Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1889)
- Date
- 1889-02-07
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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87 die Jnjurienklage erhoben hatte, er vor dem anberaumten Termine — durch jene Beweisführung genöthigt — die Klage zurückgenommen hat — alles dies ignorirl das „Lux. W." und beruft sich frisch weg auf Rohling. Weniger werfen wir ihm vor, daß es Drumont und Touffenel als seine Gewährsmänner anerkennt; denn ein Antisemit wird sich natürlich unter die Fahne dieser boshaften Antisemiten stellen. Man kann deshalb im Voraus wissen, was das „Lux. W." aus diesen Quellen schöpft. Im ersten Artikel bezichtigt der Skribent die Juden, nach dem Besitz der Weltherrschaft zu streben. Er beruft sich hier auf ein Citat von der Alliance isr. univ. und der Archives 181'., die „frei und frank erklären: wir sind eine höhere Race, die Welt ist unser, wir müssen die Herren der Welt werden." Daß dies ein erfundenes, nirgends aufzufindendes Citat ist, daß die Alliance und die Archives eine so dumme und lächerliche Behauptung niemals ausgesprochen, also die ganze Behauptung von der „Weltherrschaft der Juden" und deren Streben nach ihr eine böswillige Erfindung ist, brauchen wir kaum hinzuzufügen. Der Schreiber jener Artikel hat den Talmud niemals gesehen; man sieht das schon aus dem Ausdruck, den er gebraucht, der Talmud sei das „Religionshandbuch" der Juden. Dennoch erfrecht er sich, aus dem Talmud Stellen zu citiren, welche in ihrem Wortlaut wie in ihrem Inhalt durchaus erdichtet und mit schrankenloser Bosheit zusammengeschmiedet sind, natürlich aus Rohlings „Talmudjuden", auf den in Deutschland und Oesterreich sich wohl Niemand mehr beruft, dessen Entlarvung aber das „Lux. W." noch nicht nach Luxemburg gedrungen glaubte. Die Folgerungen, die der Skribent daraus zieht, sind selbstverständlich für die Juden die schmählichsten Anschuldigungen, welche nun im Zweiten Artikel durch eine Reihe von Behauptungen unterstützt werden sollen. Man trifft hier Alles, was seir Jahren die Antisemiten zusammengebraut haben und was in anderen Ländern bereits dem Publikum zum Ueberdruß geworden. „Die Juden sind die Könige der Welt," denn sie sind in allen Ländern die Hauptrevolutio- [ näre, die Anstifter aller Revolutionen! Zu allen Zeiten wur- } beit die Juden als die friedfertigsten, den Gesetzen, so schwer sie auch oft auf sie drückten, gehorsamsten Unterthanen in allen Staaten betrachtet, und jetzt sollen sie die Revolutionen bewirkt haben, die seit einem Jahrhundert Europa erschüttern. Daß eine solche Fabel in unserer Zeit erfunden und immer wiederholt werden konnte, gereicht der Einsicht des gegenwärtigen Geschlechtes nicht zur Ehre. Freilich, der Luxemburger führt auch Lasker als einen Hauptrevolutionär an. Die giftigste Behauptung, die das ultramontane Blatt seinen Lesern einflößen will, ist, daß die Juden die Anstifter und Hauptschreier des Culturkampfes gewesen, daß sie überhaupt die bittersten Feinde der katholischen Kirche seien, dieselbe überall zu untergraben suchen. Beweise weiß es für solche, bei vielen Katholiken einen tiefen Eindruck machenden Lügen nicht zu erbringen. Wahrhaftig, wir Juden sind so froh wenn man uns in Ruhe läßt, daß wir solche feindselige Absichten, die doch nur zu unserem eigenen Verderben ausschlagen könnten, gewiß nicht hegen. Daß sich hieran Phrasen, wie, daß die Juden die Könige des Capitals und die Beherrscher der Presse sind, daß sie bereits in allen Ländern, in Frankreich, Deutschland und Oesterreich die Großgrundbesitzer seien und dergleichen mehr, schließen, läßt sich voraussetzen. Glücklicherweise gestattet sich der Skribbler die größten Uebertreibungen, die doch nur auf sehr beschränkte Leser rechnen konnten. So läßt er z. B. alle englischen Blätter mit geringer Ausnahme in den Händen von Juden sein! Und wie würden sich die preußischen Großgrundbesitzer und die mächtigen aristokratischen Herren in Oesterreich und Ungarn wundern, wenn sie erführen, daß man sie in Luxemburg als Juden ausgiebt. Genug, es ist eine giftige Saat, ans welcher inlmerhin Schößlinge des Hasses und der Zwietracht aufsprießen, und wir können nur abwarten, wie die dortige Staatsanwaltschaft und die Gerichtshöfe solche Säemänner und ihre verderbliche Thätigkeit betrachten. ^\\<XC jl 1'Xc^CWAu Deutschland. Berlin, 27. Januar. Der Abg. Windthorst hat, unterstützt vom Centrum, im Reichstage einen Antrag eittgebracht, welcher die Gewährleistung der Gewissensfreiheit und religiösen Duldung in den deutschen Schutzgebieten zum Gegenstände hat. Der einzige Paragraph des Antrages lautet: Hinter § 10 des Gesetzes vom 17. April 1886, betreffend die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete, ist folgender Paragraph einzufügen: § 10a. Die Bestimmung des Artikel 6 Absatz 3 der Generalakte der Berliner Conferenz vom 26. Febr. 1885 (Reichs-Gesetzbl. S. 215), welche lautet: „Gewissensfreiheit und religiöse Duldung werden sowohl den Eingeborenen.wie den Landesangehö-