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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-17 · Heft 3 (17.1.1889) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 3 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 unter wieherndem Gelächter seiner Parteigenossen und dem „Pfui" der linken Seite! Doch so wenig der Geist jener Männer verloren gegangen, sondern bis auf heute nachgewirkt hat, so wenig wird es gelingen, ihre Gesinnung und Gefühlsweise aus der Welt zu schaffen, sondern immer wieder wird diese durchdringen und die angehäuften Nebel wieder zerstreuen. Eder aus dem Leben -es Volkes Israel. 6. Die (Schluß.) Wir kommen zu der eigentlichen Plastischen Kunst. Daß diese bei den Israeliten zu keiner besonderen Entwickelung kommen konnte, lag in der Natur ihrer religiösen Anschauung und ihres Gesetzes. Bei allen Völkern des Alterthums blühte die Plastik nur durch das religiöse Bedürfniß, die Götter sichtlich darzustellen und sie in Bildern anzubeten. Diesem trat die Religion Israels aufs strengste entgegen und zwar schon bei den Erzvätern. Der einzige unendliche Gottgeist konnte in keinem Bilde, konnte nicht als leiblich begrenzte Erscheinung dargestellt werden, und das Gesetz verbot deshalb jedwede Abbildung, „sich vor solchen zu bücken und ihnen zu dienen" aufs Nachdrücklichste. Jndeß wurde dieses Verbot bis zum Exil häufig verletzt, und die dazu dienenden Künste waren bei den Israeliten selbst nicht ungepflegt. Waren nun die hieraus hervorgegangenen Kunsterzeugnisse Nachahmungen aus den heidnischen Völkern, also nicht national, so mußte doch die Kunst selbst im Volke heimisch sein. Wir sehen dies aus mehrfachen Stellen. Es war natürlich, daß zunächst die Israeliten, was sie an Kunst besaßen, aus Egypten mitbrachten. Doch war es Ahron selbst, der das goldne Kalb formte, Moses ließ eine eherne Schlange bilden und was in der Stiftshütte an Kunstgebilden vorhanden war, wurde durch israel. Künstler verfertigt. So ließ auch in der Richterzeit Michajehu ein Götzenbild aus Silber vom Goldschmidt gießen (Richter 17, 4.) Am lehrreichsten über die Künstler und das Kunstbilden ist eine Stelle bei Jesaias, in welcher über diese Götzenbildnerei bittere Ironie ausgegossen wird. Sie bilden sich Götter aus Holz und Metall und vertrauen nun auf diese leblosen Gebilde, daß sie ihnen Hilfe und Rettung bringen. Schon 41, 7. sagt er: „Der Künstler ermuthigt den Goldschmidt, der Hammerglätter den Ambosschläger, und spricht von der Löthung: gut ist sie, heftet's mit Nägeln, es soll nicht wanken." Wir haben hier also vier Arten von Werkmeistern, die zur Herstellung des Götzendienstes dienten. 44, 12. heißt es: „Der behaut Eisen mit dem Schlägel, arbeitet mit der Kohlengluth und bildet es mit Hämmern. Der behaut Holz, spannt die Schnur, zeichnet es mit dem Stifte, fertigt es mit den Hobeln, zeichnet es mit dem Zirkel und fertigt es nach Mannesgestalt, nach Menschenschönheit, ein Haus zu bewohnen. Er fällte sich Cedern, nahm Steineiche und Eiche, Esche, die er gepflanzt. Es diente Menschen zum Brennen, er nimmt davon und wärmt sich, auch heizt er und bäckt Brod, auch macht er einen Gott und bückt sich, bereitet ein Götzenbild und wirft sich davor nieder. Deß Hälfte verbrannte er im Feuer, durch die Hälfte verzehret er Fleisch, brät Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: „Ach, ich werde warm und spüre Feuer." Aber den Ueberrest macht er zu einem Gotte, zu seinem Götzenbilde, wirft sich davor nieder und beugt sich, betet zu ihm und spricht: Rette mich, denn du bist mein Gott!" Die Worte bedürfen keiner Erklärung und beweisen klar, daß diese Bildnerei auch unter den Israeliten heimisch war, so daß der Prophet dagegen eiferte. So ironisirt auch der Psalmist j (115, 4.): „Ihre Götzen sind Silber und Gold, Werk von -Menschenhänden, haben einen Mund und reden nicht, haben ' Augen und sehen nicht, haben Ohren und hören nicht, haben j eine Nase und riechen nicht, ihre Hände die greifen nicht, - ihre Füße die gehen nicht und sie geben keinen Laut durch ihre Kehle." — Kommen wir nun zu denjenigen Werken der! Kunst, die nationaler Art sind und von denen wir einige; Kunde haben. Im Allerheiligsten der Stiftshütte befanden - sich auf der, die Bundeslade bedeckenden Sühnplatte zwei j Cherubim, deren Gestalt zwar nicht genau angegeben wird, die aber die Flügel über die Sühnplatte breiteten und deren Gesichter eines zum anderen zur Sühnplatte herabgeneigt waren. Zu bemerken hierbei ist aber, daß sie nicht gegossen, sondern aus der Gvldmasse der Sühnplatte heraus getrieben waren. In gleicher Weise war der siebenarmige Leuchter, kunstreich an der Hauptröhre und den sechs Seitenröhren mit Kelchen, Aepfeln und Blumen verziert, getriebene Arbeit. Im Salomonischen Tempel standen zur Seite der Bundeslade noch zwei kolossale Cherubim aus Oelbaumholz und mit Gold überzogen, deren ausgebreitete Flügel von der einen Wand zu der anderen reichten; sie waren zehn Ellen hoch und jeder Flügel fünf Ellen breit. Statt des einen Leuchters waren zehn aufgestellt. Die ans Erz gegossenen Kunstwerke, die beiden Säulen, das eherne Meer, die zehn Waschbecken, waren von lyrischen Künstlern gegossen und gehören deßhalb nicht hierher. Dagegen ein echt israelitisches Kunstwerk war der Thron Salomos. Sechs sehr breite Stufen führten hinan zu einer Estrade, die wie die Stufen mit Gold überzogen war und im Hintergunde einen hochfüßigen Sessel von Elfenbein hatte, mit Handlehnen versehen und wie von einem Kanzelhute überwölbt; vor ihm war ein goldener Fußschemel, gleich befestigt an ihm, und neben jeder Lehne stand ein Löwe, ebenso schaute den Hinansteigenden auf jeder Stufe von der Rechten und Linken her ein Löwe an, alle vierzehn aus Gold und Elfenbein zusammengesetzt,

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