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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-21 · Heft 8 (21.2.1889) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 8 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 eine solche Versammlung, welche alles Geräusch vermeidet, den Verdacht der Heimlichkeit oder doch Abgeschlossenheit herbeiführen? und einen solchen Vorwurf haben gerade wir mehr als alle Anderen zu scheuen. Auch hierfür wird es ein hinlängliches Mittel geben. Bor der Eröffnung der Sitzungen wird man einige der bedeutendsten Zeitungen ersuchen, ihre Reporter den Sitzungen beiwohnen zu lassen und sie zu beauftragen, genaue und ausführliche Berichte über die Verhandlungen und deren Resultate zu geben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Organe der Oeffentlichkeit das an sie gestellte Ersuchen mit Bereitwilligkeit erfüllen werden, und sorgen wir dann dauernd für diese Art Oeffentlichkeit, so wird uns Niemand der Heimlichkeit und Geheimbündelei zeihen können. Wir mögen heute auf die Frage nach dem Inhalte und Zwecke einer solchen Versammlung ausführlich nicht eingehen. Hierzu ist die Sache noch zu neu und unbestimmt, und wir werden den Sinn für eine genauere Discussion erst gewinnen, wenn wir überzeugt worden, daß die Sache aus dem Rahmen der Theorie auf das Feld der Wirklichkeit getreten ist. Im Allgemeinen wird die Hauptfrage sein: wie ist dem Antisemitismus und seiner Verbreitung nachdrücklich und mit Erfolg entgegen zu wirken? Die Versammlung selbst wird sich darauf beschränken müssen, eine allgemeine, aber durchaus bestimmte Erklärung über die Stellung der Juden im Staate, und zwar gerade aus dem gemeinsamen Gesichtspunkte des jüdischen Stammes. An diese positive Erklärung kann sich eine kurze Widerlegung der hauptsächlichen Anschuldigungen knüpfen, welche gegen die Juden geschleudert zu werden Pflegen. Der eigentliche Werth, die Wucht einer solchen Erklärung, liegt in der Gemeinsamkeit, welche die ganze Oberfläche der Erde umfaßt. Hieran können sich Berathungen über die Mittel anschließen, welche in einzelnen Fällen räthlich wären, gerade um in der öffentlichen Meinung die Verächtlichkeit und Verderblichkeit der antisemitischen Giftsaaten immer von Neuem zum Bewußtsein zu bringen. Anträge der verschiedensten Art werden erfolgen und die weisesten ausgeschieden werden. Es ist auch kein Zweifel, daß noch andere positive Fragen auf die Tagesordnung und zur Verhandlung kommen werden: die Verhältnisse der Einwanderung, die ja immer größere Dimensionen annimmt, die Colonisation, die Lage der Dinge in Palästina u. s. w. Der Leser sieht, an Gegenständen, die zu einer solchen Vereinigung auffordern, ist kein Mangel. Mögen nur die rechten Männer sich zusammenfinden, um diese Angelegenheit einige Schritte wenigstens vorwärts zu bringen; dann wird sie von selbst weiter schreiten. %>qXK\a\x<^ ynac Deutschland. Berlin, 7. Febr. In der Frühe des heutigen Tages ist nach kurzem Krankenlager einer unserer bekanntesten und geachtesten Mitbürger, der Geheime Cvmmeicienrath Valentin Manheimer, nach einem langen und arbeitsreichen Leben verschieden. An den Namen des Heimgegangenen knüpft sich ein wichtiger Abschnitt der Geschichte unserer industriellen Entwickelung. Im Jahre 1835 war der damals stellenlose Handlungsgehilfe Manheimer aus der kleinen sächsischen Provincialstadt Gommern nach Berlin gekommen, mit wenig mehr Mitteln in der Tasche, als für die Nothdurft der nächsten Tage ausreichen mochte. Aber er war eine jener Naturen, auf die die Bezeichnung der „selbstgemachten" Männer im vollen Sinne des Wortes paßte. Die von ihm gegründete Firma V. Manheimer hat einen Weltruf und hat im Laufe der Zeit eine Entwickelung genommen, welche sie zur ersten der ganzen Branche der Damen-Confection gemacht hat. Der Geschäftsbetrieb der Handlung erstreckt sich nach allen Theilen der kultivirten Welt, und das von ihr beschäftigte Personal zählt nach Tausenden. Dieser großartige Aufschwung ist einzig auf die Thatkraft, Umsicht und redliche Geschäftspraxis des Begründers zurückzuführen, welcher sich erst nach seinem siebzigsten Geburtstage von der Geschäftsleitung znrückzog, die jetzt in den Händen seiner drei Söhne liegt. Der Verstorbene hat ein Alter von dreiundsiebzig Jahren erreicht. Während einer Reihe von Jahren war er Mitglied des Aeltesten-Collegiums der Berliner Kaufmannschaft und legte dies Ehrenamt, als er sich von den Geschäften zurückzog, nieder. Noch am Sonntag hatte er in bestem Wohlbefinden und heiterster Stimmung seine zahlreichen An- und Zugehörigen zu einer Familientafel um sich versammelt, und Niemand konnte das schnelle Ende des anscheinend noch so rüstigen Mannes ahnen. Er hinterläßt eine Wittwe, welche in jeder Beziehung die Arbeit seines Lebens mit ihm getheilt hat, und außer den erwähnten drei Söhnen fünf verheirathete Töchter, sowie zahlreiche Enkel. Er war zu allen Zeiten bereit, seine liberale Gesinnung zu bethätigen, und hatte eine stets offene Hand für die Noth seiner Mitmenschen. Dies hat er namentlich bei Gelegenheit

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