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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-17 · Heft 3 (17.1.1889) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 3 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 der alten Welt auf ihre Schulen, Aerzte und Hospitäler Hinweisen können, die sämmtlich durch patriotische Freigebigkeit einfacher Bürger gegründet seien. Dann fuhr Herr Schurz fort: Um dem amerikanischen Volke diese stolze Unterscheidung zu verschaffen, haben die Juden ebensoviel gethan, wie irgend eine andere Klasse Bürger — nein, ich will hier wiederholen, I was ich oft in Gegenwart Anderer gesagt habe — die Ju-1 den haben im Verhältniß zu ihrer Zahl viel mehr gethan. Ich wiederhole dies um so lieber, als ich jüngst Gelegenheit gehabt habe, den Ursprung, den Charakter und die Ziele der sog. „antisemitischen Bewegung" zu beobachten — einer Bewegung, deren dunkler Geist des Fanatismus und der Verfolgung die menschliche Erleuchtung des 19. Jahrhunderts beschimpft, welche sich an das dümmste Borurtheil und die blindeste Leidenschaft wendet, deren Ungerechtigkeit jeden Sinn für Billigkeit und Anstand beleidigt und deren Feigheit — denn Feigheit ist ein wesentliches Element in dem Versuch, die mitstrebenden Kräfte einer Hand voll Leute zu unterdrücken — deren Feigheit sage ich die Verachtung jedes sich selbst achtenden Menschen Hervorrufen sollte. Angesichts dieser Bewegung, welche seit Jahren die europäischen Länder erregt und selbst ihre Schatten über den Oeean auf unsere Küsten geworfen hat, freut sich das menschliche Herz, wenn es den Präsidenten des Montefiore Home sagen hört, daß, während dieses dem Dürftigsten Israels Schutz gewähren, doch kein menschliches Wesen wegen seines religiösen Glaubens ausgeschlossen werden soll. Er mag den tobenden Antisemiten bei der Hand nehmen, ihm die durch jüdisches Geld, jüdische Arbeit, jüdischen öffentlichen Geist, Wohlthätigkeit und Hingebung gegründeten und erhaltenen Hospitäler, Waisenhäuser und Armenschulen zeigen und zu ihm sagen: „Wenn Ihr einen Kranken, Alten oder Kinder habt, welche sonst nirgendwo Hülfe finden können, haben wir hier Raum für dieselben und sie sind willkommen." Was hat der Antisemit darauf zu antworten? Nein, nein, diese „Bewegung" kann nicht lange dauern, sie muß in Schande untergehen, sie wird in ein schmähliches Grab verwiesen durch die edlen Triebe der menschlichen Natur und die Civilisation des Zeitalters, und was übrig bleiben wird, ist der wohlthätige Einfluß und die süße Erinnerung an solche gute Thaten wie die Ihrigen und die Brüderlichkeit der Menschheit. Es hielten noch Ansprachen die Herren Eppinger, Jak. Schiff und Mayor Hewitt. New-Iork, im Deeember. Biographie Michael Heilprin's. Bon John W Chadwick, Prediger einer der Unitarischen Gemeinden in Brooklyn. (Uebersetzt aus der „ ünitarian Review“ für September 1888.) (Vorbemerkung der Redaktion.) Die folgende Biographie wird mit um so größerem Interesse gelesen werden, als vr. Gottheit in New-Aork uns schreibt: „Michael Heilprin war eine der edelsten Persönlichkeiten, die jemals unfern Stamm geziert haben, und hat sich in den letzten Jahren für die russischen Einwanderer buchstäblich aufgeopfert." Die Familie Heilprin hat übrigens seit Jahrhunderten in der jüdischen Literatur Bedeutendes geleistet. Die folgende Biographie stammt aus einer christlichen Feder, die aber den Werth dieses Juden hochzuschätzen wußte.) Michael Heilprin, ein edler Gelehrter, starb am 10. Mai 1888 in Summit, im Staate New-Jersey, unweit der Stadt New-Iork. Es war mir vergönnt, diesen Mann meinen Freund zu nennen, von ihm mit einer Achtung und Liebe behandelt zu werden, die ich nie begreifen konnte, die mich aber deren würdiger machten, als ich es sonst gewesen wäre. Deßhalb will ich nun zu seinem Lobe sprechen, da er dahingeschieden ist. Es ziemt sich stets und es ist eine angenehme Aufgabe, Ehre zu geben, dem Ehre gebührt. Nie ist dies in höherem Maße der Fall, als wenn das Gute, das wir rühmen, von der Welt abgeschlossen wirkte, oder wenn die Arbeit bekannt und nach Gebühr geachtet wurde, indeß der Arbeiter sich dem Auge des Publikums entzog. Das Wirken des Herrn Heilprin war dieser Art. Seine literarischen Arbeiten erschienen größtentheils anonym. Die einzige Ausnahme bildete seine „Historische Poesie der alten Hebräer." Seine außerordentlich beschwerliche Thätigkeit an der „Amerikanischen Encyclopädie" wurde von den Herausgebern und Redakteuren dieses ausgezeichneten Werkes mit Recht hoch geschätzt, aber der Umfang unv der Charakter dieser Thätigkeit war nur seinen Arbeitsgenossen und intimen Freunden bekannt. So war es auch mit seinen kritischen Arbeiten für die „Nation“, die mit der vierten Nummer dieser Zeitschrift begonnen und mehr als zwanzig Jahre lang fortgesetzt wurden. Viele Tausende haben seine Artikel bewundernd gelesen, ohne daß sie die geringste Ahnung von der Persönlichkeit dessen hatten, dem sie einen so großen Genuß verdankten. Nur selten äußert sich eine solche geistige Kraft auf eine so unpersönliche Weise. Ihm war dies eben recht. Nicht, als ob er gegen die günstige Meinung seiner Freunde und Jener, denen ein Urtheil über seine Arbeit zustand, gleichgiltig gewesen wäre, sondern diese Arbeit gewissenhaft und gut verichtet zu haben, war ihm stets hinlängliche Befriedigung. Um weitgehenden Ruhm kümmerte er

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