathisch machen. Wiederholt kommt er in den heftigsten Ausdrücken auf die irrige Wahl zu sprechen, welche die Wiener Allianz traf, als sie ihren Generalfecretär wiederholt nach Galizien in Schulangelegenheiten sandte. Die bitteren Reden auf diesen Mann, ohne daß eine einzige Thatsache hervorgehoben wird, machen uns den ganzen Artikel etwas verdächtig, so daß er pro äomo abgefaßt zu sein scheint. Dies Alles geht uns nichts an, und der Artikel schien uns nur bemerkenswerth, weil er auf ernste Schwierigkeiten zu deuten scheint, denen die Baron Hirsch-Stiftung schon in Galizien, um wie viel mehr in Rußland, begegnen könnte. Wir wollen übrigens hierbei betonen, daß die Alliance isr. univ. bei der Begründung, und Erhaltung von 8

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