Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
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26 ten entgegcntritt. Man kann deshalb kaum zweifeln, daß die letzteren, aus deren Reihe der verstorbene Abgeordnete Kräcker hervorgegangen, wiederum siegen rverden. Aber die Gährung, die in den Cartellparteien vorhanden und jetzt offenbar geworden, geht demungeachtet vor sich, weil sie eben wegen der Verschiedenheit der Elemente naturgemäß ist. Frankfurt a. M, 2. Januar. Gestern Vormittag fand unter großer Betheiligung die Beerdigung des Rabbiners der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft Sams. Raph. Hirsch statt. Dem Leichenwagen folgten nach den Familiengliedern die Schüler der Realschule der betr. Gemeinde nebst dem ganzen Lehrercollegium, hierauf die Rabbiner auswärtiger Gemeinden und deren Deputationen, woran sich dann das übrige Leichengefolge, das aus Mitgliedern aller Richtungen bestand, anschloß. Auf dem Friedhofe sprach zuerst Herr Dir. Dr. Hirsch Namens der Gemeinde, dann Herr Rabb. Dr. Guggenheim aus Kollin, hierauf vr. meä. Hirsch Namens der Familie, dann Herr Rabb. vr. Ehrmann aus Baden (Schweiz). Ferner sprachen Herr B. Roos im Namen der Verwaltung, dann Herr Rabb.-Assessor Posen, Herr vr. Sulzbach im Namen der Schule, Herr H. Guggenheim Namens der Beerdigungsbrüderschaften, Herr Rabb. vr. I. Hildesheimer Namens der Berliner Religionsgesellschaft, Herr Rabb. vr. Lehmann aus Mainz und im Namen des Hamburger Syuagogenverbandes der dortige Rabbinatsverweser Herr vr. Nathan. In Anbetracht der vorgeschrittenen Zeit konnte kein weiterer Redner zugelassen werden. Die Feier schloß um 3 Uhr. Aus Sachsen, im Dec. (Privatmitth.) Die sächsische Bevölkerung hat von jeher zu einem Theile dem Conservatismus, zum anderen der Demokratie gehuldigt und nur mühsam hielt sich in einigen größeren Städten der Nationalliberalismus aufrecht. Mit dem Conservatismus verband sich in den letzten Jahren der Antisemitismus und zwar in recht entschiedener Färbung, wogegen wiederum in den Jndustriedistrikten der Socialismus seinen Einstuß geltend machte. So wurden Dresden und Leipzig Hauptheerde des deutschen Antisemitismus. Da ergiebt es sich nun gegenwärtig, daß die conservative Partei in Dresden sichtlich zurückgeht, wie denn einige ihrer Häupter bei den Stadtverordnetenwahlen unterlagen. Ein anderes Symptom ist, daß das jüngste Organ der antisemitisch-conservativen Partei, die „sächsische Landeszeituug", trotz der vielen Opfer, die für sie gebracht worden, mit dem 1. Januar eingeht, ein Schicksal, das sie ihres Gehaltes wegen wohl verdient. Sie ist übrigens das dritie Blatt, welches die Conservativen gegründet und verschwinden sahen. Jedenfalls ist dies ein Beweis, daß es mit dieser Partei nur stau steht. Hoppstädten a. d. Nahe, 28. Dec. (Privatmitth.) Am 25. und 26. Dec. hatten wir hier eine kleine Bezirksconferenz jüdischer Lehrer. War auch die Anzahl der Theilnehme nur eine geringe, so waren doch die Verhandlungen so interessant und anregend, daß wir mit außerordentlicher Befriedigung darauf zurückblicken dürfen. Herr Sender-Tholey legte der Versammlung eine Reihe von Heften vor, enthaltend Vorschriften für den systematischen Untericht im Schreiben der hebräischen Quadrat- und Kurrentschrift. Bei aller Würdigung indessen, die man der vortrefflichen Arbeit des Herrn Sender zu Theil werden ließ, konnte man sich doch der Ansicht nicht verschließen, „daß der fragliche Unterlichtsgegenstand so leicht und schnell erlernbar sei, daß es kaum eines besonderen Apparates dafür bedürfe." Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein eingehender Vortrag des Herrn Baum-Sötern über Chevrawesen und Schiurlernen. An der lebhaften Debatte, die sich anschloß, betheiligten sich nicht blos die Lehrer, sondern auch die zahlreich erschienenen Mitglieder der hiesigen Gemeinde, welche in gastlicher Weise uns ausgenommen und durch ihren ersten Vorsteher, Herrn E. Weil, begrüßt hatte. — Am zweiten Tage beschäftigte uns der vom Einsender eingebrachte Vorschlag: „Die nachbiblische Geschichte der Juden nicht gesondert, sondern im Rahmen der allgemeinen Geschichte zu behandeln." Herr Landesrabbiner vr. Goldschmidt von hier, der sich beide Tage in eingehendster Weise an den Berathungen betheiligte, hat sich um den so befriedigenden Verlauf dec Versammlung so verdient gemacht, daß wir ihm zu wirklichem Danke verpflichtet sind. — Wenn es gelänge, in den verschiedenen Bezirken solche kleinere Versammlungen — deren Kosten ja nicht so erheblich sind — zusammenzubringen, so müßte gerade hieraus, wie ich fest überzeugt bin, den größeren Versammlungen und der Gesammtheit der rechte Gewinn erwachsen. Ferdinand Eppstein. Oesterreich-Ungarn. Wie«, 25. December. Wien und Berlin unterscheiden sich auch dadurch, daß auch in den Wiener Gemeinderath die Antisemiten eingedrungen sind und hier ihr böses Spiel treiben. Doch finden sie daselbst eine kräftige Abfertigung. Eine solche Debatte fand in der Sitzung des Gemeinderaths vom 18. December statt und wir geben hier einen Bericht darüber. GR. Göczy referirt Namens der Finauzsection über die Subvention der Talmud-Thora-Schule im Bezirke Leopoldstadt. Diese öffentliche Schule wird schon seit dem Jahre 1880 von der Gemeinde subventionirt. Heute ist die Vorstehung der Schule um eine Erhöhung der bisherigen Subvention von 500 fl. eingeschritten, nachdem die Erhaltungskosten der Anstalt sich auf 600 fl. belaufen und di»-