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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-31 · Heft 5 (31.1.1889) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 5 (31.1.1889)
Date
1889-01-31
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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71 %>&\k\,x\\^yvwx<’fyxXcfyCcvi. Deutschland. Berlin, 21. Januar. (Privatmitth.) In diesen Tagen schied der Justizminister Heinrich von Friedberg aus seinem Amte, welches er 9 Jahre verwaltet hat, nachdem er lange Zeit hindurch Unterstaatsseeretär im Justizministerium gewesen. Im Jahre 1813 zu Märkisch Friedland als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, studirte er 1833—37 Jurisprudenz in Berlin, obschon damals in Preußen ein Jurist jüdischer Religion weder als Richter noch als Rechtsanwalt oder als akademischer Lehrer irgend welche Aussicht hatte. Gegen Ende seines Studiums ließ er sich tanken und bei seiner großen Begabung machte er eine schnelle und glänzende Carriere. Er zeichnete sich als Criminalist und durch seine außergewöhnliche Gewandtheit, Gesetzesbestimmungen zu formuliren, aus. So diente er dem Staate bis zu seinem 76. Lebensjahre. Man sagt ihm nach, daß er es verstanden habe, die mannigfaltigsten Wandelungen in politischer Beziehung mitzumachen. Wir unsererseits haben seinen Abgang nicht zu bedauern, da er auch dem Antisemitismus Zugeständnisse gemacht haben soll. Wenigstens hat man auch in der Blüthezeit dieser schmachvollen Bewegung in keiner Weise etwas bemerkt, was ihr hinderlich in den Weg getreten wäre. Trotz des bekannten Paragraphen, welcher die Beschimpfung jeder anerkannten Religionsgenossenschaft mit Strafe belegt, war es den Antisemiten frei gelassen, das Judenthum aufs Bitterste zu schmähen, und den jüdischen Gemeinde- Vorständen wurde in den meisten Fällen das Recht, das Judenthum zu vertreten, abgesprochen. Ob dies unter dem Nachfolger Friedberg's sich ändern werde, —wir glauben es kaum. Der Kreuzzeitungspartei war Frieoberg als ein „getaufter Jude, der unter seinen Ahnen keinen Getauften zählte", zuwider. Was den Abgang dieses Mannes veranlaßt hat, wissen wir nicht, ist uns auch gleichgiltig. — Die hiesigen Zeitungen enthalten Artikel mit der Ueberschrift „Herr Hofprediger Stöcker in Nöthen." Es bezieht sich dies auf die heftige Polemik, die sich zwischen ihm und dem Pastor Witte erhoben hat. Aus dem von letzterem veröffentlichten Briefwechsel geht unzweifelhaft hervor, daß Stöcker in seinem bekannten Proeeß gegen Bäcker den Pastor Witte, welcher als Zeuge gerichtlich berufen war, überreden wollte, sich mit ihm über seine Zeugenaussage vorher zu verständigen, damit die Aussage Beider „sich decke", was Witte in seiner Pflicht als Zeuge nur sein eigenes Wissen zu bekunden, zurückgewiesen. Wie ein solches Verfahren mit dem geistlichen Amte irgend vereinbar ist, ist dem unbefangenen Leser nicht erfindlich, um so mehr, als Stöcker, nachdem ihm dies Witte entgegengestellt, doch darauf beharrte, mit Witte eine solche Unterredung abzuhalten, in welcher sie sich gegenseitig ihre Zeugenaussage mittheilen wollten. Als Grund wurden von ihm die Standesinteressen hervorgehoben. Charakteristisch ist ferner, daß demungeachtet Stöcker den Pastor Witte bei dem Consistorium angeklagt hat. Man kann dem Hofprediger Muth und Entschiedenheit nicht absprechen, wie es aber auch in diesem Handel mit der Moralität steht, ist eine andere Frage. Berlin, 18. Januar. Die arme „Kreuzzeitung" hat alle Hände voll zu thun! Sie muß ihre Waffen zum Schutze des Reichskanzlers gegen die officiöse Presse und gegen andere feindliche Mächte, namentlich gegen die Juden wenden. Die „Kreuzztg." hat nämlich eine neue Verschwörung entdeckt und enthüllt dieselbe wie folgt: „Das Preßjudenthum der ganzen eivilisirten Welt, des europäischen Cvntinents wie Amerikas hat sich gegen das deutsche Reich verbündet, und besonders haßt man dort den Reichskanzler, den wir vertheidigen, was aber die unerfahrenen officiösen Schulknaben nicht abhält, Steine in den Garten der „Kreuzztg." zu werfen. Indessen lassen wir uns in unserer Gesammthaltnng durch solche kleine Ungezogenheiten, die an uns nicht heranreichen, nicht beirren. Es gilt, höhere Interessen zu vertheidigen und über puerile Albernheiten hinwegzusehen. Die „goldene Internationale" hat dieses Preßbündniß der Ausländer gegen uns organisirt, sie gilt es zu bekämpfen; das internationale Judenthum ist der Feind, welcher das starke monarchische Deutschland haßt und uns um unsere höchsten nationalen Güter betrügen will. Wenn ihr dabei die Taktlosigkeit und das Ungeschick unserer officiösen Presse bisher noch indirekt wenigstens hülfreiche Hand leistet, so geben wir uns der Hoffnung hin, daß eine Abhülfe nicht dauernd vergebens erwartet zu werden braucht. Der Reichskanzler hat ja sein Urtheil über die Presse in letzter Zeit erheblich modificirt. Während sie ihm früher nur „Druckerschwärze" war, hat er kürzlich im Reichstage den Werth einer unabhängigen Presse ausdrücklich anerkannt. Die Hoffnung erscheint also nicht unberechtigt, daß, wenn ihm die Wirkung des Treibens der officiösen Presse erst einmal in vollem Umfange klar wird, sein Quos ego! nicht ausbleiben wird." — Schade, daß der Reichskanzler dies nicht einseheu und zur Kreuzzeitung seine Zuflucht nicht nehmen will, sondern Herrn von Hammerstein stets von sich abschüttelt! Leipzig, 18. Januar. Es geht doch nichts über die Rechenkunst! Der „Antisem. Corresp." ist es Vorbehalten geblieben, eine höchst charakteristische Erklärung dafür beizubringen, daß mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens

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