Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1889)
- Date
- 1889-01-17
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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38 batter irr hohem Grabe aufregen. Sie gehen von bem Glauben aus, daß balb ein Nachfolger Mohamebs erscheinen, die Herrschaft des Islam wieder Herstellen und ausbreiten werde. Dies ist es, was schon frühere Autoren den Panislamismus im Kampfe gegen Europa nannten. Den Schluß des Artikels stellen wir wörtlich hierher. Er lautet: „Wir beschränken uns daher, zum Schluffe noch einmal auf das Unwetter hinzuweisen, das immer drohender sich über den europäischen Kolonien und zwar zunächst Nordafrikas zusammenzieht. Unter dem mächtigen Einflüsse der Bruderschaften hat das religiöse Leben der Moslims in der That einen neuen großartigen Aufschwung genommen, was man in den europäischen Kreisen freilich noch nicht wahrzunehmen scheint. Aber die harte Noth wird den Blinden die Augen öffnen und sie werden sehen, daß der Islam noch lebt, daß der religiöse Feuergeist noch in seinen Anhängern glüht, wie in den ersten Jahrhunderten des Mohamedanismus. Mag in den Küstenstädten und in den Ländern des kranken Mannes auch mancher Reformmuselmann vorhanden sein, mag hin und wieder selbst ein sogenannter Reformator auftauchen, der die Lehre des Propheten modernisiren will: die Mehrzahl der Gläubigen schaut mit tiefer Verachtung auf diese Abtrünnigen. Die Anhänger des Propheten im Allgemeinen sind nicht entartet; immer neue Moscheen werden gegründet, von immer neuen Minarets erschallt das Loblied Allahs, immer neue Religionsschulen tbun sich auf und die Zahl der Gläubigen wächst und mehrt sich, während überall das wilde Heidenthum mit seinem Fetischkult zurückweicht vor dem Ruhme des einzigen Gottes. Und wenn eines Tages der Mahdi oder Mul es-säa die Gläubigen rufen wird zum heiligen Kriege, werden fick die Anhänger Mohammeds wie Ein Mann erheben gegen die Bedroher ihres Glaubens, ihrer Herrschaft in Afrika. Im Vorder- Ireffen aber werden die fanatischen Mitglieder der religiösen Orden kämpfen, begeistert für die Religion des Propheten und streitend für Haus und Herd." Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß das Schicksal der Juden in jenen Gegenden bei Unfällen, welche die Europäer beträfen, ein sehr trauriges sein würde, da der islamitische Fanatismus mit Mord und Plünderung sich auch gegen sie wenden würde. Schon jetzt erlebt man allzuoft solches in Marokko, und in Algerien hat die Neigung der Juden zur französischen Cultur den Haß der Mohamedaner besonders hervorgerufen. i>wac fy'ii-cfykew. Deutschland. Berlin, 6. Januar. (Privatmitth.) Wir haben diesmal von hier aus mehreres zu berichten, was zwar unser specielles Interesse nicht berührt, doch aber der Bedeutung nicht entbehrt, die sich auch für uns geltend niacht. Das Duell Eichler-Blum hat doch die Aufmerksamkeit auf die demoralisirende Zerklüftung und das politische Parteispiel innerhalb der Studentenschaft gelenkt und scheint Versuche zu veranlassen, diesem Uebel abzuhelfcn. Der Vorstand der „Deutschen Akademischen Vereinigung" hat an hiesige Blätter folgende Zuschrift gerichtet: „Die schweren Duelle unter Studenten, wie sie an der Universität Berlin binnen kurzer Zeit mehrfach mit tödtlichem Ausgange vorgefallen sind, haben die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf die so beklageuswerthe Zerklüftung der deutschen Studentenschaft in bitter verfeindete Parteien gelenkt und machen in allen Kreisen den Wunsch rege, diese erbitterten Gegensätze beseitigt oder wenigstens gemildert zu sehen. Die Deutsche Akademische Vereinigung, bekannt durch ihr Eintreten für eine zeitgemäße Schulreform, hat in ihrer Jahres-Versammlung im Oktober v. I. beschlossen, für j eine einheitliche Organisation der deutschen Studentenschaft | zu wirken und in zweckmäßiger Weise, namentlich durch Vermittelung von Professoren, ein einträchtiges Zusammengehen der deutschen Studenten herbeizuführen. Sie will hierfür an allen Universitäten durch Einrichtung von studentischen Schiedsgerichten und gut organisirten Studenten-Ausschüssen, welche die gemeinsamen Interessen der Studentenschaft, wie Lese- und Turnhallen, Krankenkassen u. s. w. zu verwalten hätten, geeignete Organe schaffen. Je zahlreicher gebildete Männer aller Kreise diese zeitgemäßen Bestrebungen unterstützen, um so eher wird ein günstiger Erfolg derselben zu erwarten sein. Die Deutsche Akadem. Bereinigung fordert daher Alle, welche es mit der akademischen Jugend, der Zukunft Deutschlands, Wohl meinen, auf, sich ihr anzuschließen. Die Satzungen der Vereinigung werden durch ihren Vorsitzenden, Herrn San.-Rath l>r. Conr. Küster in Berlin, SW., Tempelhofer Ufer 21., verabfolgt." Wohl wünschen wir, daß diese Zuschrift Erfolg habe, glauben es aber nicht, denn dazu ist der Streit zu leidenschaftlich geworden und schon zu weit gediehen. Hier kann nur durch strenges Gesetz und dessen unnachsichtige Ausführung geholfen werden.