Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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77 kommen — wie Chinesen und Italiener — nicht zugelassen werden. — Wir hegen noch immer die Hoffnung, daß dieser drakonische Entwurf nicht zum Gesetz erhoben werde. Es ist doch einsichtlich, daß die Union sich selbst großen Schaden damit zufügen werde. Denn in unserer Zeit ist eine Beschränkung der Arbeitskräfte ebenso schädlich, wie die des Capitols. Es ist eigen: unter denen, welche dieses Gesetz votiren würden, waren gewiß Viele, deren Eltern eingewandert sind — aber der alte Spruch gilt noch immer: beati possidentes! Palästina. Jerusalem, 15. Januar. (Privatmitth.) Zu dem in vor. Nr. mitgetheilten Circular des Vorstandes des hiesigen Bikur-Cholim-Hospitals fügen wir eine Notiz ans dem Jahresbericht desselben, vom Jahre 5648 bei. Die Sammlungen für dieses Hospital betrugen 21,441 Francs.; die Ausgaben 24,702 Fr cs., so daß ein Desicit von 3261 Frcs. sich ergab. Es wurden in diesem Jahre im Hospital 518 Patienten ausgenommen, von welchen 57 verstorben. An Recepten wurden 6789 für die Kranken des Hospitals und 5408 für Kranke in der Stadt verschrieben. Der financielle Zustand erfordert also umsomehr die Hülfsbereitschaft wohlwollender Glaubensgenossen, damit die bei der hiesigen Armuth unentbehrliche Wirksamkeit des Hospitals erhalten bleibe. Das Deficit muß gedeckt und die Bedürfnisse des Hospitals müssen befriedigt werden. Dem Vorstände desselben gereicht dies zu schwerer Sorge. Aber ihr Vertrauen auf die Hilfe Gottes und die Opferwilligkeit der Glaubensgenossen erhöht ihren Eifer. Bonn, 23. Dez. (Notizen.) Man schreibt uns aus Hamburg. Die Trauerfeier und Bestattung des Predigers am neuen israelitischen Tempel, Dr. Jonas, fand im Tempel und auf dem jüdischen Friedhofe (Ohlsdorfer) unter großer Theilnahme stattt. Dr. Jonas war 1827 geboren, studirte Theologie und Philosophie in Berlin, ward dann Lehrer der Gemeinde Neuenburg, hierauf Prediger am Tempel, als welcher er 31 Jahre lang die segensreiche Wirksamkeit entfaltete, die von der Gemeinde bei mehrfachen Gelegenheiten die wärmste Anerkennung fand. Er war der vierte Prediger am Tempel. Zuerst fungirten Gotthold Salomon und Eduard Kley, nach dessen Tode N. Frankfurter und nach Salomon's Pensionirung Jonas. Als Frankfurter gestorben, trat Singer ein und nach dessen Tode vor mehreren Jahren Dr. Leimdörfer. Jonas zeichnete sich besonders durch seine unermüdliche Thätigkeit für Hilfsbedürftige aus und suchte in seinen Predigten den echten biblischen Geist zum Ausdruck zu bringen« In dem würdig ausgeschmückten Tempel fand die Trauerfeier mit Orgel, Chorgesang und einer tief ergreifenden Rede des Dr. Leimdörfer über den Text Spr. Sal. 3, 13., in welcher die Eigenschaften und Leistungen des Heimgegangenen in beredter Weise gewürdigt wurden, statt. Auf dem Ohlsdorfer Friedhofe sprach zunächst in der Kapelle der Präses des Tempelverbandes, Herr Josef Schönfeld, Worte des Dankes und der Verehrung für den pflichtgetreuen Lehrer und bat ihn im Namen der Gemeinde um Verzeihung für etwa zugefügtes Leid, wie auch ihm verziehen sei, versöhnt und ehrfürchtig scheide die Gemeinde von seiner Bahre. Hierauf sprach seitens der B. Bris-Loge, Herr A. Arnhold und Namens des Wohltätigen-Schulvereins, Herr H. Meyer. Am Grabe widmete der College Dr. Leimdörfer im Namen des deutschen Rabbinerverbandes einen kurzen Nachruf und segnete die Leiche tiefbewegt ein. — Man schreibt uns aus Berlin: Zu seinem 70. Geburtstage, 15. d. M., welchen er im Kreise seiner Familie festlich beging, sind dem Stadtverordneten Herrn Ludwig Liebermann aus den weitesten Kreisen die mannigfachsten Kundgebungen der Achtung und Verehrung gewidmet worden. Die ersten Glückwünsche brachten schon in früher Morgenstunde die Familienglieder dar, darunter der Bruder des Jubilars, Geheimer Cornmercienrath Liebermann, sowie der Sohn, der Landschaftsmaler, M. Liebermann. Die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung hatten zumeist Glückwunschschreiben übersendet, die Herrn Liebermann Näherstehenden, wie die Herren Abgeordneten Dr. Otto Hermes, Brömel, Hertig, Leonhardt u. A. waren persönlich erschienen. Namens des Comite's zur Erbauung eines Kinderhospitals, dessen Schatzmeister der Jubilar ist, überbrachte Geheimrath Professor Dr. Virchow die Gratulation der Mitglieder nebst dem Wunsche, daß Herr Liebermann, der seit einiger Zeit etwas leidend ist, dem humanen Werke, wie der liberalen Sache überhaupt noch recht lange erhalten bleiben möge. Der Vorstand der Auerbach'schen Waisen-Erziehungs-Anstalten ließ seinem langjährigen Mitgliede eine künstlerisch ausgeführte Adresse überreichen. Der Jubilar gedachte an seinem Ehrentage in hochherziger Weise neben anderen Wohlthätigkeits- Anstalten auch des letzterwähnten Instituts, welchem er zum Fonds für die entlassenen Zöglinge die Summe von 1000 M. zuwendete. — Aus Paris wird geschrieben: Der Astronom Moritz Löwy, dessen Thätigkeit am hiesigen Observatorium schon bedeutsame Erfolge erzielt hat, wurde von der königl. englischen astronomischen Gesellschaft durch Verleihung der großen goldenen Medaille ausgezeichnet. Diese große goldene Medaille der englischen astronomischen Gesellschaft ist die höchste Auszeichnung, welche in England auf diesem Gebiete verliehen wird. —