Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
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70 Tugend. Laotse war im Jahre 604 vor d. gew. Ztr. geboren und gelangte als Archivbeamter in der Reichskanzlei zu angesehener Stellung. Im Alter von 90 Jahren zog er sich in's Privatleben zurück und verfaßte auf der Reise nach seinem Heimathlande bei einem Gastfreunde das vorliegende Buch, das in China hoch geschätzt wird und sehr häufig edirt und commeittirt worden. In 81 Capitel getheilt, fehlt es dem Buche an systematischer Folge und äußerem Zusammenhang. Es sind aphoristische Sätze, bald über Gott, bald über irgend eine Tugend, am öftersten klar und durchsichtig, dann aber auch wieder dunkel gehalten. Sein Gottesbegriff steht allem Heidenthume gegenüber, ist jedoch nur negativ. Gott ist ihm unnennbar, unendlich und unfaßbar. Als Urgrund der Welt bezeichnet sich der Mensch Ihn als Schöpfer der Wett. Die einzelnen Tugenden werden scharf und schön markirt und überall blickt eine große Menschennkentniß und eine gesunde Verständigkeit hervor. Prosa wechselt ab mit Poesie, welcher letzteren keine große Schwungkraft einwohnt. Als ein Zeugniß für eine so weit entlegene Zeit ist das Büchlein höchst bemerkenswerth. — Pest, 16. Januar. Bor einigen Jahren ging die Notiz durch die Blätter, daß ein ungarischer Jude einen Universal- Kalender, an dem er viele Jahre gearbeitet, dem Papste zu seinem Priester-Jubiläum überreichen wolle. Dieser Universal- Kalender ist bereits vor längerer Zeit unter dem Titel: Universal-Kalender für die julianische, gregorianische und jüdische, jüdisch-julianische und jüdisch-gregorianische Zeitrechnung (Budapest, Markus, 1887) erschienen. Verfasser dieses von staunenswerthem Fleiße zeugenden, 648 Quartseiten umfassenden Werkes ist Herr D. Leopold Raab, ein jüdischer Kaufmann in Komorn, und wollen wir gleich bemerken, daß der Berf. das kostspielige Werk auf eigene Kosten zum Druck befördert hat. In diesem Kalender sind 45 verschiedene Kalender nebst 28 Tabellen aufgestellt; jeder der 45 Kalender hat so viele Rubriken, als die Variationen in jenen Jahren, für die der betreffende Kalender gilt, es erfordern , und an der Spitze eines jeden Kalenders befindet sich eine Zusammenstellung aller jener Jahre, für die derselbe gilt. Mit Hülfe der beiden Schlüssel und der in der Einleitung angegebenen Gebrauchs-Anweisung ist die Orientirung sehr leicht. Dieser Kalender, der vom 1. Januar 1 bis 31. December 2220 reicht, sollte in keiner Gemeinde-Kanzlei fehlen. — Der Düsseldorfer Geschichts-Verein hat in dem 3. Bande seiner Jahrbücher die „Geschichte der Stadt Düsseldorf" als Festschrift des 600jährigen Jubiläums der Stadt herausg egeben (Düsseldorf 1888). Die umfangreichste der zwölf d arin enthaltenen Abhandlungen bildet die „Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs" (S. 149—254),welche Herrn Rabbiner vr. A. Wedelt, den stellvertretenden Vorsitzenden des Düsseldorfer Geschichts-Vereins, zum Verfasser hat. In Düsseldorf, das früher zu Jülich-Berg gehörte, wohnen Juden seit zweihundert Jahren — der erste aufgefundene Schutzbrief datirt vom Jahre 1689 — und war ihre Lage in vielen Beziehungen besser als die ihrer Glaubensgenossen in anderen Gegenden Deutschlands. In allgemein verständlicher Fassung schildert Herr vr. Wedell die sociale Lage der Juden Düsseldorfs, ihr Ringen nach einer würdigen bürgerlichen Stellung, ihre Gemeindeverfassung, ihr Schulwesen u. dgl. m. Auch mit den Rabbinern Düsseldorfs macht er uns bekannt. Dem Rabbiner Samson Levi Fröhlich, der vermuthlich der erste Rabbiner der jülich-bergischen Judenschaft war, folgte R. Mordechai Halberstadt, der Verfasser der Rechtsgutachten 't-dd "idnö , der wohl eine ausführlichere Biographie verdient hätte, als sie Herr vr. W. liefert. R. Mordechai wurde von seinen Zeitgenossen als Grammatiker und rabbinische Autorität hoch verehrt; aus allen Gegenden Süddeutschlands kamen Anfragen über schwierige rituelle Entscheidungen an ihn. Sein Enkel, der Herausgeber seiner in Brünn gedruckten Rechtsgutachten, rühmt von ihm, daß er die vier Schulchan Aruch mit den Erklärern alljährlich repetirt habe. Er starb in dem hohen Alter von 84 Jahren. Sein Nachfolger in Düsseldorf war R. Jakob Brandes, der Sohn des Mainzer Rabbiners R. Moses Brandes. Als derselbe im Jahre 1751 das Düsseldorfer Rabbinat übernahm, gratulirte R. Mordechai dem Vater, mit dem er in Correspondenz stand, in der herzlichsten Weise. Alles dieses und noch vieles andere über R. Mordechai Halberstadt hätte Herr vr. W. in der angegebenen Responsensammlung und in den Sammlungen seiner Zeitgenossen finden können. Den Schluß der Abhandlung bilden die verschiedenen Synagogen, welche längere oder kürzere Zeit in Düsseldorf bestanden, die Friedhöfe und die gegenwärtig in der Gemeinde bestehenden Wohlthätigkeitsvereine. Zu bedauern ist, daß diese fleißig gearbeitete werthvolle Monographie nicht auch in einer Separat-Ausgabe erschienen ist. — Die dänische Predigt, welche Herr Rabbiner vr. D. Simonson in Kopenhagen aus Anlaß des Jubiläums des Rabbiners Prof. vr. A. A. Wolff den 8. Oktober v. I. gehalten hat, ist im Druck erschienen (Kjöbenhaven 1889.) Der geehrte Vers, verbindet damit den edlen Zweck, den durch Feuersbrünste verarmten Glaubensgenossen in Rußland Linderung ihres Elends bezw. materielle Hülfe zu verschaffen. vr. Kays erlin g.