Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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28 ihrer Confession wegen unbequem sind? — Welchen Eindruck muß es auf die Eltern und auf die Kinder Hervorrufen, wenn sie erfahren, daß dem Lehrer Kinder aus confessionellen Rücksichten unbequem sind? Das ist ein unzulässiger Zustand, weil er demoralisirt, weil er die Interessen der Eltern und Kinder schädigt und weil er den gesetzlichen staatsbürgerrechtlichen Vorschriften zuwiderläuft. Es ist zu verwundern, daß Jemand, der solche Gesinnungen hat, sich so zu beherrschen vermag, daß er an der Schule bleibt, in der für ihn so unleidliche Verhältnisse bestehen. (Heiterkeit rechts.) Richtiger wäre, der Herr würde der ihm so unbequemen Verpflichtung sich entziehen. (Rufe der Antisemiten: Denunciationen!) GR. Frauenberger ruft Hrn. Schnarf zu: Lege» Sie die Professur nieder! GR. Noske fährt fort: Es ist eine leider unser öffentliches Leben und den Mangel an Disciplin charakterisirende Erscheinung, daß solche Verhältnisse noch möglich sind. Eine strammere Disciplin würde sie bald beseitigen. (Rufe der Antisemiten: Aha, da hab'n mer's!) Angesichts der Thatsache, daß die Verhetzung der Parteien, dieses Gegeneinanderbringen der Confessionen geschäftsmäßig (Pfui! der Antisemiten) betrieben wird, sind wir verpflichtet bekannt zu geben, daß und warum wir der Subvention zustimmen. Die Liechtenstein'sche confessionelle Schule wäre eine confessionelle Staatsschule gewesen und dagegen werden wir uns stets aussprechen. Die Drohung, daß man beantragen werde, auch die czechische nationale Schule in Favoriten zu subventioniren, wirke auf den Redner nicht. Es wäre das Aergste nicht, was von jener Partei passiren könnte, von einer Partei, deren Führer vom Urdemokraten und Staatssocialisten bis zum Führer der vereinigten Christen vorgerückt ist und sich mit Stolz einen solchen nennt. (Dr. Lueger: Ja wohl!) Es ist das jetzt die politische Gesinnung dieses Herrn, ich bitte das Datum zu beachten, für das vierte Quartal 1888. (Heiterkeit rechts, Widerspruch links.) Nicht um die fünfhundert Gulden handelt es sich, sondern nachdem die principielle Frage aufgeworfen ist, muß man zu ihr Stellung nehmen und offen erklären, daß man der Subvention zustimme. Die Vorredner haben ihrer antisemitischen Stellung Ausdruck gegeben. ^Heiterkeit links.) Da ist nichts zu lachen. Die Frage ist ernster Natur. Jahrzehnte lang hat der Gemeinderath seinen Verhandlungen obgelegen, aber die Schmach einer solchen Debatte ist ihm bisher noch erspart gewesen. (Zustimmung.) Es ist unsere Pflicht, dahin zu wirken, daß solche Debatten in der Zukunft nicht mehr Vorkommen (Rufe der Antisemiten: Wie werden Sie das machen?), welche vielleicht im letzten Wirthshaus ein dankbares Publicum finden mögen, aber hierher nie gehören. Es ist nothwendig, daß ein reinigendes Gewitter diesen Zuständen ein Ende mache. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen rechts und im Centrum.) GR. Meißl: Ich beantrage Schluß der Debatte. Der Antrag wird angenommen. GR. Nikola erklärt, für die Subventionirung der jüdischen Schule stimmen zu wollen. Redner müsse sein Bedauern darüber ausdrücken, daß solche Ausfälle confessionellen Hasses hier in diesem Saale laut werden. Redner erklärt es für eine Ungerechtigkeit ärgster Art, wenn der vorliegende Antrag nicht die Zustimmung der Versammlung finden würde. (Beifall.) GR. vr. Stern erinnerte daran, daß Herr Häufler sich gegen die Subventionirung der Rettungsgesellschaft aus dem Grunde aussprach, daß dort jüdische Mediciner Beschäftigung finden. Daß hunderte, ja tausende von Menschen bei der Rettungsgesellschaft Hilfe und Heilung finden, ist dem Herrn Häufler ganz gleichgiltig; bei seinem Hasse, diesem blinden Hasse übersieht er dies. Aber dieser Herr hat kein Recht, von der jüdischen Talmi-Moral zu sprechen. (Zustimmung.) Redner wendet sich gegen die Antisemiten, welche immer die christliche Moral im Munde führen, aber gegen die Angehörigen anderer Confessionen nur Haß und Verfolgung aussäen. Diese Herren seien nicht berechtigt, Anklagen gegen die Talmi-Moral zu erheben. (Zustimmung.) Redner erörtert nun die Zustände in den Leopoldstädter Schulen, die entschieden tadelnswerth seien und deren Beseitigung bedeutende Summen erfordern würde. Redner empfiehlt die Annahme des Referenten-Antrages. (Beifall rechts.) GR. vr. Richter weist nach, daß die Erbauung und Erhaltung einer Volksschule an Stelle dieser Vereinsschule bedeutend höhere Kosten verursachen würde. Wenn gesagt worden sei, daß man sich wohl befreunden könne, evangelische Schulen zu subventioniren, so gestehe man damit offen ein, daß man nicht der confessionellen Schule, sondern der Judenschule die Subvention verweigere. Der bequemste Parteistandpunkt sei der der Antisemiten. Der Antisemit brauche nichts zu wissen und zu können, auch nicht im Interesse der Commune zu arbeiten, er braucht blos zu sagen: Ich bin gegen die Juden. So faßt seine Aufgabe Herr Häufler auf. der sich nie veranlaßt finde, zu sprechen, als wenn das Wort Jude falle (Heiterkeit), und zwar deshalb, weil er hierher gesendet worden sei, um der Gesinnung der Bevölkerung Ausdruck zu geben. Wenn dies wahr sei, habe die Landstraße einen großen Mißgriff gemacht, weil die Sprechweise dieses Mannes von Niemanden verstanden werde. Ja selbst in den stenographischen Protocollen werden diese Reden nicht zu finden sein, weil auch die Stenographen dieses Oesterreichisch nicht verstehen. (Unruhe und Schlußrufe links.) Aber, meine Herren, lassen Sie uns doch, da Sie demnächst die Majorität haben werden, noch ein Bischen sprechen.