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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-17 · Heft 3 (17.1.1889) · p. Seite 46

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 3 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
Seite 46 (sequence 14)
Language
German
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46 ließ, er die Sprache vollkommen inne hatte. Sein Hauptlehrbnch war Gibbon's „Decline and Fall of tlie Roman Empire.“ Mit größter Gewissenhaftigkeit lernte er jedes Wort, dessen Aussprache ihm zweifelhaft schien und suchte auf der Landkarte einen jeden Platz auf, der in dem Werke erwähnt ist. Er begab sich nach England, wo er mit Kossuth zusammentraf. Derselbe gab ihm ein Empfehlungsschreiben an Herrn Seward,^) das er jedoch nie benutzte. Der Rath des Geistlichen William Henry Channing-) bestimmte ihn schließlich nach Amerika auszuwandern, und unter Channing's Freunden in Brooklyn fand er späterhin mehrere der liebevollsten und treuesten seiner eigenen Freunde, so Herrn R. H. Manning, dessen Frau und seine Schwester Elisabeth, bei denen Margaret Füllers einige glückliche Monate zugebracht hatte, ehe sie jene Reise antrat, von der sie nicht zurückkehren sollte. Als Herr Heilprin nach Amerika kam, waren schon andere exilirte Ungarn hier, darunter zwei Schwestern Koffuth's. Die eine, Madame Zulavski, wurde bis zu ihrem Tode im Hause des Herrn Manning auf's Sorgsamste gepflegt, und bei ihrem Begräbniß drückte Herr Heilprin den Dank der ungarischen Flüchtlinge der Manning'schen Familie aus, die jederzeit mit Rath und That denen zur Seite stand, die deren bedurften. Bis zum Jahre 1858 fand Heilprin ein mühseliges Fortkommen als Lehrer, dann trat er in Beziehung zu Appleton's „Neue Amerikanische Enchclopädie." Das Werk war damals bis zum dritten Bande gediehen; und gleich bei seiner ersten^ Zusammenkunft mit den Redakteuren Ripley und Dana wußte er sie von dem Umfang und der Genauigkeit seines Wissens so zu überzeugen, daß ihm sofort die Revision aller geographischen, historischen und biographischen Artikel übertragen wurde. Er selbst lieferte viele dieser Artikel, worunter der über die „Hebräer" der bemerkenswertheste ist. Seine Beiträge bezogen sich größtentheils auf Gegenstände, die ohne ihn übersehen worden wären. Aber der Hauptdienst, den er jenem Werke leistete, für das er stets Interesse und eine Zuneigung empfand, dem nur sein Interesse für die „Nation“ gleichkam, bestand in der Richtigstellung und einheitlichen Verschmelzung des Ganzen. Man darf getrost sagen, was von anderer Seite bemerkt wurde, daß „kein ähnliches Sammelwerk in der englischen Sprache diese Vorzüge in einem so hohen Grade besaß; es beobachtete 1) William Henry Seward, berühmter amerikanischer Staatsmann, Staatssekretär in Lüicoln's Cabinet. 2) William Henry Channing war ein hervorragender amerikanischer nnitarischer Kanzelredner und Schriftsteller, der zu jener Zeit einer unitarischen Gemeinde in Liverpool Vorstand. 3) Berühmte amerikanische Schriftstellerin. Sie verheirathete sich im Jahre 1848 mit dem Marquis d'Ossoli und fand am 16. Juli auf der Rückkehr nach der Heimath mit ihrem Gatten in der Nähe von New-Pork durch Schiffbruch ihren Tod. eine einheitliche Schreibart aller Eigennamen, gab ein und dasselbe Datum für dasselbe Ereigniß, gleichviel wie oft dies auch erwähnt wurde und adoptirte ein einheitliches System für die englische Wiedergabe aller Fremdwörter (namentlich Eigennamen) aus Sprachen, die sich nicht des römischen Alphabets bedienten." Seine Arbeit an der ersten Auflage endigte im Jahre 1863, die an der zweiten und sehr verbesserten begann im Jahre 1871 und war im Jahre 1876 zu Ende. Aehnliche Arbeiten beschäftigten ihn auch später, und im innigen Zusammenhänge damit waren seine Beiträge zur „Nation“, in denen er Werke encyclopädischen Charakters recensirte. Als er einst ein gewisses biographisches Lexikon, eomplet in einem Bande, kritisch besprach, bemerkte er, daß man demselben leicht 500 Fehler Nachweisen könne, und er würde eine derartige Behauptung nie gewagt haben, wenn er seiner Sache nicht sicher gewesen wäre. Seine Kritiken der successive erschienenen Bände der „Encyclopsedia Britannica“ gewährten einen Einblick in die Tiefe und Genauigkeit seines eigenen Wissens, wie nicht minder in die erstaunliche Nachlässigkeit, mit der jenes Werk redigirt wurde. Die Verbindung des Herrn Heilprin mit der „Nation“ begann im Jahre 1868 und hörte kaum mit seinem Tode auf; denn man darf annehmen, daß noch mehr als ein sorgfältiger Artikel in dieser Zeitschrift das Gepräge seiner Hand tragen wird. Seine Arbeiten in der „Nation“ bewegten sich nicht nur in der angedeuteten Richtung, sondern erstreckten sich über ein weites kritisches und historisches Feld. Er war kaum einen Monat in Amerika, als Brooks sein Attentat auf Surnnerl) ausübte; und die damals in vollem Gang befindliche Agitation gegen die Sclaverei überzeugte ihn, daß auch in Amerika das rein menschliche Recht noch nicht volle Anerkennung gefunden hatte. Für ihn gab es nur einen großen Kampf, hier wie in Ungarn; er empfand von Anfang an für die Sache der Anti- Sklaverei die lebhafteste Sympathie. Im Jahre 1860 schrieb er einen sehr ausführlichen Artikel für die „Tribüne“, worin er in der gründlichsten Weise gegen einen Rabbiner zu Felde zog, der mit einer ganzen Schaar von Bibel-Citaten der Sache der Sklaverei zu Hilfe gekommen war. Obgleich er sich auf's Lebhafteste für unsere Politik und unsere Reformbewegungen interessirte, so befaßten sich doch seine Beiträge zur „Nation“ hauptsächlich mit der Literatur und Politik Europas oder mit der Recension von amerikanischen Büchern, die in dieses Fach einschlugen. Er war namentlich mit der Orient-Frage in allen ihren Kreuz- und Querzügen auf's Genaueste vertraut und er trug wahrscheinlich mehr dazu bei, die bulgarische Angelegenheit und ähnliche Verwickelungen 1) Der Staatsmann Charles Sumner wurde nach einer Rede über die Sklavereiverhältnisse in Kansas im Mai 1856 im Senaie von dem südlichen Repräsentanten Preston S. Brooks überfallen und schwer verletzt.

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