Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-14 · Heft 7 (14.7.1889) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 7 (14.7.1889)
Date
1889-07-14
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227771-3227779--45987-3265524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

106 Persay, gegenwärtig Redacteur des „Czeglödi Független Hirlap", wurde wegen des Vergehens der öffentlichen Ehrenbeleidigung zu drei Monaten Gefängniß und zu 100 Gulden Geldstrafe, eventuell zu weiteren 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Der antisemitische Gemeinderath Hamburger in Wien wurde wegen Ehrenbeleidigung des Schuhwaarenfabrikanten Fränkl zu 100 Gulden Geldstrafe verurtheilt. Die gegen dieses Urtheil ergriffene Beschwerde wurde vom Apellsenat des Landgerichts zurückgewiesen. Frankreich. Paris, 5. Febr. (Privatmitth.). Es ist eigentümlich, aber erklärlich, daß mit den Franzosen der Antisemitismus nach Algerien und Tunis und daselbst neuerdings zu einer recht ansehnlichen giftigen Blüthe gebracht worden ist. Ich sage „erklärlich", denn es ist notorisch, daß bei dem bekannten Mangel der Franzosen an Auswanderungslust, es zu einem nicht geringen Theile verkommenes Gesindel ist, das sich nach diesen beiden französischen Colonien Nordafrikas gezogen hat und zieht. Diese Menschen sehen mit Neid und Aerger auf diejenigen, welche durch Fleiß, Mäßigkeit und Sparsamkeit sich etwas erwerben, und meinen nun, daß sie die Juden als wehrlos und ungeschützt am leichtesten mit Plünderung und Mord treffen könnten. Daß sie mit solchen Plänen umgehen, beweisen nicht bloß ihre Zeitungsartikel, sondern auch die rothen Plakate, die sie immer wieder an die Häuser der Juden heften. Die französischen Behörden sehen diesem Treiben ruhig zu. Sie, die gewiß jedes Wort zu Gunsten eines Deutschen verfolgen würden und welche — Thatsachen liegen vor — jeden Deutschen, der in ein Amt berufen wird, aus demselben sofort entfernen, haben nicht die geringste Maßregel für den Schutz der jüdischen Unterthanen, die sich doch so franzosenfreundlich und der französischen Cultur geneigt zeigen. Warten sie etwa, bis wirkliche Exceffe ausgebrochen sind? — 3)ie Arch. isr. theilen eine Correspondenz mit, welche zwischen ihrem Redacteur und dem Präsidenten der Republik Carnot stattgefunden. Als der letztere im vorigen Sommer einige Monate in Fontainebleau weilte und daselbst alle öffentlichen Anstalten besuchte, richtete Herr Isidore Cahen, der ebenfalls sich dort befand, eine Einladung an den Präsidenten, auch die dortige schöne Synagoge am jüdischen Neujahrsfeste zu besuchen, erhielt aber aus dem Cabinet Carnot's eine abschlägige Antwort, weil dieser anderweitig zu sehr beschäftigt sei. Es ist dies von keiner Bedeutung, immerhin aber bezeichnend. In Deutschland und Italien hat man schon oft Gelegenheit gehabt, den Besuch jüdischer Gotteshäuser von Seiten der Fürstlichkeiten zu verzeichnen. — j Schweden. Narrköping, 1. Februar. (Privatmitth.) Wie sehr die Gleichberechtigung in Schweden und dem schwedischen Volke heimisch geworden, wird auch das Folgende erweisen. Bei der im Januar dahier stattgefundenen Wahl eines Präses oder Wortführers der Stadtverordneten wurde der Bankdirector und Ritter des Wasa- und Nordsternordens, sowie neulich zum Commandeur des Wasaordens ernannte Herr John Philipson hierzu gewählt; und da auch der Tuchfabrikant und Ritter des Wasaordens Herr Hermann Wahren zum Wortführer der Fabrikssocietät aufs Neue gewählt worden und diesen Platz seit mehreren Jahren in Ehren bekleidet, so haben diese Mitglieder unserer Synagogengemeinde, welche auch das Vorsteheramt versehen, sich des höchsten Vertrauens und der Ehrenämter der Commune würdig gemacht. Zugleich wird es den Freunden der jüdischen Literatur von Interesse sein, zu erfahren, daß der durch seine vielfachen literarischen Arbeiten bekannte Rabbiner vr. L. Lewysohn in Stockholm den 15. April ds. Js. nDS'y seinen 70. Geburtstag feiert. Derselbe hat sich sowohl durch seine Schriften: die Zoologie des Talmuds, die Opfer des alten Testaments, Epitaphen auf Grabsteinen des israelitischen Friedhofes zu Worms, Sabbath ach Festpredikningar Stockholm 1864, viele Leichenreden, sowie durch vielfache Zeitungsartikel in verschiedenen Zeitschriften einen ehrenwerthen Namen erworben. In Hinsicht seiner Amtsthätigkeit hat derselbe 3 Jahre in Frankfurt a/O., T1,^ Jahre in Worms und 24 Jahre in Stockholm functionirt. 8... I. Großbritannien. London, 23. Jan. Wie die „Jewish World." schreibt, ist in der Einwanderung ausländischer Juden nach England ein Stillstand eingetreten und die Zahl der Juden in London hat in den letzten zwei Jahren sogar abgenommen. Unsere Leser erinnern sich, wie das jüdische Wohlthätigkeitscomito auch in dieser Zeitung wiederholt Warnungen vor der Einwanderung nach London erließ, da die vorhandenen Mittel für den übermäßigen Andrang armer Glaubensgenossen längst nicht mehr ausreichten. Das hat man sich schließlich in Rußland und Rumänien zu Herzen genommen. Das Elend trieb denn auch die Einwanderer aus London nach Amerika, wo die Einwanderung von Juden 1887 an 25,000 Seelen betrug. Die Zahl der Juden in London wird jetzt auf 60,000 angegeben, was ca. V/2 Procent der Bevölkerung Londons ausmacht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.