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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-21 · Heft 8 (21.2.1889) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 8 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 Berlin, 13. Februar. Das Centrum hat heute im Abgeordnetenhause mit den Unterschriften der gesummten Fraction den sogen. Windthorst'schen Schulantrag eingebrachl, der in der Hauptsache verlangt, die königliche Staatsregierung oufzufordern, dem Landtage baldigst den Entmurs eines Gesetzes vorzulegen, durch welches den Kirchen und ihren Organen in Betreff des religiösen Unterrichts in den Volksschulen diejenigen Befugnisse in vollem Umfange gewährt werden, welche die Berfassungsurkunde im Art. 24 denselben durch den Satz: „Den religiösen Unterricht in der Volksschule leiten die betreffenden Religionsgesellschaften" zugesichert hat. Im Weiteren specifizirt der Antrag die Wünsche des Centrums über die Anstellung der Lehrer und die Ertheilung des Religionsunterrichts. AuS Kurheffen, 11. Februar. Trotz dem Fiasko, das die konservativ-antisemitische Antiwucherbewegung mit ihrem Verlangen nach Verschärfung der Gesetzgebung an maßgebender Stelle gemacht hat, ruht sie nicht. Nach der „K. Vksz." soll demnächst ein „Verein gegen Wucher im Regierungsbezirk Kassel" in einer zu Bebra stattfindenden Versammlung endgiltig errichtet werden; sämmtliche hessische Abgeordnete hätten ihren Beitritt angemeldet. Der Verein soll alle ihm bekannt werdenden Wucher- und Betrugs-Fälle zur strafrechtlichen Verfolgung bei Gericht anzeigen. Ferner soll durch den Verein die Errichtung der Raiffeisen'schen Darlehenskassen überall, wo es Noth thut, gefördert werden. Solche positive Thätigkeit kann schon eher Segen bringen, als die einseitige confessionelle Verhetzung, die im Uebrigen von den sog. Autiwuchervereinen betrieben wird. Aber selbst dazu macht ein Landwirth in der „Fuld. Ztg." die Bemerkung: „Bei Neugründung von Darlehens-Vereinen ist es unbedingt nöthig, die Mitglieder zu verpflichten, von gewerbsmäßigen Güterschlächtern Land und Häuser weder zu kaufen noch zu pachten. Die Fassung des Paragraphen muß eine bindende sein. Geschieht dies nicht, so sind die Darlehenskassen, wie die Erfahrung gelehrt hat, vielfach nur ein Mittel, den Gütcrschlächtern zu ihre» zweifelhaften Forderungen auf Kosten der Bürger zu verhelfen." Wissen denn die künftigen Mitglieder des hessischen Vereins vielleicht, daß ein antisemitischer Hauptwütherich im „Verein gegen den Wucher im Saargebiet" sich ganz hervorragend mit dem Aufkauf kleiner Bauerngütchen beschäftigt? Oesterreich-Ungar». Brünn, Anfang Februar. (Privatmitth.) Wir stehen unter dem tiefschmerzlichen Eindrücke der Nachricht vom Tode unseres Kronprinzen Erzherzogs Rudolf! Soll ich Ihnen die Aufregung schildern, welche die Trauerbotschaft überall hervorbrachte, wohin sie drang? Soll ich Ihnen die schier unentwirrbare Menge von Gerüchten und Combinationen darlegen, welche sich an den wahrhaft unheimlich zu nennenden Fall anschlossen? Was für einen Zweck hätte dies? Genug, man wird in der Geschichte der Welt und der einzelnen Völker nach einem ähnlichen Ereignisse zn suchen habe». Ei» Prinz, hochbegabt, erfüllt von der ganzen Bildung der Zeit, der Stolz und die Hoffnung seiner kaiserlichen Eltern und der zu ihm mit unendlicher Liebe und Verehrung emporschauenden Völker der großen Monarchie, verläßt alles, was uns lieb und theuer ist und ihm in reichlichstem Maße von einem gütigen Geschicke zu Theil geworden — Eltern, eine liebende Gattin, ein unschuldiges Kind, verläßt die ihm alle Hoffnungen entgegenbringenden Völker und scheidet aus dem Leben, von einem unseligen Verhängniß getrieben! Soll ich alle die Gefühle, welche uns in diesem fürchterlichen Augenblicke bestürmen, durch einen Schriftvers ausdrücken, so paßt wohl auf dieselben am besten das Wort des Jeremias: „Gefallen ist die Krone unseres Hauptes, weh' uns, denn wir haben gesündigt." — Dieser schreckliche Fall erinnert auch den ungläubigsten Philosophen an das Walten einer höheren Macht, welche die menschlichen Schicksale lenkt und leitet, welche, von uns nicht erkannt, über Menschen und Völker verfügt. — Hier sind die Grenzen unserer Erkenntniß, und nie wird der Schleier dieses Geheimnisses gelüftet werden für den schwachen, menschlichen Geist. — Wir aber wünschen, die allgütige Vorsehung, welche so unsagbares Leid über unser armes Vaterland gebracht, welche uns so überreich gemacht hat an Schmerz, möge milden Balsam des Trostes den kaiserlichen Eltern, der armen früh verwittweten Kronprinzessin senoen und unser vielgeprüftes Vaterland und seine hart getroffenen Völker schützen. Dem Verblichenen aber, welchen die herrlichsten Vorzüge des Geistes und des Gemüths auszeichneten, wird ein dankbares Andenken in den Herzen aller Oesterreicher, die er durch sein Hinscheiden in die tiefste Trauer versetzt hat, für alle Zeiten gesichert sein. — Wer erinnert sich nicht jener goldigen Maitage, da der Fürstensohn seine jugendliche Braut heimführte in die herrlich geschmückte alte Kaiserstadt? Sie hat nun wieder Schmuck angelegt, die alte Vindobona, aber es ist der Schmuck der Trauer. Und so wie sie einsam dasitzt und weinend trauert, so trauert mit ihr dieses ganze große Reich und seine getreuen Völker. Auch unsere Stadt hat Trauerschmuck angelegt und düster flattern die Trauerfahnen von den Dächern, aber noch düsterer malt sich die Trauer auf allen Gesichtern ab. Was wird uns die Zukunft bringen, das ist nun die große Frage, welche auf Aller Lippen schwebt! — Doch diese Frage wird wieder verdrängt durch den Jammer der Gegenwart. Heiße Gebete steigen zum Herrn auf für das ewige Heil des früh Entschlafenen, heiße Gebete, er möge Trost sende» den tiefgebeugten Eltern, der schwergeprüften Wittwe. Schon am letzten Sabbath flocht Herr Landes - Rabbiner vr. Platzek

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