Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1889)
- Date
- 1889-01-25
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227771-3227776--45933-3265467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
55 semitische Gesinnung die Mitglieder der Cartellparteien nicht überall sich gleichen. Hier jedoch in Breslau geben sie ihre judenfeindliche Gesinnung offen zu erkennen und deshalb ist jetzt gerade Breslau der Zeitweise Hauptherd des Antisemit tismus. Die Fortschrittspartei hielt es darum mit für einen Grund, ihre hiesigen Kräfte zu sammeln und zu stärken, und am 10. d. M. Abends fand eine Versammlung derselben - statt, in welcher der Abg. Eugen Richter eine Rede hielt. Mehr als 5000 Personen füllten den großen Saal und Tausende mußten abgewiesen werden. Unter stürmischem Beifall der Versammlung sprach derselbe u. A. sehr nachdrücklich gegen die jetzt wieder in Scene gesetzte Judenhetze und kennzeichnete sie in ihrer Verlogenheit und Gefährlichkeit für die Ruhe und Wohlfahrt des Volkes. Die Wahl wird zu erkennen geben, auf welcher Seite die Mehrheit der Wähler steht. Breslau, 15. Januar. Der viele Staub, welchen die hiesige Ersatzwahl zum Reichstage an Stelle des verstorbenen Socialisten Kräcker aufgewirbelt hat, namentlich von Seiten der Antisemiten, die sich im Verein mit den Zünftlern von den Cartellparteien getrennt haben und einen eigenen Candidaten, Stellmacher Kühn, aufstellten, macht auch uns diese Wahl interessant. Das Ergebniß der heutigen Wahl war: der Candidat der Socialisten erhielt 7799 Stimmen, der Candidat der Freisinnigen 5535, der Candidat der Cartellparteien 4585 und der Candidat der Antisemiten, der Zünftler und des Centrums 1481. Hieraus folgt, daß zwischen dem Socialisten und dem Freisinnigen eine Stichwahl stattfinden muß. Die Stärke der Parteien zeigt sich in den obigen Wahlen, und es ergiebt sich die geringe Zahl, welche die Antisemiten sammt ihren Genossen aus der Zunft und dem Centrum auftreiben konnten. Die Professoren von Stengel und Schmidt können daraus erfahren, welch' kleines Häuflein sie hinter sich haben. Müüchen, 10. Januar. Die Mehrheit des Collegiums der Gemeindebevollmächtigten trat dem Magistratsantrag bei, 210,000 M. aus Gemeindemitteln als Kirchenbauzuschüsse zu gewähren und zwar 150,000 den Katholiken, 50.000 den Protestanten, 10,000 den Israeliten. Zuvor war der Antrag des Nationalliberalen Häule, auch den Altkatholiken 10,000 M. zu bewilligen, mit 31 gegen 29 Stimmen angenommen worden. Elberfeld, 10. Jan. (Privatmitth.) Es ist in dieser Zeitung mehrmals ausgeführt worden, daß die Antisemiten nur durch den Lärm, den sie zu machen verstehen, und die Bereitwilligkeit der liberalen Presse, über die Rodomontaden derselben zu berichten, das Aussehen einer bedeutenden und umfangreichen Partei erlangen, während sie als ausgesprochene Partei im Volke nur geringen Boden besitzen. Dies beweist sich besonders dadurch, daß die Mehrzahl der Blätter, die sie gründen, nach kurzem Dasein wieder aus dem Leben scheiden. Sie haben erst vor Kurzem ein Beispiel aus Dresden angeführt; jetzt haben wir ein solches von hier zu vermelden. Ihr „Organ," der „Vorwärts", ist soeben an der unheilbarsten Krankheit, der „Abonuenten-Schwindsucht", verschieden. Ein Circular, mit welchem der Verleger sich an die im Ueberfluß lebenden Stützen der christlich-socialen Partei gewendet hat, um die von dem Blatte gemachten Schulden zu decken, ist so gut wie erfolglos geblieben. Die Stöckerianer haben hitzige Worte, aber sehr kühle Thaten. Aus Baden, im Januar. (Berichtigung.) In Nr. 1 Ihres geschätzten Blattes brachten Sie eine Notiz, die der Richtigstellung bedarf. So wenig ich wünsche, daß Herrn Bez. Rabb. Schleßinger in Bretten ein ungerechter Tadel durch die Presse gegeben wird, ebenso unlieb wäre mir, schon im Interesse der Wahrheit, wenn demselben ein unverdientes Lob gespendet wird. Die in der Notiz erwähnte Einrichtung, wonach Herr Bez. Rabb. Schl, den Gemeinden seines Rabbinats an den Festtagen Festreden zusendet, ist keineswegs eine von Herrn Bez. Rabb. Schl, selbstständig getroffene. Vielmehr hat der Großh. Oberrath der Israeliten im Jahre 1886 die Bez. Rabbiner Badens angewiesen, den israelitischen Gemeinden jeweils an den Festtagen Festpredigten zuzusenden. Ich war mehrere Jahre im Bez. Bretten angestellt und kann constatiren, daß Bez. Rabb. Schl, im ersten Jahre der Einrichtung nur 3, während andere Rabbiner 6—7 Reden sandten. Herr Schleßinger kann sich also nicht rühmen lassen, der einzige Rabbiner Badens zu sein, der seinen Gemeinden die Festreden zukommen läßt. Dies zur Steuer der Wahrheit. L. ... e. Bielefeld, 15. Jan. (Privatmitth.) Der am 1. Jan. e. durch den Vorstand der „Unterstützungscasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" vorgenommene Rechnungsabschluß für 1888 hat ein sehr erfreuliches Resultat ergeben. Mehr und mehr bewirken die Lehrer ihren Beitritt, und das Interesse der Gemeinden, sowie einzelner Wohlthäter für unser segenbringendes Institut ist in stetem Wachsen begriffen. Das Vermögen der Unterstützungscasse beziffert sich am 1. Jan. o. auf M. 63,094.30 und der einzelne Unterstützungsantheil, der im vorigen Jahre 52 Mark betrug, konnte für 1889 auf 62 Mark bemessen werden. Das Nähere wird der demnächst zur Vertheilung kommende gedruckte Jahresbericht bringen. Blumen au. Luxemburg. Luxemburg. 12. Januar. (Privatmitth.) In der heutigen Sitzung des Obergerichtshofes hat dieser das Urtheil der ersten Instanz in der Klage des israelitischen Consisto-