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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-25 · Heft 4 (25.1.1889) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 4 (25.1.1889)
Date
1889-01-25
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten sich immer mehr einen Platz erobert. Es pflegt jetzt die Forderung gestellt zu werden, daß der betreffende Religionslehrer ein Gymnasium absolvirt habe, was nur selten der Fall ist. Ebenso braucht nur gesetzlich festgestellt zu werden, daß die Gemeinden Rabbinern und Lehrern nach einem zwei- oder dreijährigen Provisorium das Definitivum zu ertheilen haben. Gewiß erleiden dadurch die Gemeinden keinen Schaden. In einem solchen Provisorium werden die Fähigkeiten und Eigenschaften eines Beamten hinlänglich kund. Bei der Entlassung müßten allerdings die Gründe der Vorgesetzten Behörde vorgelegt werden. Verletzung der Pflichttreue, Unfähigkeit und moralische Gebrechen werden genügende Motive abgeben. Nur der Willkür, der Parteilichkeit und Leichtfertigkeit muß eine Schranke gesetzt werden. Wenn der Staat bei seinen unzähligen Lehranstalten mit den gesetzlichen Normen gut auskommt, wie sollten dies die jüdischen Gemeinden mit denselben Normen nicht auch? — Freilich, gestehen wir, haben wir keine große Hoffnung, zu dieser doch so einfachen Regelung zu kommen. Die Gemeinden selbst in ihrer Mehrzahl werden schwerlich zu desfallsigen Petitionen an die Staatsregierung ihre Hand bieten; sonst würden auch viel mehr jüdische Schulen den Charakter als öffentliche Lehranstalten schon erhalten haben. Jndeß wäre ein Weg zur freiwilligen Herstellung einer Ordnung möglich, wenn die Gemeinden in den Provinzen, wie es die in Ostpreußen gethan, zu Provinzialverbänden sich zusammenschlöffen, insbesondere zur Hebung des Unterrichtswesens und zu gegenseitiger Unterstützung für Schule und Lehrstand. Es thäte nichts, wenn einige Gemeinden dem Verbände fern blieben; denn die Mehrheit derselben mit ihren Ordnungen würde schließlich die Minderheit nöthigen, ihren Beamten ähnliche Bedingungen zu stellen, wenn sie solche, namentlich tüchtige Kräfte, für sich erhalten wollten. Dies erinnert uns an einen anderen Gedanken, den wir einmal auf einer Lehrerconferenz ausdrückten, als die Klagen über die geschilderten Zustände sehr laut waren. Wir meinten, am erfolgreichsten sei: Hilf dir selbst! Die Lehrer müßten so viel Gemeingeist besitzen, um sich unter einander zu verpflichten, mit keiner Gemeinde einen Contract abzuschließen, in welchem nicht das Zugeständniß des Definitivums nach dem Provisorium ausgesprochen wäre. Man wandte ein, daß sich außerhalb ihres Kreises so viele fänden, die sich unter allen Bedingungen um eine vacante Stelle bewerben, daß eine solche Verpflichtung doch ohne Erfolg bleiben würde, und gab selbst als Entschuldigung das alte Sprichwort an: „Noth bricht Eisen!" Sehen wir von diesem mehr oder weniger Erreichbaren oder Unerreichbaren ab, so kann die Hebung des Lehrstandes am meisten durch diesen selbst bewerkstelligt werden. Desto sicherer wird derselbe und werden seine einzelnen Mitglieder in der Anerkennung, Achtung, ja Verehrung ihres Kreises steigen, je mehr sie sich durch den Reichthum ihres Wissens, durch den Schwung ihres Geistes, durch Bildung und würdevolle Haltung kennzeichnen. Hier ist es, wo der Einzelne zugleich für sich und für den ganzen Stand wirkt. Denn unmöglich kann man dem Stande die Hochachtung versagen, selbst seitens derer, die für die Thätigkeit derselben geringeren Sinn haben, je größer die Zahl der Rabbiner und Lehrer, die sich in Wort, Erscheinung und That den Zwecken ihres Standes gemäß und auf geistiger Höhe stehend, bezeugen. Der Rabbiner und der Lehrer muß in seiner Ueberzeugung fest, doch über den Parteien stehen, jede Veranlassung zum Hader vermeiden, keiner Partei sich fanatisch zuneigen, versöhnlich, ja vermittelnd sein, Zuträger abweisen und keinen „Zorn Nachträgen". Zugänglich und freundlich, darf er weder zudringlich noch kriechend sein. Sich und seinen Stand ehrend, ziemt es ihm nicht, anmaßend und selbstüberschätzend aufzutreten. Von politischen Händeln und Wirren muß er sich fern halten, da jedoch, wo er seine Bürgerpflicht unmittelbar auszuüben hat, seiner Ueberzeugung folgen. Wir werden weiteren Besprechungen dieses Gegenstandes gern unsere Spalten öffnen, auch wenn die vorgetragenen Ansichten nicht gerade mit den unsrigen übereinstimmen sollten. Deutschland. Berlin, 14. Januar. (Privatmitth.) Die hiesigen Antisemiten sind ziemlich zahm geworden. Sie und ihre christlich-socialen Brüder sind neuerdings so vielfach angegriffen und mit Spott über ihre Ohnmacht überschüttet worden, daß sie sich in arger Verlegenheit befinden. Dies that sich jüngst so recht in einer Versammlung kund, welche Stöcker und Prof. Adolf Wagner mit ihren Christlich-Socialen abhielten, um mit ihren Gegnern Abrechnung zu halten. Vor Kurzem erschien nämlich eine Broschüre von Herrn Rößler, dem Leiter des officiösen Preßbureau's, in welcher dem Hrn. Stöcker

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