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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-07 · Heft 6 (7.2.1889) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 6 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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92 Eröffnung in zwei Jahren stattfinden werde. Als Caution hat er 100,000 Mark eingezahlt. Die Kosten sollen durch Actien gedeckt werden und man besorgt nicht, daß diese keine Abnehmer finden möchten. — Einige Gemeinden der Türkei wollen auf Anstiften des Rabbiners der portugiesischen Gemeinde in London, Dr. Gaster, einige junge Leute nach London senden, um am Rabbinerseminar zu Ramsgate ihre rabbinische Bildung zu erhalten, mit der Bedingung, nach Beendigung ihrer Studien Rabbinate in ihrem Baterlande anzunehmen. Amerika. Chicago, im Januar. (Privatmitth.) Es liegt uns der 29. Jahresbericht der „Vereinigten Unterstützungsgesellschaft von Chicago" vor. Eine ganze Reihe von Wohlthätigkeitsvereinen, namentlich von Frauen.Vereinen, ist in der genannten Gesellschaft vereinigt, ganz besonders um ein wohlorganisirtes Hospital zu erhalten. Man versteht es hier, das Unterstützungswesen recht praktisch zu organisiren. So ist z. B. die große Stadt in vier Quartiere getheilt, und jedes dieser Quartiere hat seinen besonderen Frauenverein, dessen Spitze, abgesehen von der eigenen Uebung der Wohlthätigkeit, in der vereinigten Gesellschaft endet. Es handelt sich hier um eine jährliche Bilanz von circa 30,000 Dollars (125,000 Mk.) Der Bericht bringt zuerst den einleitenden Rapport des Executiv-Comrnite's. In demselben werden mit vieler Einsicht allgemeine Fragen erörtert, über die Ausgleichung der theoretischen und der praktischen Wohlthätgkeit und die Verwirklichung allgemeiner Grundsätze, so wie über den Werth und die Begründung, die Wohlthätigkeit an die Confession zu knüpfen. Die Rede ist sehr lobenswert!) und zeugt von der Unbefangenheit und dem praktischen Sinn unserer dortigen Glaubensgenossen. Das letztere Moment wird um so mehr geschätzt, als einerseits die Einrichtung, am Vorabend des Versöhnungstages eine Geldsammlung anzustellen, sich vom besten Erfolge erwiesen hat, andererseits das Hospital der Gesellschaft für die Bekenner aller Religionen geöffnet ist. So waren im verflossenen Jahre von 492 im Hospital behandelten Kranken 249 Juden, 118 Protestanten, 91 Katholiken und 34 Confessionslose. Ein besseres Zeugniß von dem humanen Charakter der Gesellschaft kann es wohl nicht geben. Das Hospital besitzt sogar eine eigene Bibliothek, um den Kranken und besonders den Reconvaleseenten eine angemessene Lectüre zu bieten, freilich keine Tractätlein, wie dies in anderen Anstalten der Fall ist. Auch ein Stellenanweisungsbureau ist mit der Gesellschaft verbunden, das vielen Arbeit Suchenden eine lohnende Beschäftigung, namentlich auch außerhalb der Stadt, verschaffte. Daß die Wohlthätigkeit der Gesellschaft bis zu 95 Procent Einwanderer aus anderen Ländern, namentlich polnischer und russischer Nationalität betraf, läßt sich voraussetzen. Hierin machte sich gerade die Glaubensgenossenschaft aufs Wirksamste geltend. Wer hätte sich sonst dieser Unglücklichen angenommen, wenn nicht die Religions- und Stammesgemeinschaft? Um so mehr ist es zu bedauern, daß der Vorstand doch zu erkennen geben mußte, wie es nicht gerade der größere Theil der dortigen Juden ist, der für die Gesellschaft thatkräftig eintritt. Möge dieser Umstand zu immer geringerer Klage Anlaß geben! Berichte, wie der vorliegende, müssen sicherlich hierfür wirken. — Ich kann Ihnen zum Tröste mittheilen, daß die auch von Ihnen besprochene Bill, die Verhinderung der Einwanderung betreffend, keine Aussicht hat, zum Gesetz erhoben zu werden. So unpraktisch und inhuman zugleich ist das nordamerikanische Volk nicht! Bonn, 3. Februar. (Notizen.) Anfangs December vor. Jahres verschied in Florenz der Oberrabbiner dieser Stadt D. I. Maroni, 80 Jahre alt. Er war früher Rabbiner in einigen kleinen Gemeinden Toscana's, bis er in der Zeit, wo Florenz vorübergehend die Hauptstadt Italiens war, dahin berufen wurde. Streng orthodox, war er doch höchst duldsam und wußte durch seinen Charakter und seine rabbinische Gelehrsanlkeit die Liebe und Achtung aller Mitglieder der Gemeinde zu gewinnen. Vor einigen Jahren erschien von ihm eine italienische Uebersetzung des More Nebuchim. — Paris, im Januar. (Nach der Arch. isr.) In der Sitzung am 4. dieses der Academie der Inschriften und schönen Wissenschaften reichte H. Joseph Derenbourg im Namen des Verfassers, des Herrn Jsaae Bloch, Großrabbinen von Algier, eine Arbeit über die Grabinschriften der alten Friedhöfe in Algier ein. Es sind mehr oder weniger lange Elegien von sehr mäßigem Stile, die nicht über das 17. Jahrhundert hinausgehen. Der interessanteste Theil des Werkes ist der Geschichte der größten jüdischen Friedhöfe der Stadt Algier gewidmet. Die ersten Mitglieder der jüdischen algerischen Gemeinde sind weder Auswanderer aus Majorka aus dem Jahre 1287, noch diejenigen, welche nach der Vertreibung der Juden aus Spanien in Algier landeten. Seit langer Zeit wurden diese Juden Baale Hakkipuz (Träger von Barrets) genannt, während die Juden, die schon früher in dem Lande wohnten, sich Baale Hamiznefet (Träger von Turbanen) nannten. Die wichtigste Gemeinde der Provinz war sicher die von Tlemcen; vielleicht war sie die Mutter der algerischen Judenschaft. Seit dem zehnten Jahrhundert der christlichen Aera findet man Juden, die durch ihre Gelehrsamkeit berühmt waren, in Kairuan, in Tunesien, in Fez, in Marokko; man darf hieraus schließen, daß Algier, zwischen diesen beiden Ländern gelegen, zu derselben Zeit diese jüdi-

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