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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-17 · Heft 3 (17.1.1889) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 3 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 wie bekanntlich auch bei den Griechen vorkam. Von da ab wurde viel in Elfenbein gearbeitet: es werden Betten, Häuser und Paläste aus Elfenbein erwähnt, wobei natürlich nur an Verzierungen zu denken ist. Aus der nachexilischen Zeit hören wir nur von einem kolossalen goldnen Weinstock im Vorhofe des Tempels, an welchen fromme Gemüther ein Blatt oder eine Traube hefteten. — Nicht ganz zu übersehen ist das Eingraviren und Einmeißeln von Figuren in Holz, Metall und Stein. Ließ doch Salomo in die Cedernbretter, mit welchen das Innere des Heiligthums verschaalt wurde, sowie in dessen Thürflügel Cherubim, Palmen und aufbrechende Blumen einschnitzen und dann vergolden; in den götzendienerischen Zeiten wurden in die Wände des Heiligthums Abbildungen von Götzen und Thieren eingegraben. Das künstlerische Weben und Wirken war schon zu Moses j Zeit von den Israeliten vielfach betrieben. Dagegen lag man der Malerei in Israel gar wenig ob; es fehlt darüber an allen Nachrichten. Babylonisch war, was in der Zeit! des Jojakim an Malereien von Figuren mit Bergroth auf! die Wände von Palästen gemalt wurde. — War die Plastik1 so bei den Israeliten nicht unbekannt, aber verhältnißmäßig! wenig gepflegt, so fand dagegen der Tanz destomehr An-! Wendung und Ausbildung. Dieser war überhaupt bei ihnen * sehr beliebt, namentlich an Festen, bei Hochzeiten und zur^ Weinlese; blos Frauen und Mädchen führten dann ihn aus,! wobei sie die kleine Handtrommel schlugen und auch zuweilen sangen; doch von Bajaderen findet sich hier keine Spur. Mit solchen Tänzen und Instrumentalmusik wurden auch heimkehrende Sieger öffentlich empfangen. Eigenthümlich aber, obschon auch die Egypter, Indier, Griechen und Römer es hatten, war dort das Tanzen als religiöse Ceremonie: schon das Danklied am Schilfmeer wurde von den Frauen im Reigen nachgesungen; man tanzte um das goldene Kalb; selbst David tanzte vor der Bundeslade her, als er mit großer Feierlichkeit sie einholte. Und diese Sitte muß noch viel verbreiteter gewesen sein, als von ihr berichtet wird, da dasselbe hebräische Wort chag Fest und Tanz bedeutet; sogar am Versöhnungstage, dem feierlichsten in der jüdischen Religion, tanzten die Mädchen in den Weinbergen in weißen Kleidern, die alle geliehen waren, um nicht die zu beschämen, welche keine eigenen hatten. Auch lesen wir, daß die Therapeuten, eine Art jüdischer Mönche und Nonnen in Egypten, von Zeit zu Zeit gemeinsame nächtliche Andachten halten, bei welchen sie unter Hymnengesang tanzten, jedoch in un-- vermischten Reihen, die Männer den Frauen gegenüber. Noch auffallender war folgender Brauch im Jerusalemer Tempel: in sechs Nächten des Laubhüttenfestes wurden dort im Vorhof der Frauen, während diese von einer Emporbühne herab zusahen, von Männern, und selbst den ehrwürdigsten, unter Flötenbegleitung Tänze aufgeführt mit Fackeln in den Händen, die man auch abwechselnd in die Höhe warf und auffing; in den Pausen sangen die Leviten Psalmen. Hiermit haben wir in dem engen Rahmen dieses Artikels eine Uebersicht über das Kunstleben bei den Israeliten gegeben. Wir sahen, daß bei demselben die Dichtkunst, die Musik mit dem Tanze in reichster Blüthe standen, daß die Architektur in allen ihren Zweigen mit der Zeit eine schöne Entwickelung erfuhr, und daß ihnen die Plastik nicht ganz fremd geblieben. Erwägen wir hierbei, daß das nationale Leben der Israeliten ein sehr einfaches, fast ganz auf den Ackerbau und die Viehzucht gestelltes war, so daß die Anregung für die Kunst eben nur aus ihrem eigenen Innern entspringen konnte, so wird man das geistige Leben dieser Nation nicht als einseitig und beschränkt ansehen können, sondern man muß zugeben, daß hier eine reiche Geistesnatur innerhalb beschränkter Verhältnisse ihre schönen Blüthen trieb und Anklang und Pflege fand. Der Panislamismus in Afrika. Daß dieses Blatt seine Aufmerksamkeit auch dem Islam stets zugewendet hat, wird man erklärlich finden. Denn einerseits ging er ebenso wie das Christenthum, wenn auch nicht so unmittelbar, aus dem Judenthume hervor und ist ihm durch den streng gehaltenen Glaubenssatz an die Einzigkeit Gottes und durch einige spezielle Gesetzesbestimmungen nahe geblieben, so weit er sich auch sonst von der Lehre des Judenthums entfernte; andererseits lebt ein, zwar nicht gezählter, aber doch beträchtlicher Theil des jüdischen Stammes unter der staatlichen Herrschaft des Islam in der europäischen und asiatischen Türkei von Salonichi bis Bagdad und in Arabien, in Persien und dem ganzen Nordafrika bis in Abessynien hinein. Sowohl die weltgeschichtliche Mission des Judenthums als auch der Bestand desselben giebt uns ein lebhaftes Interesse für das, was in den moslemischen Ländern vor sich geht. Zwei Ergebnisse drängten sich uns hierbei, namentlich auf Grund unparteiischer Reisender, auf, nämlich daß der Islam wie in Indien und China, so auch gegenwärtig im Innern Afrikas große Fortschritte mache und daß er in jüngster Zeit eine neue Belebung, eine fanatische Erhebung erfahre. Hierüber klärt uns nun ein objektiv geschriebener Artikel in „Unsere Zeit" Heft 12 auf: „Die mohamedanische Geistlichkeit Afrikas" von Richard Schäfer in Tripolis. Der Verf. hatte also vielfache Gelegenheit, seine Beobachtungen an Ort und Stelle zu machen, und giebt eine Schilderung namentlich der höchst zahlreichen und die ganze islamitische Welt umfassenden „Brüderschaften", die von einer fanatischen Strenggläubigkeit beseelt sind und die Mohame-

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