Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1889)
- Date
- 1889-02-07
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
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90 stalt, die unserem Badeorte zur Zierde gereicht, als ein überaus günstiges und zeigt nach jeder Richtung das Bild einer gesunden, stetig fortschreitenden Entwickelung. Die Einnahmen betrugen 13,952 M. 29 Pf. und haben eine Höhe erreicht, wie noch in keinem der Vorjahre, obschon die Anstalt keine anderen Erwerbsquellen hat, als die öffentliche Wohlthätigkeit und den Zinsengenuß von einem kleinen Grundcapital. Die Ausgaben schließen mit 8272 M. 16 Pf. Der Ueberschuß betrug daher 5680 M. 13 Pf, wovon 5000 M. dein Grundvermögen zugeführt und 600 M. für Bauzwecke bcreitgestellt wurden; 80 M. 13 Pf. bleibe» am Schluffe des Jahres als Cassenbestand. Die Mitgliederliste zählt 582 Personen mit einer Beitragspflicht von 5171 Mark und hat sich im Laufe des Jahres um 74 Mitglieder und um die Beitragspflicht von fast 900 M. vermehrt. Unter den einmaligen Beiträgen wird eine stattliche Reihe von namhaften Schenkungen hervorgehoben, darunter die Herren Jacob Lippmann-Aachcn, Ludwig Matthias-Cöln a./Rh., A. I. Hepner-Schrimm und Ferdin. Reichenhein-Berlin, welche durch Einzahlung von je 300 M. an die Anstaltscasse das Recht der „immerwährenden Mitgliedschaft" erworben haben. Die Anstalt zählt z. Z. bereits 8 „immerwährende Mitglieder" und 3 Stiftungen mit 6 Betten. Das Grundvermögen weist nach ein schuldfreies Grundstück im Werth von 43,809 Mark., ein Inventar im Werth von 7922 M. und ein Grundcapital in Höhe von 34,400 M., also immerhin den im Verhältnisse zur kurzen Zeit des Bestehens der Anstalt stattlichen Besitz von mehr als 86,000 M.; das Grundcapi-! tat ist im Laufe des letzten Jahres um rund 5000 M. gewachsen. Hierzu kommt noch das Legat des am 24. Mai ds. I. in Wiesbaden verstorbenen Rentners Herrn Avolf Schwerin in Höhe von 500 M., das derselbe neben zahlreichen anderen bedeutenden Legaten für andere humanitäre Zwecke dem Curhospital vermacht hat. Dieses Legat wurde jedoch der Anstalt ausgezahlt, nachdem der Cassenschluß pro 1888 bereits erfolgt war, und mußte daher auf die Einnahmen des künftigen Jahres gebucht werden. Aus deni Verwaltungs- und Krankenbericht heben wir hervor, daß die Anstalt vom 1. Juni bis zum 30. September an 3531 Verpflegungstagen 114 armen, aber würdigen, einer Sool- und Scebadecur bedürftigen Personen ganz unentgeltlich Obdach und Verpflegung, ärztliche Behandlung, Arzeneieu und Bäder gewährt hat. Von den Patienten der Anstalt waren 40 männlichen, 74 weiblichen Geschlechts; 47 derselben waren skrophulose, schwächliche oder in der Entwickelung zurückgebliebene Kinder, die von Krankenhäusern, Schulen, Waisen-Erziehungsanstalten und Comilös für Feriencolonien u. a. m. der Anstalt überwiesen waren. In der Badeanstalt des Hospitals wurden 2121 Soolbüder unentgeltlich abgegeben; in den städtischen Badeanstalten haben die Pfleglinge des Hauses 745 Seebäder genommen, wozu von den städtischen Behörden die nöthige Anzahl von Freikarten der Verwaltung in liberalster Weise zur Verfügung gestellt wurden. Nach der von dem dirigirenden Arzt der Anstalt Herrn Or. Weißenberg zusammengestellten tabellarischen Uebersicht sind die mannigfaltigsten, zum Theil sogar recht schwere Krankheitsformen, als allgemeine Muskelschwäche, nervöse Leiden allgemeiner und localer Natur, Blutleere, Skrophulosis, Unterleibs leiden, Schwellungen, Catarrhe, Lungen- und Herzleiden, Rheumatismus u. a. in. zur ärztlichen Behandlung gelangt und mit den glücklichsten Erfolgen curirt worden; denn es konnten von den 114 Patienten 69 als völlig geheilt, 43 als gebessert entlassen werden, während nur 2 Patienten die Anstalt ohne Erfolg verlassen haben. Wahrlich stannenswerthe Erfolge, die auch durch die im Berichte näher nachgewiesene Gewichtszunahme der Patienten sichtlich in Erscheinung tritt. Der Krankenbericht begründet diese großartigen Erfolge mit Recht einerseits durch die sehr kräftigen Soolbäder unseres glücklichen Heilbades, deren Heilwirkung aufs wohlthätigste unterstützt wird durch die zumeist folgenden kalten Seebäder, durch dauernden Aufenthalt in der frischen Seeluft am Strande, oder bei schlechtem Wetter in geschütztem Garten, wo auch durch geeignete Vorkehrungen Gelegenheit zu gymnastischen Uebungen geboten ist; andererseits aber durch die gute, rationelle Verpflegung, durch die reichliche und zugleich kräftige Kost, bei welcher je nach ärzlicher Verordnung auch Wein, Milch, Bier, Eier, oder andere Stärkungsmittel reichlich zur Verwendung kommen. Ganz besonders sichtbar aber zeigte sich der Segen der Anstalt an den Kindern, die blaß und abgezehrt in die Anstalt eingetreten sind und sie munter, frisch und wohlgenährt wieder verlassen haben. Einige besonders bemerkenswerth glückliche Euren werden noch besonders hervorgehoben. Die Pfleglinge der Anstalt gehörten im verflossenen Jahre folgenden Ländern bez. Provinzen an: Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Schwerin, Pommern, Posen, Schlesien und Westpreußen. Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. Januar. Das Abgeordnetenhaus wird am 30. d. M. wieder zusmnmentreten. Die ersten Sitzungen werden mit allerlei Quisquilien ausgefüllt werden, dann kommt aber bald ein nicht uninteressantes Gesetz an die Reihe, nämlich jenes über die „äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religivnsgeuossenschaft." Das Wort „jüdisch", das in der Regierungsvorlage enthalten war, ist im Ausschüsse gestrichen worden. Seit den Zeiten des Kaisers Franz wurde in der Regel (keineswegs immer) für die Bekenner der jüdischen Religion als amtliche Bezeichnung das Wort „Israeliten" gebraucht, seit 1818 fast immer. Man kehrt