Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1889)
- Date
- 1889-02-07
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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89 servativen, 6 der liberalen und 2 der sog. mittleren Richtung angehörenden Mitgliedern. Der Vorstand bestand in den letzten 3 Jahren aus 3 liberalen und 2 conservativen Mitgliedern, während die beiden Stellvertreter gleichfalls der freisinnigen Partei angehörten, eine Stellvertreterstelle war unbesetzt. Hervorgehoben muß hierbei werden, daß der Vorstand stets in höchst anerkennenswerther Weise den Wünschen der conservativen Partei nach jeder Richtung hin Rechnung getragen hat, so daß letztere alle Ursache zur vollsten Zufriedenheit mit der Gemeinde-Verwaltung hatte. EineThatsache war es jedoch, die ihre Unzufriedenheit erregte: Wir haben hier 15 oder 16 jüdische Fleischer, welche alle bis auf einen — es ist dies derselbe, der vor etwa 10 Jahren den Dr. Feilchenfeld wegen einer bezügl. Veröffentlichung vor Gericht citirt hat — unter Rabbinatsaufsicht stehen. Die Schechitah-Commission, die wie alle anderen Commissionen aus Mitgliedern beider Verwaltungsbehörden besteht, hat nun vor einiger Zeit beschlossen, dem Vorstande zu empfehlen, in den hiesigen Zeitungen, in gleicher Weise wie dies der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin von Zeit zu Zeit thut, diejenigen Fleischer, die unter Aufsicht des Rabbinats stehen, namhaft zu machen, was der Vorstand jedoch mit Rücksicht darauf, daß der Gegenstand der qu. Veröffentlichung ja doch hier allgemein bekannt ist, abgelehnt hat, und darum der so rege Eifer bei der Wahl der Repräsentanten. Bei der gestrigen Ergänzungswahl des Vorstandes sind nur die ausscheidenden Mitglieder sämmtlich wiedergewählt worden; außerdem wurde der der freiconservativen Richtung huldigende Dr. A. Rahm er als erster Stellvertreter neu gewählt. Hiermit bleibt der Frieden, der seit mehreren Jahren in unserer Gemeinde geherrscht hat, in den letzten Tagen aber stark bedroht schien, wieder erhalten. — Wie Ihre geschätzte Zeitung seiner Zeit berichtete, hat Herr Moritz Rohr in Breslau zur Errichtung eines jüdischen Lehrerseminars an hiesigem Orte den Betrag von etlichen hunderttausend Mark bewilligt. Zu der qu. Errichtung ist jedoch die ministerielle Genehmigung nunmehr versagt worden, da ein Bedürfniß hierher nicht anerkannt wurde. 8. (Diese Weigerung frappirt uns sehr, und würden wir uns verpflichtet fühlen, wenn uns der Wortlaut des Ministerialerlasses mitgetheilt würde. Wir sind der Meinung, daß, wenn die Gemeinden der Provinz Posen eine gemeinsame Petition um Genehmigung für die Errichtung des Seminars an das Ministerium richteten, wodurch schon wie von selbst das Bedürfniß erwiesen würde, die Genehmigung erfolgen werde, da ja eben jetzt so viele katholische Seminare wieder eröffnet werden. Redaction.) Breslau, 28. Jan. (Privatmitth.) Zur 35. Gedächtnißfeier seines Stifters, des Commerzienrathes Jonas Frän ckel, hat das jüdisch-theologische Seminar seinen Jahresbericht ausgegeben. Die Zahl sejner Schüler, die sämmtlich Studirende der hiesigen Universität sind, oder ihre academischen Studien bereits beendet haben, beträgt jetzt 51. Im letzten Jahre sind 10 eingetreten, unter diesen nur zwei aus Deutschland, die anderen aus Böhmen, Ungarn und Galizien, einer aus Lothringen. Vier Candidaten werden, nachdem sie die theologisch-wissenschaftliche und die talmudischrabbinische Prüfung vorschriftsmäßig bestanden haben,, entlassen werden. Im Anfang des Vorjahres wurde Dr. Freudenthal, seit 1864 Lehrer am Seminar, ordentlicher Prof, an der Breslauer Universität und schied zu Ostern aus dem Lehrercollegium des Seminars. Die erledigten Lehrstunden wurden Dr. David Rosin und dem Rabbiner Dr. M. Joel, der vor dem Antritt seines Rabbinats lange Zeit am Seminar docirt hatte, übertragen. Zu Stipendien für die Seminaristen sind von recht vielen Seiten Beiträge eingelaufen. Die Verhältnisse des Seminars sind also durchaus günstig und ein Mangel an Rabbinern ist für die nächste Zukunft nicht zu befürchten. Dem Jahresbericht geht voran: „Ein Wort über die „Mechilta des R. Simon" von Dr. I. Lewy. Dessau, 26. Januar. Man schreibt der „Franks. Ztg.": Für das Denkmal Moses Mendelssohns sind im Ganzen vier Entwürfe eingegangen. Von der Jury (Generaldirektor der königl. Museen in Berlin, Schöne und Prof. Fr. Schaper) ist der Eentwurf des Bildhauers Janensch zur Ausführung empfohlen; dem Entwurf des Bildhauers Hoffmeister ist besondere Anerkennung zugesprochen. Vom Herzog von Anhalt ist der Platz vor dem Bahnhofsgebäude für Aufstellung des Denkmals bestimmt worden. (Die anfängliche Bestimmung war der Marktplatz in Dessau. Die Aufstellung vor dem Bahnhofsgebäude giebt dem Denkmal eine noch größere Zugänglichkeit.) Oppeln, 29. Jan. Der Rabbiner Dr. Wiener hier ist von der Anklage der Majestätsbeleidigung freigesprochen und die Beschlagnahme der Broschüre aufgehoben worden. — Man berichtet von Oppeln vom 30. d.: Gestern fand vor dem Landgericht in Oppeln die Verhandlung gegen den dortigen Rabbiner Dr. Wiener statt, welcher wegen Majestätsbeleidigung angeklagt war, weil er die Nachricht, Kaiser Wilhelm II. habe an Herrn v. Treitschke ein Danktelegramm für dessen Aufsatz „Zwei Kaiser" gesandt, mit Rücksicht auf die auch in dieser Arbeit Treitschke's bekundete antisemitische Gesinnung als eine absurde Erfindung bezeichnet hatte. Der im 78. Lebensjahre stehende Angeklagte wurde freigesprochen. Colberg, 19. Jan. Mit dem Beginn des neuen Jahres hat die Verwaltung des hiesigen jüdischen Curhospitals ihren fünfzehnten Jahresbericht pro 88 der Oeffentlichkeit unterbreitet. Das abgelaufene Verwaltungsjahr schließt für diese junge, aber nur mächtiger aufblühende Hnmcmitätsan- 6