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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-07 · Heft 6 (7.2.1889) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 6 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 also zur gebräuchlichen Teminologie zurück. Einen meritorischen Unterschied begründet sie natürlich nicht. Als Berichterstatter über das Gesetz wird Kämmerer Ritter v. Gniewoß-Olexow fungiren, Abgeordneter der Sanokec Landgemeinden. Ritter v. Gniewoß ist Ministerialrath im Ruhestande. Er hat eine lange ehrenvolle Beamtencarriöre hinter sich. Im Theresianum erzogen, repräsentirte er alt-österrciche Traditionen in liberalem Sinne, was ihn mit den conservativen Fraktionen seines Heimathlandes manchmal in Widerspruch gebracht hat. Herr v. Gniewoß gilt neben den Herren Lewakenski und Szepanowski für den am meisten den Linken zuneigenden Abgeordneten Galiziens. Die Discussion des „Judengesetzes" soll angeblich eine große Neberraschung bringen. Da in den Parlamentarischen Couloirs davon gesprochen wird, so will auch ich davon Akt nehmen, ohne im Entferntesten für die Richtigkeit der Meldung einstehen zu können oder zu wollen. Während man nämlich annehmen zu dürfen glaubte, daß die Antisemitengruppe der Linken aus Anlaß des Gesetzes die Judensrage, die damit sozusagen auf die Tagesordnung gesetzt wird, zur Discussion bringen werde und in parlamentarischen Kreisen große Reden der Abgeordneten Vergant und Fiegl signalisirt wurden, verlautet jetzt, daß es ganz anders kommen werde. Die Antisemitengruppe wird, so heißt es, eine Erklärung des Inhaltes abgeben, daß das Gesetz, da es nur die Regelung der specifische» Verhältnisse der Israeliten betrifft, sie nicht interessire, und daß sie sich daher von der Debatte und Abstimmung enthalten werde. Reluta ret'ero. Unmöglich klingt die Sache nicht, einstehen aber kann ich nicht für die Meldung. Vielleicht ist es nicht überflüssig zu bemerken, daß daß „Judcngesetz" im Herrenhause bereits zustimniend erledigt ist. Wien, 23. Jan. (Privatmitth.) Der antisemitische Agitator und Herausgeber eines Winkelblättchens, Josef Seidel, wurde in München verhaftet. Derselbe hat hier mehrfache Schwindeleien verübt, einen Statthalter-Erlaß gefälscht und mehrere tausend Gulden unterschlagen. Pest, 24. Januar. (Privatmitth.) Mehrere rigorose Vorschriften, welche die hiesige israel. Gemeinde hinsichtlich des Koscherfleisches getroffen hat, haben eine tiefgehende Mißstimmung unter den hiesigen jüdischen Fleischhauern heraufbeschworen. In Folge dessen faßten die Fleischhauer die Idee, eine neue Cultusgemeinde, und zwar eine sogenannte 8tutus-guo-Gemeinde zu gründen. Dem Entschlüsse folgte bald die That. Die Fleischhauergemeinde hat gestern die constituirende Generalversammlung abgehalten. Ueber 200 Fleischhauer und Viehhändlern traten zu diesem Zwecke zusammen. Ihr Präsident, ein Arzt, Namens vr. Philipp Huber, erklärte ohne Weiteres die neue Gemeinde für gegründ et. Auf eine Einsprache des Herrn M. Szobolcsi's, des Redakteurs des „Egyenlöseg", hielten sich 40 der Anwesenden zurück; die übrigen 160 unterschrieben sich als Mitglieder. Ob das Cultusministerium die Bewilligung zur Constistuirung dieser „Fleischhauer-Gemeinde" geben wird, ist sehr fraglich. — In Nagy-Koßtlänh mußte der schon mehrere Jahre daselbst wirkende jüdische Gemeindelehrer R. einen Schüler nach Hause schicken, weil dieser schon zu wiederholten Malen ohne Lehrmittel in die Schule kam. Der Vater, der in der Nachbarschaft der Schule wohnt, gerieth darüber so sehr in Wuth, daß er im Schullokale den berufseifrigcn Lehrer in Gegenwart der Kinder thätlich insultirte! Der thatkräftige königl. Schul-Jnspektor des Neutraer Comitats, königl. Rath Herr von Libertiny, an den der gekränkte Lehrer sich um Hilfe wandte, trat die Sache an den Ober-Stuhlrichter von Galgäcz ab, mit der amtlichen Aufforderung, gegen den rabiaten Mann die volle Strenge des Gesetzes anzuwenden. — In Neuhäusel verstarb am 19. d. M. der Lehrer an der dortigen israel. Gemeindeschule Herr Samuel Fürth im Alter von 41 Jahren. Er >var Jahre hindurch Schriftführer des Lehrervereins des Neutraer Comitats und auch in pädagogischen Zeitschriften schriftstellerisch thätig. Auf der Landes-Ausstellung im Jahre 1885 hatte er eine sehr zweckmäßig construirte, von ihm erfundene Rechenmaschine ausgestellt, die in Fachkreisen Beifall erregte. Pest, 30. Januar. Um die hiesigen Antisemitenpartei zu kennzeichnen, dient auch, daß sie korporativ an Boulanger in Paris einen Glückwunsch gerichtet hat. Wahrscheinlich hält sie diesen für einen ihres Gleichen. Die „äußerste Linke" weigerte sich, dasselbe zu thun, nur ein gewisser Pazmandy entschloß sich dazu. Solcher Anmaßung sind auch nur Antisemiten fähig. Rußland. Petersburg, 25. Januar. Die russische Regierung soll einer Anzahl Juden, welche in der persischen Provinz Khorasan zur Bekennung des Islam gezwungen und dann geflohen waren, ein Asyl in Merw angeboten haben, wo denselben erlaubt werden soll, zur jüdischen Religion zurückzukehren. (Unserer Zeit bleibt nichts erspart, und sie hat Proben von Allem zu erleiden, was in früheren Jahrhunderten geschah: Ausweisung, Auswanderung mit Verhinderung der Einwanderung, Enuszim und Marannen!) Türkei. Constantinopel, im Januar. Ein Herr Isaak Rabon hat vom Sultan durch einen besonderen Firman die Autorisation erhalten, die Eisenbahn von Japha nach Jerusalem, von welcher schon solange dieRede war, herzustellen. Er denkt, daß die 6*

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