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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-21 · Heft 8 (21.2.1889) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 8 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 wir auch von unseren Freiheitskämpfen, unseren Völkerwanderungen und Verfolgungen der grausamsten Art zu singen und zu sagen haben. Das sind die Vortheile, die ich mir von einer jüdischen Jugendbibliothek verspreche, und diese Vortheile verdienen es wohl, daß ein so würdiges Collegium, wie der Verband der deutschen Rabbiner, sich mit der Idee ernstlich befasse und die kleinen Schwierigkeiten nicht scheue, die sich ihnen entgegenstellen könnten. M. Silberstein. Die obigen Bemerkungen werden gewiß gern gelesen werden. Wir hätten nur hinzuzufügen, daß der Herr Vers, sich die Abfassung guter Jugendschriften gar zu leicht denkt und glaubt, daß man nur dieselben zu beabsichtigen brauche, um sie auf dem Papier zu haben. In Wirklichkeit stellt sich dies ganz anders. Eine gute Jugendschrift mit ihrer Einfachheit und Klarheit, mit ihrer tiefen Empfindungsweise und ihrer phantasiereichen Belebung gehört zu den schwierigsten Geistesarbeiten. Die Redaction. Eine jüdische Versammlung in Paris. In Paris beabsichtigte man, bei dem „Stelldichein aller Völker der Erde," bei der Weltausstellung von 1889, auch eine gemeinsame Versammlung aller Juden, wie sie sich zu jener Zeit in Paris befinden werden, zu veranstalten. Man hatte dabei vorzugsweise ins Auge gefaßt, einen allgemeinen Protest gegen den Antisemitismus und gegen die verleumderischen und unbegründeten Anschuldigungen zu erheben. Gewiß hat man hierfür die besten Motive. Einerseits ist eine solche Entgegnung vollständig natürlich und berechtigt. Anderentheils werden jetzt von den Katholiken sehr oft Versammlungen aller Art abgehalten, z. B. daß dem Papste die weltliche Herrschaft zurückgegeben werden müsse, einen Satz, den man wohl damit vergleichen könnte, wenn man das h. Land für den jüdischen Stamm zurück verlangte. Nicht minder versammeln sich zur Berathung ihrer Angelegenheiten die Protestanten als Protestantenverein, Protestantenbund, Gustav-Adolf - Verein, Unions-Verein u. s. w. Demungeachtet erhob die Anglo -.Tewisli Association einen Protest gegen den Vorschlag, indem sie behauptete, es würden sich an solche Versammlungen sofort antisemitische Demonstrationen schließen, deren Tragweite sich nicht übersehen lasse. In Hellen Haufen würden die Antisemiten mit ihren Knüppeln und Todtschlägern herbeieilen, die Versammlung zu stören, die Bcrathungen unmöglich zu machen und die Juden überhaupt von vornherein in eine Position zu drängen, in welcher sie den Geschossen dieser türkischen und boshaften Gegner völlig ausgesetzt seien. Berufe man sich auf die Abwehr, welche die französische Regierung gewähren würde, so könnte doch solche immer nur eintreten, wenn der Tumult vorüber ist, und es sei ein schlechter Trost für einen Verwundeten, daß der Thäter späterhin einige Wochen Gefängniß bekommt. — Man wird dem Argumente der Anglo- Jewish Association eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, und haben wir demselben noch besonders hinzuzufügen, daß bei einer ganz freien Versammlung irgend ein Resultat schwerlich vorauszusehen ist. Wenn z. B. von den 12,000 russischen Jude», die jetzt in Paris sein sollen, oder von den 12,000 jüdischen Arbeitern, die in London sind, nur einige , hundert in die Versammlung kommen, wenn überhaupt jedweder an derselben Theil zu nehmen, zu sprechen und Anträge zu stellen das Recht hat, so wird schwerlich sich ein parlamentarisches Discutiren und Beschließen einstellen. — Allein es heißt doch das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn man darum den ganzen Gedanken aufgeben wollte. Ja, wir meinen, ein solcher Gedanke, ist er einmal gefaßt und ausgesprochen, kann gar nicht wieder aufgegeben werden, ohne der Gesammtheit eine Anklage und einen dauernden Vorwurf zuzuziehen. Es kommt nämlich, wie uns scheint, auf zwei wesentliche Punkte an, zuerst daß man zur Ausführung der ganzen Sache durchaus nicht die Trommel rührt, damit nicht in die Oeffentlichkeit tritt, bevor die Ausführung nicht dicht vor der Thür steht, und daß man der Versammlung von vornherein eine feste Form giebt. Ist es unsere Absicht, nicht etwa hochtönende Reden zu halten, sondern nützliche und greifbare Maßregeln ernsthaft zu berathen und deren Ausführung festzustellen, so würde eine freie Versammlung, wie wir schon bemerkt haben, zu keinem Ziele führen. Es muß vielmehr eine Versammlung von Delegirten sein, und zwar nach einer festen und mäßigen Norm. Wir würden unmaßgeblich Vorschlägen: drei Delegirte aus Frankreich, drei aus Deutschland, drei aus Oesterreich, zwei aus Ungarn, drei aus Italien, drei aus Großbritannien, zwei aus Holland, einer aus Belgien, je einer aus Rumänien, Serbien, Bulgarien und der europäischen Türkei, drei aus Jerusalem, drei aus Rußland, einer aus Dänemark, einer aus Schweden, drei aus Nordamerika, zwei aus Australien. Dies scheint uns genügend, um eine recht respectable Zusammenkunft zu bilden, welcher sehr Ersprießliches entwachsen könnte. — Die nächste Frage wird sein, wer soll die Delegirten wählen? Nach unserer Meinung die Gemeinde der Hauptstadt jedes betreffenden Landes. Ich glaube, mit diesem Wahlmodus kann man zufrieden sein, da aus ihm sicher nur höchst intelligente und für den Gegenstand beeiferte Männer hervorgehen werden. Delegirte, wie sie uns London, Paris, Berlin, Wien, Pest, Rom, Petersburg u. s. w. schicken werden, entsprechen sicherlich den Zwecken der Versammlung vollständig und des Weiteren bedarf es ja nicht. — Da erübrigt sich noch eine Frage, nämlich: würde nicht

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