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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-14 · Heft 7 (14.7.1889) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 7 (14.7.1889)
Date
1889-07-14
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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99 es ist Dir nicht unbekannt, wo Du diese Veste zu finden hast. Unter allen Gütern der Menschheit ist es doch nur die Religion, der echte und wahrhafte Gottesglauben, die Erkenntniß und Zuversicht auf den Einig-Einzigen, welche nimmer versagt, und zu dieser müssen wir uns flüchten. Ja, auch um das Piedestal dieser ist Streit und Hader. Da handelt es sich jedoch nur um Formen, um überkommene oder sich neu gestaltende. Hierüber heben wir uns hinweg, wenn wir unseren Blick auf die ewige Wahrheit, auf die Lehre richten, die unsre Seele erfüllen, uns begeistern und in unsrem Thun und Lassen leiten soll. Diese sei der lichte Stern unsres Lebens, zu welchem wir aus den Wirren und dem Gewühl der Welt hinaufschauen, unsre Gedanken erhellen und unser Herz mit Liebe erfüllen lassen! Kilder ans dem Leben des Volkes Israel, tz. Die Ehre. In einer Anmerkung zum Leitartikel in Nr. 5 haben wir erwähnt, daß Herder, der doch sonst nach einem unparteiischen Urtheil in der Geschichte strebte und die Verdienste des israelitischen Volkes anzuerkennen geneigt war, sich dahin äußerte, daß dasselbe des Begriffes der Freiheit und Ehre ermangelt habe. Was die Freiheit betrifft, so können wir Herder den Vorwurf der Befangenheit nicht ganz ersparen, denn schon, wenn er das große Werk Michaelis' „Das mosaische Recht", das 1770—1775 erschienen war, studirt hätte, mußte er vom Gegentheil überzeugt worden sein. Seitdem hat das Berständniß der mosaischen Verfassung große Fortschritte gemacht, und es ist dem unbefangenen Beurtheiler kein Zweifel gelassen, daß gerade das israelitische Volk in der Selbstverwaltung, der freien Wahl der Beamten, auch der richterlichen, für jede Ortsgemeinde, der persönlichen Freiheit und der Gleichheit aller Bewohner des Landes, auch der Fremden, jedem Staate des Alterthums, auch dem hellenischen und' dem römischen, weit voranstand. Hat man sich doch seitdem klar gemacht, daß die früher viel gerühmte Frei-! heit der Hellenen nur in den Vorrechten der verhältnißmäßig geringen Zahl eigentlicher Bürger bestand, denen gegenüber die ganze Bevölkerung der Metöken und Periöken rechtlos war; und in Rom hatten viele Jahrhunderte lang die Plebejer den Patriziern die bürgerlichen Rechte, selbst die Verheirathung der beiden Classen unter einander abzuringen. — Was nun die Ehre betrifft, so wollen wir hier eine nähere Untersuchung darüber anstellen. — Die Ehre, in ihrem objectiven und subjectiven Sinne, wenn sie auch naturgemäß in allen Völkern vorhanden ist, tritt doch in gewissen Nationen wie ein nationaler Charakterzug stärker hervor und wirkt auf ihr Leben, ihre Gewohnheiten und Einrichtungen nachdrücklich ein. Als solche zeichnen sich besonders die römische und die deutsche Nation aus, und diese geben, abgesehen von anderen Zeugnissen, durch ihre Sprache das Princip der Ehre als zu ihrem innersten Leben gehörig kund. Im Lateinischen hat das Wort h.onor eine vielseitige Verwendung erfahren, liegt der boii68ta8 zu Grunde und tritt in einer Menge von Wortbildungen auf. Dasselbe ist der Fall im Deutschen mit Ehre, ehrlich, ehrenhaft, ehrwürdig, ehrerbietig rc. Vergleicht man hiermit das Griechische, wo Tif.i'q, TtfKxtö nicht blos Ehre, sondern auch Schätzung des Werthes einer Sache, dann Abschätzung einer Strafe, ja selbst Strafe, Rache bedeutet, so tritt uns der Gegensatz recht lebhaft entgegen. Ein solcher Nationalzug ist die Ehre auch bei den alten Israeliten. Zwar konnte die hebräische Sprache, aus Mangel an Formbildungsfähigkeit, aus tcd keine zahlreichen Nebenformen bilden, wie die oben genannten Sprachen; dagegen zeugt das Wort selbst für die Bedeutung, die man ihm beilegte, und es giebt zugleich wenig Worte, welche in der Schrift, trotz des geringen Umfanges der Bibel, so außerordentlich oft erscheinen. hat den Grundbegriff von Schwere, Gewicht, wie auch das Zeitwort “dd ebenso glänzend, berühmt sein, ehren, verehren bedeutet, wie schwer, gewichtig sein. Hiermit hat die Sprache angebeutet, daß die Ehre ihren Grund in Eigenschaften habe, welche der Person oder Sache ein Gewicht, eine besondere Bedeutung gewähren, womit wiederum der Ehre selbst ein solches Gewicht beigelegt wird. Verfolgen wir nun den Gebrauch, welchen die hebräischen Schriftsteller von diesem Worte machten, so werden wir finden, daß sie damit zweifellos den Werth der Ehre bekundeten, den sie in den Augen des Volkes besaß. Mit dem Worte "12? „Ehre" bezeichnet der Hebräer alles Ausgezeichnete an einer Person oder Sache, seien es Eigenschaften oder Besitzthümer, überhaupt Alles, was bei den Menschen eine hohe Meinung, Achtung und Werthschätzung hervorruft. Welche hohe Bedeutung er dem Worte beilegt, wie außerordentlich er die Ehre schätzt, ersieht man daraus, daß er mit diesem Worte alle Herrlichkeit Gottes,!die Majestät, die Allmacht, die Allweisheit und Allliebe Gottes zusammenfassend bezeichnet. Wir begegnen deshalb dem Ausdruck 'n nun „die Ehre (Herrlichkeit) Gottes" häufig im zweiten, dritten und vierten Buche Mosis, in den Psalmen, bei Jesaias und Ezechiel, welcher letzterer ausruft: „Gepriesen sei die Ehre des Ewigen von jedem Standpunkte aus!" An einigen Stellen heißt es: „die Ehre des Gottes Israels." Diese „Ehre Gottes" offenbart sich in den Werken der Schöpfung, in der Offenbarung (auf dem Berge Sinai), in den Geschicken der Menschen, weshalb auch insonders die Gerechtigkeit Gottes als seine „Ehre" gerühmt wird (Ezechiel 39, 21.). Sonst heißt es auch: „die Ehre seines Namens" (Ps. 29, 2). Darum wird Gott in den Psalmen auch als: 7*

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