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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-14 · Heft 7 (14.7.1889) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 7 (14.7.1889)
Date
1889-07-14
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 hervor, welche in der Sitzung des Reichstages vom 4. d. der Abg. Rickert (freisinnig) dem genannten Herrn gegeben hat. Er sagte: „Es ist Ihnen und Anderen gewiß unangenehm, daß die Friedländer, Schottländer, die Cohn und wie sie sonst heißen, in Schlesien jetzt Güter des Adels in die Hände bekommen. Aber wer sagt Ihnen, daß diese Leute ihre Pflichten gegen das Vaterland nicht genau so erfüllen werden wie früher der Adel?" Auch der Abg. Brocmel sprach sich darüber aus: „Durch die Aufhebung der Getreidezölle soll der Antisemitismus gestärkt werden; darin sehe ich noch keinen Grund, auf die Aufhebung der Getreidezölle zu verzichten, und auch unsere jüdischen Mitbürger, so weit sie freisinnig sind, werden dies wohl nicht thun, aber Getreidezölle und Antisemitismus sind einander würdig. Beide sind Rückfälle in eine frühere Culturperiode und können nur durch den Fortschritt zu einer höheren Cultur überwunden werden." Leipzig, 5. Februar. (Privatmitth.) Ich beeile mich, Ihnen die Trauerkunde mitzutheilen, daß unser allverehrter Rabbiner Ihr. 31 M. Goldschmidt am heutigen Tage nach langem Leiden verschieden ist. Sie werden den anerkannten Verdiensten des Verewigten gewiß eine ausführliche Würdigung widmen. Sein Tod erweckt die allgemeinste Theilnahme, besonders in unserer Gemeinde, der er so lange Zeit seine Kraft und seine ganze Liebe gewidmet. Leipzig. Die hier erscheinende „Antisemitische Correspondenz" hat es nun glücklich herausgebracht, daß Herr v. Roggenbach, der badische Staatsmann — jüdischer Abkunft sei; denn laut Auskunft des Karlsruher Hvsarchivs wäre am 23. Mai 1815 der dem mosaischen Glauben angehöcige Hornthal geadelt worden und habe das Wappen der uralten, längst ausgestorbenen Familie von Roggenbach erhalten. (Was antisemitischen Angaben zu glauben ist, ist bekannt. Wäre es aber auch wahr, so würde es weder den Juden noch Herrn von Roggenbach zur Unehre gereichen.) Fordon (Prov. Posen), 3. Febr. Der Bericht der Allg. Ztg. d. I. über die Vorfälle in der Sylvesternacht in hiesiger Stadt bedarf gar sehr der Berichtigung. Von der Berliner Bewegung ist hier nicht viel zu verspüren. Wir leben mit unseren christlichen Mitbürgern in tiefster Eintracht und man sieht sie allabendlich am Kartentisch vereinigt. Das Umstürzen und Zertrümmern der Leichensteine und des eisernen Grabgitters geschah durchaus nicht aus Judenhaß, sondern lediglich aus Trunkenheit und jugendlichem Uebermuth. Die mißhandelte Frau ist eine Christin, die Läden wurden nicht blos bei Juden ausgehoben. Der Schaden beträgt auch nicht 3000, sondern höchstens 300 Mark. Uebrigens hat die saubere Gesellschaft bereits ihr Urtheil empfangen. Der Anführer, ein Schiffer, erhielt 6 Monate Gefängniß, die übrigen jeder einige Wochen. W. Levor, Lehrer. Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. Febr. (Privatmitth.) Der Tod des Kronprinzen Rudolph hat selbstverständlich auch in der jüdischen Bevölkerung die schmerzlichste Theilnahme erregt, und wir können uns noch immer nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß er uns für immer verloren ist. In keinem Staate hängt die Existenz desselben so unmittelbar mit dem Herrscherhause zusammen, wie in Oesterreich-Ungarn, und kann derselbe ohne dieses gar nicht gedacht werden. Die vielen sich heftig bekämpfenden Nationalitäten, aus welchen dieses mächtige Reich besteht, haben ihr einziges Band in unserem Kaiserhause, und doch ist der Bestand dieser Nationalitäten nur durch den österr.-ungar. Staat gesichert. Bricht dieser zusammen, so werden diese Nationalitäten zum Raube der Nachbarn, da keine derselben die ausreichende Kraft besitzt, ihre Selbständigkeit siegreich zu vertheidigen. Und gerade deshalb hatten alle für die Zukunft ihre Hoffnung auf diesen Erben der Krone gesetzt. Denn wenn dieser auch die Deutschen und die Magyaren als die eigentlichen Träger des Staates ansah, so wußte er doch die Rechtsansprüche jeder größeren Nationalität zu würdigen und verlangte, daß denselben entsprochen werde. Dies hat er stets bewiesen und namentlich durch das von ihm angeregte und redigirte Werk: „Die Völker Oesterreichs in Wort und Bild." Ebenso vorurtheilslos war er in confessioneller Beziehung, und es ist durch mehrfache Aeußerungen constatirt, daß er die antisemitischen Hetzereien aufs Nachdrücklichste verurtheilte. Er war den Juden freundlich gesinnt und hat auch mehrere jüdische Männer in wohlwollendster Weise in seinen Verkehr gezogen. Die Trauer um ihn ist allgemein, und man sieht die Zukunft in weniger günstigem Lichte. Doch auch hier Hilst nur die Zuversicht auf die göttliche Vorsehung, deren Rathschlüsse uns Sterblichen immer nur erst später im rechten Lichte erscheinen. Wien, 5. Febr. Der antisemitische Pfarrer Eichhorn in Floridsdorf verweigerte die Abhaltung eines Trauergottesdienstes für den Kronprinzen, „weil ein solcher seinen Principien widerstreite." (Ist der Mann absoluter Herr der Kirche, als deren Diener er bestallt ist?) — Auffallend, aber charakteristisch ist es, daß die hiesigen ultramontanen Blätter, z. B. „das Vaterland", über den Tod des Kronprinzen sich sehr kühl, die antisemitischen sogar in gemeiner Weise äußern. Es soll dies selbst vom Kaiser bemerkt worden sein. Jedenfalls ist dies ein Zeugniß für die vorurtheilslosen Anschauungen des Verstorbenen. Pest, 1. Februar. (Privatmitth.) Der Antisemit Franz

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