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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-10 · Heft 2 (10.1.1889) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 2 (10.1.1889)
Date
1889-01-10
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 selbe sich eines steigenden Besuches erfreut. Die Leopoldstädter Bezirksvertretung hat sich für eine Erhöhung der Subvention von 500 fl. auf 750 fl. ausgesprochen, da, falls die Schule geschlossen würde, die Commune Wien für die Unterbringung der Schulbesucher Vorsorge treffen müßte. Die Finanzsection beantragt, der Anstalt, welche schon seit dem Jahre 1867 besteht und Ersprießliches geleistet hat, eine Subvention von 500 fl. für das Jahr 1889 zuzuwenden. GR. Schnarf erklärt, er habe schon in der Section den Antrag auf Ablehnung der Subventionirung gestellt. Man habe ihm gesagt, die Antisemiten sollen eigentlich froh sein, daß confessionelle Schulen von der Gemeinde unterstützt werden. Darauf wolle er antworten. Ferner habe Redner den Antrag gestellt, daß die Angelegenheit in öffentlicher Sitzung verhandelt werde, damit eine Angelegenheit, welche schon weite Kreise der Bevölkerung interessirt, nicht innerhalb der Wände des Commissionszimmers, sondern öffentlich verhandelt werde. Wenn Sie, meine Herren von der Rechten, dem Anträge des Referenten zustimmen, begehen Sie eine schwere Jnconsequenz. (Widerspruch reckts.) Ja, so ist es. Sie haben wiederholt sich gegen confessionelle Schulen ausgesprochen, und ich erinnere Sie daran, daß Sie gegen die Lex Liechtenstein, welche ja confessionelle Schulen beabsichtigt, sich ausgesprochen haben. Gehen Sie auf den Referentenantrag ein, so wird sich in der Bevölkerung Wiens die Meinung bilden, daß Sie wohl für confessionelle jüdische Schulen, aber gegen confessionelle christliche Schulen sind. (Widerspruch rechts, Zustimmung links.) Subentioniren Sie die Talmud-Thora-Schule, so dürfen Sie erwarten, daß einzelne Parteigenossen alle Schulen, die auf separatistische Gelüste hin gegründet wurden, und auch die czechische Schule in Favoriten unterstützen müssen. Nachdem der Gemeindcrath sich wiederholt und in der nachdrücklichsten Weise gegen confessionelle Schulen ausgesprochen hat, erscheint es nur consequent, wenn er auch die beantragte Subventionirung ablehnt. GR. Häufler erklärt, von einer großen Wählerzahl in den Gemeinderath entsendet worden zu sein, um hier der antisemitischen Gesinnung der Wähler Ausdruck zu geben. Er staune über die Unverfrorenheit der jüdischen Schulleitung, die bei der Gemeinde um eine Unterstützung einschreite. Zu was besteht diese Schule? Warum wollen die Kinder nicht in unsere Communalschulen gehen, wo sie ja umsonst Unterricht erhalten? Dieselben wollen eine eigene Schule, weil sie dort eine eigene Moral lernen. Die weiteren weitläufigen Ausführungen des Redners bleiben zum größten Theile unverständlich. Schließlich räth der Redner der Schulvorstehung, sich an den Baron Hirsch zu wenden, der werde gewiß mehr geben. Der Reichsrath möge Ausnahmegesetze für die Juden beschließen. (Der größte Theil der Ausführungen des Redners bleibt für die Berichterstatter unverständlich, da sich der Redner mit dem Rücken gegen die Journalistenloge postirt hat. Bemerkung des Berichterstatters.) GR. Noske citirt aus der Rede des Herrn Häufler, welcher sagte, er schätze es sich zur Ehre, den Judengeist zu bekämpfen. Dem gegenüber weise er darauf hin, daß die Juden durch Steuern, Abgaben und Leistungen jeder Art gegenüber der anderen Bevölkerung nicht zurückstehen, (Widerspruch der Antisemiten), daß die jüdischen Einwohner durch ihren Wohlthätigkeitssinn hervorragen. Bon dieseni achtenswerthen Theile der Bevölkerung sagte der Vorredner, daß sie keine fleißigen, keine ehrlichen Hände uns entgegenbringe», daß sie nicht unsere Freunde sind, daß man ihnen die Peitsche zeigen muß, daß man von ihnen der Bevölkerung zurufen müsse: Seid vorsichtig, wenn Ihr mit Juden zu thun habt. Und da spricht der Vorredner von „seinem Rechtsgefühl". Da muß man sich endlich die Frage nahelegen, ob es mit dem Rechtsgefühl, mit der Pflicht und Aufgabe der Stadtvertretung vereinbarlich ist, daß gegen einen großen, achtenswerthen, strebsamen Theil der Bevölkerung in diesem Saale so abgeurtheilt wird. (Rufe der Antisemiten: Jawohl!) Ich behaupte, weder mit dem Rechtsgefühl noch mit der Aufgabe der Stadtvertretung, noch mit dem Schicklichkeitsgefühl läßt sich dies vereinbaren. Mit dem Rechte nicht, denn wir sind von der Gesammtbevölkerung entsendet, um die Gcsammtinteressen zu vertreten, nicht Stand gegen Stand zu Hetzen, nicht Gegensätze, die ohnehin bestehen, zu vermehren. Mit dem Schicklichkeitsgefühle nicht, weil in diesem Kreise Männer, Angehörige der Confession, die geschmäht wurde, sich finden, und weil es dem gewöhnlichsten elementaren Anstande widerspricht, in Gegenwart eines Betheiligten eine solche Sprache zu führen. Ich bewundere die Langmuth der erwähnten beleidigten Herren, daß sie dieser Herabsetzung, diesem entwürdigenden Treiben so lange zugesehen haben. (Beifall.) Bei mir ist das Maß voll geworden und ich gestehe offen, es muß endlich Etwas geschehen im Interesse des Ernstes und der Würde des Gemeinderathes, daß diese Sprache hier nicht mehr gehört werde, daß diesem Treiben ein Ende gesetzt werde. (Lebhafter Beifall.) Wenn man hier ist, für das Gemeindewohl zu wirken, so ist man nicht verpflichtet, diese Tiraden, diese unanständigen Reden über sich ergehen zu lassen. (Beifall.) Der erste Redner hat es noch versucht, seinem Parteistandpunkte das Mäntelchen gewisser Argumente umzuhängen. Dabei hat er aber von den unbequemen Kindern gesprochen. Ist es wohl zulässig, daß von Männern, welche dazu da sind, Kinder aller Confessionen mit gleicher Liebe in der Schule zu umfangen, in öffentlicher Rede bekannt gegeben wird, daß ihnen einzelne Kinder

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