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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-14 · Heft 7 (14.7.1889) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 7 (14.7.1889)
Date
1889-07-14
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 tung zu Meturgeman, zum ersten Male edirt. Die Monographie ist mit vielem Fleiße und richtiger Würdigung, sowie in klarer Darstellung abgefaßt. Bekanntlich hat man in neuerer Zeit sich kritisch über die von Elia Lcvita ausgegangene Gestaltung der hebräischen Grammatik tadelnd geäußert und findet sie zu sehr der Grammatik der classischen Sprachen angepaßt, wodurch dem Charakter der hebräischen Sprache Gewalt angethan werde. Diese Streitfrage befindet sich jetzt noch im ersten Stadium und hat man weitere Erfolge abzuwarten. Rom, 22. Jan. (Literarische Notiz.) Bei meiner Reise nach dem Orient habe ich auch Rom berührt, um die dortigen Bibliotheken zu besuchen. In der weltberühmten Bibliothek des Baticans habe ich das Vergnügen gehabt, dort einen begabten jungen jüdischen Gelehrten, Herrn Isidore Goldblum, kennen zu lernen, der von Paris von einer Gelehrten-Gesellschaft hierher geschickt worden, um die jüdischen Manuscripte zu studiren. Herr Goldblum arbeitet unermüdlich und es ist ihm bereits gelungen, reichliches Material zu entdecken, um die jüdische Literatur und Wissenschaft zu bereichern. Auch genießt Herr Goldblum große Achtung von allen Seiten. Der Minister Malvano, an den Herr Goldblum von Paris aus empfohlen war, hat ihn bereits mit seinem Gegenbesuch beehrt. Prof. vr. Lorjer. Ieuil Ein Briefwechsel. i. Klara an Paula. Du weißt längst, meine Theure, daß ich Alles, was mich berührt oder bedrängt, Dir anvertraue, alle Empfindungen, die mein Herz bewegen, alle Gedanken, die meinen Geist durchkreuzen. So nimm auch das folgende Bekenntniß mit Deiner gewohnten Freundschaft und Nachsicht auf. — In unsre Stadt, in welcher bis jetzt die Confessionen in Frieden und Eintracht lebten, wo seit vielen Jahren ein Jude Vorsitzender der Stadtverordneten ist, andere unseres Glaubens städtische Ehrenämter bekleiden und fast alle an jedem wohlthätigen und gemeinnützigen Verein thätigen Antheil nehmen, hat sich seit einiger Zeit ein antisemitischer Hetzer eingedrängt, wühlt im Volke, hält Versammlungen und in denselben die heftigsten und aufreizendsten Reden, die Anklang und Beifall finden. Es sind unglaubliche Beleidigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen, die da auf uns und unsere Religion geschleudert werden, und selbst die offenbaren Uebertreibungen jeglicher Art hindern die Menge nicht, sich einen guten Theil derselben zu eigen zu machen, und zwar die gebildeten Klaffen mehr als die unteren. Alle Versuche, diesem schmutzigen, morastigen Strom entgegen zu wirken, sind vergeblich. Man müßte Berge von Papier häufen, um Widerlegungen zu schreiben, die schließlich doch als Parteischrift bei Seite geschoben würden. Unser Lehrer versuchte in einer öffentlichen Versammlung den Hetzrednern zu entgegnen, wurde aber alsbald und zwar unsanft an die Lust gesetzt. Nun gestehe ich Dir, daß ich mich vor diesem brutalen Antisemitismus nicht fürchte, denn, wenn man auch nicht wahrnimmt, daß die Behörden dieser Aufreizung zum Klassenhaß irgend l e t o n. welche Schranken setzen, so muß doch das Gesetz uns vor Ausschreitungen schützen. Allein von ihm und seinem Gifte senkt sich allzuviel in die Gemüther ein und werden alle unsere Beziehungen nach Außen getrübt. Ich fühle dies bereits. Schulfreundinnen, mit welchen ich in lebhaftem Briefwechsel stand, haben darin nachgelassen, so daß ich, empfindlich wie ich bin, ihn fast ganz aufgegeben habe. Damen, mit welchen ich früher in recht freundschaftlichem Verkehr stand, empfangen mich jetzt kalt und frostig, und vor ihren eisigen Blicken mache ich einen Knix und komme nicht wieder. Rechne hinzu, wie wenig Zeitungen und Bücher man jetzt aufschlagen kann, ohne auf Beschimpfungen der Juden zu stoßen, so brauche ich Dir nicht zu sagen, wie sehr mich dies alles schmerzt und aus meiner Ruhe und Sicherheit aufschreckt. Hat mich doch die gütige Vorsehung verzogen, da ich von Jugend auf von Liebe und Achtung umgeben war. Wohin soll ich nun in dieser Calamität meine Zuflucht nehmen? Du wirst sagen, zu Deinem Manne. Der ist aber gleichgiltig gegen alle diese Vorgänge und meint, die gehen doch wieder vorüber, man muß nur ruhig seinen Weg weiter gehen. Er sagt zu mir: Liebes Kind, ich habe im Gewühle des Lebens immerfort zu kämpfen, hier mit schlimmen Concurrenten, die mir das Geschäft zu entreißen suchen, dort mit Fabrikanten, die schlechte Maare liefern, mit Kunden, die wegbleiben, wenn sie bezahlen sollen, vor Allem aber mit der Mode, die mich nöthigt, Maare auf's Lager zu bringen, die bei dem schnellen Wechsel zu nicht geringem Theile liegen bleibt. So muß ich mich zu aller Zeit und nach allen Seiten hin meiner Haut wehren, und da kommt es mir auf ein paar Schurken, j die schimpfen und schmähen und damit sich nur ein dürftiges Brod, eine Stelle oder sonst etwas erschreien wollen, wenig an. Ja, theure Freundin, zu Einem nehme ich meine Zu-

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