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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-07 · Heft 6 (7.2.1889) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 6 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 nach ihren verschiedenen Altersstufen entsprechen und nach Inhalt und Form bildend wirken. Eine jüdische Schülerbibliothek sollte also vor allen Dingen Bücher enthalten, die für das jugendliche Alter jüdische Sagen uno Erzählungen bieten, für die reifere Jugend aber ihren Stoff nehmen aus der Geschichte unseres Volkes, religiöse Einrichtungen und Gebräuche früherer und jetziger Zeit erläutern, das Verständniß der heiligen Schrift fördern, überhaupt die Jugend mit religiösem Sinn und mit Achtung vor ihrer Religion, mit Begeisterung für die großen Männer aus der Geschichte ihres Volkes erfüllen können. Es ist eine recht sorgsame Auswahl um so uothwendiger, als solche Bibliotheken doch gewiß auch für die reifere Jugend, die höhere Schulen besucht, bestimmt sein sollen, ja für diese wohl in erster Linie, weil sie verhältnißmäßig viel weniger in Religion unterwiesen wird, als die Elementarschüler und in falschem Dünkel oft verächtlich auf die Religionsstunden herabblickt. Wenn ich nun bedenke, welche außerordentliche Sorgfalt gerade in den letzten Jahrzehnten auf die Auswahl von Büchern für Schülerbibliotheken verwandt worden ist, wie oft diese Frage die Behörden, Directoren-Conferenzen und Lehrerkreise beschäftigt hat, und wie schon seit geraumer Zeit mit Verbannung der seichten bloßen Unterhaltungslectüre ein „Kanon" aufgestellt worden ist (vgl. den schon in 3. Auflage erschienenen Katalog für Schülerbibliothek von Ellen dt), so verdient die Frage nach Einrichtung jüdischer Schülerbibliotheken schon um deswillen eine um so eingehendere Berathung, als darauf gesehen werden muß, daß das, was den Schülern von ihnen geboteu wird, weder an Gehalt noch in der Form sehr von dem absticht, was die öffentliche Schule ihnen bietet. Sonst erreicht man nur das, was gar zu oft vorkommt, daß nämlich die Knaben auf das Jüdische als auf etwas weit unter ihrer Bildung Stehendes herabsehen, als ernster Beschäftigung unwürdig erachten. Darauf scheint mir in den Vorschlägen des Herrn Pr. Münz zu wenig Rücksicht genommen zu sein. Ich vermisse in ihnen zu viel das Gediegene, das durch Inhalt und Form von selbst wirkt, auch auf spottlustige Personen, finde dagegen schales, das offenbar nur des darin behandelten jüdischen Gegenstandes wegen gewählt ist. S. Kohn's „neue Ghettobilder" z. B. ist unstreitig eins der geschmacklosesten Bücher, ohne den geringsten Nutzen für irgend wen; es ist unbedingt zu streichen. Leider kenne ich die einschlägige Literatur zu wenig, um mit Bestimmtheit ein Gleiches von anderen hier aufgeführten Büchern zu verlangen. Jedenfalls aber ist unverständlich, warum so wenig an sich Lehrhaftes ausgenommen worden ist. Warum steht da z. B. einzig und allein Bäck's Geschichte des jüdischen Volkes und nicht auch Hecht- Kayserling, oder Herzfeld's einbändiges Werk, oder etwa der eine oder andere Band von Grätz, den doch ein Sekundaner immerhin mit Interesse schon lesen wird. Gewiß durften nicht fehlen Bücher, wie Ihre „israelitische Religionslehre" (in einem Bande bei Hölder erschienen), oder Munk's Palästina, oder Leeder's „Atlas zur biblischen Geschichte"." — Wir können uns nur zustimmend zu dem Inhalt obigen Schreibens erklären und fügen folgende Bemerkungen hinzu. Wir haben unseren Artikel „Jüdische Schul-Bibliothek" überschrieben, weil wir die von Herrn Pr. Münz gebrauchte Überschrift „Schüler-Bibliothek" zu beschrankend finden. Abgesehen davon, daß diese Büchersammlung auch für Schülerinnen bestimmt ist, glauben wir, daß sie überhaupt sich nicht bloß auf die jeweiligen, die Schule besuchenden Kinder beschränken dürfe, sondern auch für die nicht mehr schulpflichtige Jugend, ja selbst für die Erwachsenen, für alle Mitglieder der Gemeinde bestimmt sein müsse. Das Bedürfniß für diese Ausdehnung stellt sich von selbst dar, utib es kann nur im höchsten Grade als willkommen angesehen werden, wenn die Benutzung auch von älteren Personen geschieht. Gerade hieraus ergiebt es sich von selbst, daß die Sammlung nach den verschiedensten Alters- und Bildungsstufen eingerichtet sein muß. Hierin wird allerdings nach den lokalen Verhältnissen eine Verschiedenheit stattfindcn. Wenn z. B. unser Correspondent in seiner Zuschrift mit vollem Rechte für die Schüler der höheren Lehranstalten, die höher Gebildeten überhaupt mehr gesorgt wissen will, so kann dies doch nur an Orten berücksichtigt werden, wo solche Lehranstalten sich finden und höher Gebildete der Bibliothek ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Immerhin aber ist selbst an anderen Orten die Altersstufe und deren Bedürfniß zu beachten. Soll doch eine solche Bibliothek nicht bloß zur Unterhaltung dienen, sondern auch zu einer höheren religiösen Bildung anleiten und Mittel liefern. Deshalb ist jedenfalls cm die mitgetheilten Bücherverzeichnisse die Forderung zu stellen, für die vorhandenen Stufen die anzurathenden Bücher anzugeben. Nicht minder muß an die Auswahl eine angemessene Kritik gelegt werden, was jedoch immerhin schwierig ist. Denn schließlich ist die Zahl der zu empfehlenden Schriften nicht groß, und eine strenge Kritik würde vielleicht nicht allzu viele übrig lassen. Was uns persönlich betrifft, so werden wir stets nur solche Schriften empfehlen, welche nach unserer Meinung an Inhalt und Form dazu geeignet und dessen würdig find. An Verzeichnisse, die von Anderen aufgestellt werden, legen wir nicht gern die kritische Hand an, weil, da wir selbst derartige Schriften verfaßt haben, wir sofort der Verdächtigung selbstischer Absichten ausgesetzt wären, was uns die Erfahrung hinreichend gelehrt hat. Vor Allem aber geben wir noch einmal zu erkennen, daß wir die Anlegung solcher Bibliotheken für ein äußerst dringliches Bedürfniß anerkennen 6*

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